"IO": Netflix liebt die Apokalypse- wer gibt uns die Zukunft zurück?

Foto: Netflix / William Gray

45.037.125 - bitte hört auf damit. Diese eindrucksvolle Zahl hat Netflix kurz vor Ende des letzten Jahres per Tweet gemeldet. Von so vielen Netflix-Accounts wurde allein in den ersten sieben Tagen der Film "Bird Box- Schließe deine Augen" mit Sandra Bullock abgerufen - obwohl nicht hingucken doch das einzige Mittel gegen die Apokalypse ist. Und diese Zahl, so Netflix, bedeute die "best first 7 days ever" für einen Netflix-Film. Diese Kalifornier- sie werden von Algorithmen getrieben. Wenn ihr nicht damit aufhört, euch Weltuntergänge anzuschauen, dann bekommt ihr davon immer mehr.

Okay, "Bird Box" war also ein guter Film. Für mich reicht es aber so langsam mit der Apokalypse. Netflix kennt da keine Gnade. Einen Monat später steht schon die nächste bereit. Rosamunde Pilcher ist bereits 94 und Douglas Adams ist viel zu früh gestorben. Gibt es weltweit niemanden, der apokalypsefreie Science Fiction kann? Darf man über einen Film lästern, den man noch gar nicht gesehen hat? Ich will meine Zukunft zurück.

Okay, ihr wollt sie, ihr kriegt sie. "IO", so heißt das nächste "Netflix Original"-Filmkunstwerk und es spielt nicht auf dem gleichnamigen Jupitermond, sondern auf der Erde nach einer, nun ratet mal, Apokalypse. In der nahen Zukunft, so verrät uns der Trailer, "wird die Erde toxisch". Die Menschen werden deshalb auf den Jupitermond flüchten. Das mit der Apokalypse wird langsam langweilig, aber "Io" ist eine auf den ersten Blick sehr originell klingende Idee.

Mmh. Bei "Wikipedia" lernen wir: "Io ist mit Abstand der vulkanisch aktivste Körper im ganzen Sonnensystem. Bei Eruptionen werden flüssiger Schwefel und Schwefeldioxid mit Geschwindigkeiten bis zu 1 km/s und Temperaturen von 1000 bis 1300 °C ausgestoßen, die aufgrund der geringen Schwerkraft bis in 300 Kilometer Höhe gelangen können. Die Materialien fallen zurück auf die Oberfläche und bilden mächtige Ablagerungen." Und da stehen noch eine ganze Menge Dinge mehr, die daran zweifeln lassen, dass das eine Verbesserung ist.

Okay, "bei dem verzweifelten Versuch, die sterbende Welt zu retten, kommt eine junge Wissenschaftlerin einem Mann näher, der unbedingt das letzte Shuttle ins All erreichen will"- so beschreibt Netflix den Inhalt. Nicht nur wir zweifeln also an, dass die Zukunft der Menscheit auf Io zu finden ist.

Margaret Qualley spielt Sam Walden, eine Teenagerin (!), die auf einer verlassenen Erde nach der Apokalypse eine der letzten Überlebenden ist und nun nach einem Heilmittel für ihren verseuchten Heimatplaneten sucht, bevor das letzte Raumschiff zu der entfernten Menschenkolonie im All abhebt und sie allein zurücklässt. Anthony Mackie ist Micah, ein rätselhafter Flüchtling auf seinem Weg zum Abflug des Raumschiffs. Er lässt Sam daran zweifeln, ob sie das Schicksal der Erde wirklich noch ändern kann. Ja, das ist nachvollziehbar. Wir zweifeln auch.

Kann sie oder kann sie nicht? Im ersten Fall wäre die Geschichte wohl von Marvel, also was mit Superhelden und keine "richtige Science Fiction". Richtige Science Fiction braucht anscheinend die Apokalypse. Zumindest bei Netflix. Ich will meine Zukunft zurück.

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