Carrie geht in Rente- das "Homeland" bleibt ungeschützt.

Das "Homeland" ist immer noch in Gefahr- aber Carrie geht in Rente.
Foto: Amazon / © 2017 Twentieth Century Fox Home Entertainment

Die "TCA"-Sommertour, die große PR-Show der Fernsehsender (und nun auch wieder der Streaming-Dienste) vor der "Television Critics Association" in Hollywood bringt nicht nur die Ankündigungen für große Projekte zu uns. Sondern manchmal auch Nachrichten von ihrem Aus.

Das muss nicht immer tragisch sein. "Wenn es am schönsten ist, sollte man gehen". Der eigentlich für feucht-fröhliche Feiern gedachte Kalenderspruch gilt gerade auch für TV-Serien. "Grey's Anatomie" begründete einst den legendären Ruf der Shonda Rhimes als ultimative Serien-Macherin und könnte ihn genauso auch wieder vernichten- wenn die Serie, mittlerweile in Staffel 14, weiterhin qualitativ so kontinuierlich absinkt. Irgendwann ist eine Geschichte erzählt. Um die Spannung zu halten, erzählen die Drehbuchschreiber immer abwegigere Twists. Das kann durchaus noch eine Weile ganz gut funktionieren. Aber die Luft aus der Serie ist raus.

So weit ist es mit "Homeland" noch lange nicht. Trotzdem ist es mit Carrie und ihrer bipolaren Störung bald vorbei. Die im nächsten Jahr erscheinende Staffel acht wird die letzte sein. Hauptdarstellerin Claire Danes hatte es vor einigen Wochen in einem Interview schon einmal durchblicken lassen. Zur TCA-Sommertour bestätigte der Showtime-Boss David Nevins es nun auch offiziell. Produzent und Drehbuchautor Alex Gansa soll "Homeland" nun zu einem "angemessenen Abschluss" führen. Oh je. Was könnte ein "angemessener Abschluss" für Carrie seien? Ein Happy End??

Wenn es am schönsten ist, sollte man gehen. Genau so ist es aber in diesem Fall. Bei "Homeland" ist nach wie vor ein einzigartiges Team am Werk. Noch immer zaubern sie dort hochspannende Geschichten auf höchstem Niveau. Grandiose Darsteller, fantastische Drehbücher, exzellentes Handwerk in jedem Detail. Aber auch Carrie's Geschichte muss irgendwann Grenzen haben. Egal, wie toll Claire Danes und Alex Gansa auch sind.

Denn die eigentliche Story ist doch schon lange erzählt. "Hatufim - In der Hand des Feindes", so hieß das israelische "Homeland"-Vorbild. Es erzählte die schwierige Geschichte der Heimkehr von langjährig in der Gefangenschaft befindlicher Soldaten. Im Prinzip war "Homeland" mit dem Tod von Nicholas Brody schon nach Staffel drei vorbei. Es war der gewaltige Erfolg der Serie, der die Geschichte dann weiter trug.

Wenn es am schönsten ist, sollte man gehen. Das Problem ist ja nicht, dass auch tolle Serien irgendwann enden. Sondern, dass es so wenig gleichwertige Nachfolger gibt. Jetzt können wir erst einmal gespannt sein, wie ein bipolares "Happy End" aussieht. Und danach? Nachfolger auf Augenhöhe sind nicht in Sicht. Okay, Amazon bringt bei Prime "Jack Ryan" mit großem Aufwand frisch an den Start. Auch anderswo sind natürlich taffe Helden unterwegs. Aber nirgends ist eine neue Carrie, ein neuer Saul, ein Peter Quinn oder ein neuer Dar Adal in Sicht. Das "Homeland" bleibt wahrscheinlich ungeschützt.

Die Staffeln eins bis sechs sind bei Amazon "Prime", Staffel sieben ist erst im Verkauf.

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