Ein deutscher Grusel-Film: Netflix ist vielleicht schon Streaming-Marktführer im Land

"Spuk in Hill House". Foto: Netflix / Steve Dietl

Das "Hill House" ist auf Netflx zurück- und es ist auch in Serie gut geworden. Ein weiterer Grusel-Klassiker läuft heute Abend wieder rund um den Streaming-Dienst: Das 3. Quartal 2018 ist nun Vergangenheit. Die Zahlen erreichen die Öffentlichkeit.

Beim letzten Mal hat Netflix viele Börsianer in Schrecken versetzt. Warum auch immer. Ein Zuwachs von fünf Millionen Abonnenten in gerade einmal drei Monaten- ist das etwa schlecht? Entscheidend sind eben nicht die tatsächlichen Ergebnisse, sondern die Erwartungen. Man hatte halt mehr "erwartet". Dabei ist das im Leben doch so oft der Fall.

Mit Erwartungen spielt man eben nicht- höchstens in einem guten Gruselfilm. Da gibt es immer zwei mögliche dramaturgische Höhepunkte: Entweder es passiert etwas- überraschend und aus dem Nichts. Oder es geschieht über gefühlte Ewigkeiten hinweg relativ wenig- und uns gruseln nur die Erwartungen. Düstere Musik läuft leise im Hintergrund. Türen knarren und Kerzen flackern. Irgendwas ist da. Wir erwarten das Schlimmste. Dann passiert es. Oder auch nicht.

Wir wissen noch nicht, ob Netflix die Erwartungen der Börsianer heute Abend erfüllen kann. Es ist wie immer bei diesen "Analysten"- so ganz genau wissen sie gar nicht, was sie denn "erwarten" sollen. Fünf Millionen  neue Abonnenten sind immer fünf Millionen Abonnenten. Aber je nach den Erwartungen sind sie mal ein Schrecken erregendes Monster und dann wieder ein strahlender Held direkt aus dem Licht.

Interessante Zahlen gab es in diesen Tagen zum Thema Netflix trotzdem schon. Es geht um unseren, also den deutschen Markt- und von dort kommt für Netflix scheinbar kein Gruselfilm, sondern ein Helden-Gedicht.

Netflix soll in Deutschland mittlerweile sogar mehr Abonnenten haben als Sky- und damit aktuell der eigentlich größte "PayTV"-Anbieter sein. Das wollen die britischen Analysten von "Ampere Analysis" herausgefunden haben und "Cirkus", bei uns als "Amazon Channel" bekannt, hat es dann weitergesagt.

5,1 Millionen deutsche Abonnenten sollen danach nun hierzulande für Netflix bezahlen. Das seien mehr als die 4,8 Millionen bei Sky. Nur Amazon hat 9,9 Millionen "Prime"-Kunden. Aber niemand weiß, wer da nicht nur einkauft, sondern auch "Prime Originale" guckt. Ein direkter Vergleich ist also kompliziert.

Viele Zahlen, die so kursieren, sind auch immer mit Vorsicht zu genießen. Für den Fall, dass die Zahl fünf Millionen aber auch nur annähernd stimmt, dann ist Netflix zumindest in Deutschland ein strahlender Held. Und ein Schrecken erregendes Monster für die Wettbewerber, insbesondere aus dem "alten Fernsehen", dazu. Es wäre so etwas wie eine Revolution.

Und die Hinweise darauf verdichten sich. Es ist Zeit für düstere Musik aus dem Hintergrund. Türen knarren, Kerzen flackern. Bisher war Amazon mit seinem "Prime Video" in Deutschland bei der Nutzung von Streaming-TV laut ARD/ZDF-Onlinestudie immer vorn. Durch die Millionen E-Commerce-Abonnenten hatte Amazon schließlich einen fast uneinholbaren Startvorteil. Da gab es für die Kunden kostenlosen Paket-Versand und die Filme und Serien entdeckten dann eben viele dazu.

Jetzt muss die düstere Musik langsam lauter werden. Vielleicht fällt auch eine der knarrenden Türen mit lautem Knall zu. Denn Amazon hat sich im letzten Jahr mit seinem Prime-Geschäft hierzulande ebenfalls sehr gut entwickelt. Netflix ist nur noch schneller unterwegs und hat Prime Video in Deutschland bei der Streaming TV-Nutzung nach den Ergebnissen der aktuellen ARD/ZDF-Onlinestudie mittlerweile trotzdem überholt und liegt vorn. Innerhalb von gerade einmal vier Jahren, im öffentlich rechtlichen Fernsehen und in seinen Gremien der normale Planungszeitraum für Neues, entstand da quasi aus dem Nichts etwas sehr Großes. Etwas, das Wettbewerber sicher erschreckt.

Die Spannung steigt. Heute Abend wissen wir, wie es weltweit um Netflix steht. Die deutsche Konkurrenz braucht jedenfalls dringend Helden. Ob die schon alle unter Vertrag bei Netflix sind?



Update 17.10.: Es sind weltweit fast sieben Millionen neue Abonnenten geworden. Sieben! Damit ist alles gesagt. Netflix hatte ein Helden-Quartal. Und überlässt das Gruseln für mindestens drei Monate dem Rest.

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