Aufruhr und Angst vor Monstern in Hollywood: Die "Oscars" bekommen eine Reform



Kennt ihr den Film "Moonlight"? Nein? Das kann doch aber kaum sein. Denn "Moonlight" war nach Meinung der "Oscar"-Jury 2017 der "Beste Film". Damit steht er in einer Reihe mit "Vom Winde verweht", "Casablanca", "Der Pate" oder "Titanic". Also Film-Legenden für die Ewigkeit.

Die Jury hat nicht ganz Unrecht- es ist tatsächlich ein ganz hervorragend gemachter Film. "Chiron", um den es in "Moonlight" geht, ist schwarz, homosexuell und seine Mutter ist ein Junkie. Das verursacht Probleme. Damit ist der Inhalt im wesentlichen erzählt. Im extrem politisierten Hollywood der gerade begonnenen Trump-Ära war "Moonlight" wohl der richtige Film im richtigen Moment für die als "so white" kritisierten "Oscars". Nur: Wer will so etwas im Kino sehen? Ein großer Zuschauer-Erfolg wurde "Moonlight" also erwartungsgemäß trotz jeder Menge Auszeichnungen nicht.

In diesem Jahr hieß der "Beste Film" der "Oscars" dann "Shape of Water". Die ebenfalls etwas sperrige Science Fiction-Story war wiederum nur in den Augen der "Academy", die die "Awards" vergibt, der "beste Film" seines Jahrgangs. Die Zuschauerquoten der Live-Übertragung der Preisverleihung im Fernsehen stürzten auf nie gesehene Tiefststände ab.

Diese "Tiefststände" sind dann aber immer noch mehr als 26 Millionen. Die Oscar-Verleihung ist ein Mega-Event und begründet Karrieren allein dadurch, dass man dort ein paar Sekunden Bildschirmzeit hat. Sinkende Quoten signalisieren den übertragenden (und damit auch die prachtvolle Gala finanzierenden) TV-Sendern Handlungsbedarf. Offenkundig wurde gehandelt und Druck auf die mit der "Academy" geredet. Und nun ist der Aufruhr unter Hollywoods Filmemachern riesengroß.

Denn die Übertragung der Gala soll künftig nicht mehr länger als drei Stunden dauern. Einige der vielen Oscars, etwa die für beste Töne oder Schnitte könnten zukünftig auch unter Ausschluss der Live-Öffentlichkeit in den Werbepausen überreicht werden. Und zu allem Überfluss gibt es eine neue Kategorie "Bester Film".

Neben dem bisherigen "Besten Film" wird zukünftig auch ein "bester populärer Film" mit einem Oscar geehrt. Oh je. Bedeutet das dann, dass der "Beste Film" eigentlich der "beste unpopuläre Film" ist? Ab wann ist ein Film "populär"? Ist das dann nicht eigentlich ein Marketing-Preis? Oder Populismus? Oder wie? Godzilla, Thanos und mindestens eine ganze Horde Velociraptoren stehen plötzlich gleichzeitig vor der Filmemacher-Tür.

Denn das ist doch das eigentliche Problem: Aufmerksamkeit ist das wirkliche Gold, welches der "Oscar" in Hollywood verteilt. Und wer interessiert sich noch für die Macher von "Moonlight", wenn Heerscharen von Avengers, Guardians oder Jedis den roten Teppich beschreiten? Könnte gar Godzilla einen Oscar bekommen?

Es ist also wie immer in Hollywood. Das Ende ist unausweichlich und nahe:



Update 06.09.18: Der "beste populäre Film" bekommt bei der nächsten Verleihung 2019 nun doch keinen Oscar. "Die Akademie hat erkannt, dass die Einführung eines neuen Preises neun Monate des Jahres Herausforderungen für bereits veröffentlichte Filme mit sich bringt", so die Stellungnahme der "Academy of Motion Picture Arts and Sciences".

Die Oscar-Verleiher versprachen auch, "zusätzlichen Input" und weitere Diskussionen über die neue Kategorie zu suchen. "Wir haben im Laufe der Jahre Änderungen an den Oscars vorgenommen - auch in diesem Jahr - und wir werden uns weiter entwickeln und gleichzeitig das unglaubliche Vermächtnis der letzten 90 Jahre respektieren", so CEO Dawn Hudson.

Das Problem ließe sich schließlich ja auch viel einfacher lösen: Ein Mindestmaß an Zuschauer-Erfolg sollte schlicht die Voraussetzung für einen "Oscar" sein.

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