"Entbündelung": Prime Video soll von Amazon weg

"Die Mumie" ist seit Februar "Prime". Foto: Amazon

Alles, was Tom Cruise anfasst, wird irgendwie zu Gold, so meint man manchmal. Der Film "Die Mumie" aus dem Jahr 2017 gehört offenkundig nicht dazu. Das Einspielergebnis an den Kinokassen blieb unter den wohl ziemlich hohen Erwartungen und das eigentlich geplante "Dark Universe" von Universal mit einer Neuauflage von Monster-Klassikern verschwand zumindest vorerst wieder in irgendeiner Gruft oder in einem Grab. Seit Februar ist "Die Mumie" nun Prime und ich kann mich als "Mitglied" ohne weitere Kosten davon überzeugen, dass der Film bestenfalls mittel war. Das ist schön.

Professor Achim Wambach gefällt das nicht. Es ist ihm sicher relativ egal, was wir für Filme gucken aber das "kostenlos" stört ihn. Denn Amazon ist ja eigentlich ein Händler, ein Kaufhaus, "Prime" ist (oder war es zumindest einmal) die Gebühr für dessen kostenlosen Lieferservice. Wambach ist Vorsitzender der Monopolkommission, die die Bundesregierung berät und meint, man müsse zur "Beschränkung der Marktmacht" von Amazon "in Richtung Entbündelung auf Produktebene" denken. So hat er es zumindest der "Welt" gesagt.

Was das konkret heißt, wissen wir noch nicht- aber in Zukunft soll es irgendwie verboten werden, dass ein Kaufhaus auch Fernsehen macht. Oder so. Darf ein Fernsehsender dann noch verkaufen? Was wird aus QVC und HSE24? Sind Liefergebühren zukünftig staatlich vorgeschrieben? Wir wissen es nicht. Das Problem Amazon ist wohl schwierig zu lösen- weil es in Wahrheit die Größe der Firma ist.

Die "Marktmacht" muss eben ein ziemlich kompliziertes Problem sein. Deshalb ist der Professor nun auch noch Mitglied in einer weiteren Kommission, der "Kommission Wettbewerbsrecht 4.0". Die soll bis Herbst diesen Jahres "insbesondere konkrete Handlungsempfehlungen zum europäischen Wettbewerbsrecht erarbeiten". Die sieben wertvollsten Unternehmen der Welt sind digitale Plattformunternehmen aus Amerika und China, so hat man festgestellt. Der Wettbewerb muss wohl Fehler haben, sonst wären da doch sicherlich Europäer dabei. In den Köpfen von Politikern, die sich DSGVO's, Quoten und Abgaben für Internet-Unternehmen oder noch Skurrileres wie "Rundfunklizenzen" für YouTuber ausdenken, finden sich die Gründe für das Ausbleiben der so dringlich herbeigesehnten international wettbewerbsfähige Digitalunternehmen doch garantiert nicht.

Auch die US-Senatorin Elizabeth Warren möchte Amazon zerschlagen. Sie will bei der US-Präsidentschaftswahl 2020 für die Demokraten antreten und am besten Google und Facebook gleich mit aufspalten. Zumindest bei Amazon könnte das vielleicht die einzige politische Frage sein, in der sie mit Donald Trump einer Meinung ist. Denn Amazon-Chef Bezos ist auch Besitzer der "Washington Post".

Vielleicht ist das Problem ja ein ganz Anderes. Da kam eines Tages mit diesem Internet etwas Neues in unsere Welt- etwas, was wir noch immer nicht richtig verstehen. Etwas, was Regeln ändert. Bisher Unmögliches möglich macht. Statt verzweifelter Versuche der Eindämmung und Begrenzung wäre vielleicht ganz einfach ein Aufbruch gefragt. Sonst kehrt das "Dark Universe" doch noch zurück.

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