Frau Schäferkordts Gespür für den richtigen Zeitpunkt

Anke Schäferkordt, Geschäftsführerin der Mediengruppe RTL Deutschland. Foto: Bertelsmann

Sie hat es schon wieder getan. Anke Schäferkordt, Geschäftsführerin der Mediengruppe RTL Deutschland fühlt sich "maßlos enttäuscht" von der deutschen Politik und hat gefordert, diese solle "endlich" den "Umfang des Gesamtangebotes" der öffentlich-rechtlichen Sender überprüfen und dafür sorgen, "dass dieser auf seinen ursprünglichen Kern zurückgeführt" wird.

Gefordert hat sie dies in einem Interview letzte Woche. Das Interview gab sie "dieser Zeitung" und weit mehr Leute, als "diese Zeitung" noch lesen, haben das gelesen. Denn geführt hat das Interview Kai-Hinrich Renner. Der aber arbeitet nicht bei "dieser Zeitung", sondern als Medienredakteur bei der Funke-Zentralredaktion in Berlin, die seine Interviews dann als Dienstleister nicht nur an "diese", sondern an ganz, ganz viele weitere Zeitungen verteilt.

Medien-Profis erkennt man daran, dass sie sich vorher gut überlegen, was sie äußern. Fast genauso wichtig ist es aber, wo man es äußert. Und auch das "wann". Selbst darüber denken sie gewöhnlich vorher nach.

Die echten Profis erkennt man auch daran, dass sie mit dem Problem umgehen können, eine Frage beantworten zu wollen, die Medienredakteure in Deutschland komischerweise so gut wie nie stellen. Obwohl sie doch eigentlich eine wichtige und naheliegende Frage ist. Zum Beispiel die Frage, ob wir in Deutschland öffentlich-rechtliche Medien in diesem Umfang brauchen. Dass wir sie brauchen- die Frage gilt allgemein eigentlich als überflüssig und geklärt. Die andere Frage wird nicht gestellt. Das macht es den Anstalten und ihren Gremien so schön bequem. Wir brauchen das. Und was es kostet, bestimmen dann sie.

"Ich habe da noch ein Thema, das mir am Herzen liegt", so Frau Schäferkordt zu Herrn Renner nach dem "Danke" fürs Interview. Denn eigentlich ging es im Interview doch nur um das ewige Thema, wie diesen "Netflixen" von draußen beizukommen sei, die die so schön geordnete und "regulierte" deutsche Medien-Landschaft mit Wettbewerb stören. Natürlich hat Frau Schäferkordt auch dafür ein Konzept.

Das große "aber" der RTL-Chefin: Die privaten deutschen Sender befinden sich bei einem Gesamt-Werbemarkt in der Größe von 4,5 Milliarden Euro quasi in der Zange zwischen Wettbewerbern mit knapp neun Milliarden Euro an größtenteils garantierten Einnahmen und den großen US-Plattformen mit ihrer gewaltigen Finanzkraft. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk dränge mit immer mehr Unterhaltungsformaten wie Krimis in den Markt, statt Information, Kultur und Bildung in den Mittelpunkt zu stellen. Man produziere sogar Formate für YouTube und Facebook und stärke so die US-Plattformen mit Beitragsgeldern, das sei absurd.

Natürlich hat Medienprofi Anke Schäferkordt auch den Zeitpunkt für dieses Thema gut gewählt. Die Politik "müsse Rahmenbedingungen schaffen", die es auch für die Zukunft ermöglichen, dass "eine Vielfalt privater audiovisueller Anbieter überleben kann".

Was sie damit auch sagt: Dass es diese Rahmenbedingungen derzeit nicht gibt.

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