Netflix im Panik-Modus? 200 Millionen Dollar für "Game of Thrones"-Macher Benioff und Weiss

Ben Platt ist "The Politician". Foto: Netflix

Es wäre so etwas wie die ultimative Serien-Sensation geworden. Im September bringt der vor eineinhalb Jahren mit viel Geld zu Netflix gelockte Top-Serienmacher Ryan Murphy mit "The Politician" sein erstes Werk auf die Streaming-Plattform und fast hätte Barbra Streisand nach längerer Film- und Fernsehpause wieder einmal mitgespielt. Mit Hinweis auf ihre Arbeit an einem neuen Album sprang die mittlerweile 77-jährige Diva dann doch noch ab.

Ohne Frau Streisand soll "The Politician" trotzdem zumindest eine "geniale Mischung aus Comedy und Satire" geworden sein. Ryan Murphy zeigt uns auf einmalige Weise, so wird versprochen, wie man ein richtiger Politiker wird. Sozusagen den Trump-"Way of Life".

Payton Hobart (Ben Platt), ein Schüler aus wohlhabendem Haus im kalifornischen Santa Barbara, war sich mit sieben Jahren bereits sicher, dass er eines Tages US-Präsident wird. Aber zunächst muss er die gefährlichste politische Schlangengrube von allen bestehen: Die Saint Sebastian High School. Um Präsident des Schülerparlaments zu werden, einen Studienplatz in Harvard zu ergattern und nicht vom geraden Weg ins Oval Office abzuweichen, muss Payton gerissener als seine skrupellosen Mitschüler agieren, ohne dabei seine eigenen Moralvorstellungen und sein sorgfältig gepflegtes Image zu opfern.

Klingt ganz lustig. Klingt ganz nett. Kann man mal reinschauen. Ist auch politisch, denn es geht um Privilegien und darum, dass manche eben gleicher als gleich sind. Aber im Prinzip ist das eine "Coming of Age"-Comedy, ist ein Genre und es gibt viele Serien und Filme davon.

Erst im nächsten Jahr wird mit "Bridgerton" die erste Serie aus dem "Shondaland" Netflix erreichen. Dass Shonda Rhimes bei Netflix unterschrieb, ist dann so ungefähr drei Jahre her. Die Bridgertons nach der Buchreihe von Julia Quinn sind sicher eine erfolgsträchtige Serien-Idee. Aber man tritt da in große Fußstapfen. Mit "Stolz und Vorurteil" und Jane Austen existiert ein sehr großes Vorbild, an dem man gemessen werden wird. Und diese Welt gibt es sogar schon mit Zombies. Der Erfolg der "Bridgertons" ist also nicht garantiert.

In dieser Woche kam es dann noch einmal toller: 200 Millionen Dollar soll Netflix laut "Hollywood Reporter" dafür auf den Tisch legen, dass die "Game of Thrones"-Showrunner David Benioff und Dan Weiss zu Netflix kommen. Wann sie welche Serien und Filme dort abliefern, das steht noch nicht fest.

Ein Zeichen der Stärke sind diese Deals vielleicht aber nicht. Derzeit läuft bei ProSieben die neue Staffel von "Grey's Anatomy". Noch immer steht "Shondaland" zumindest mit seinen guten Namen dafür. Die übrig gebliebenen Stars aus der goldenen Zeit der Serie wie Chandra Wilson oder Justin Chambers arbeiten sich mittlerweile an haarsträubend schlechten Dialogen ab. Man glaubt, ihre Verzweiflung zu spüren und leidet mit. Das einst leuchtende Vorbild für tolle Serien, es könnte bald ein abschreckendes Beispiel sein. Was ist, wenn "Bridgerton" ähnlich wird? Und selbst dann, wenn Shonda Rhimes dieses Mal tadellose Arbeit abliefert- die Frage ist doch, ob "Bridgerton" oder Ryan Murphys "Politician" für Netflix auch Abonnenten gewinnen. Denn nur dann ergibt das Ganze irgendeinen Sinn.

Wenn so viel Geld aber keine Garantie für tolle Produkte und neue Abonnenten ist- was soll diese Strategie von Netflix dann bringen? Oder ist es gar keine Strategie, sondern Panik- die Angst im kommenden Wettbewerb mit den eigenen Serien und Filmen nicht konkurrenzfähig zu sein?

Das "Game of Thrones" ist schließlich in der Realität niemals entschieden. Oder wie die Fußballer sagen: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Wir sind gespannt.

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