Die Sache mit Roseanne

Screenshot: Twitter

Das da oben ist schon so etwas wie die zweite Mahnung. US-Präsident Donald Trump erwartet eine Entschuldigung von "Iger". Er und ABC habe "Millionen Menschen beleidigt", die eine Antwort verdienten. "Iger" hat übrigens auch einen Vornamen, Robert, Freunde nennen ihn Bob- aber mit "Iger" hat ihn bestimmt schon sehr lange niemand mehr angesprochen. Und Bob Iger ist gar nicht von ABC Television, wofür er sich entschuldigen soll. Obwohl- irgendwie schon, da hat er über Jahrzehnte gearbeitet. Jetzt ist Bob Iger aber bei der Firma, zu der ABC Television gehört. Der Mann, den Donald Trump da öffentlich mit "Iger" anranzt, ist der Chef von "The Walt Disney Company", des zumindest bis vor kurzem noch größten oder zumindest wertvollsten Medienkonzerns der Welt.

Eine Entschuldigung hat Robert Iger bisher nicht getwittert. Aber zum Thema ABC Television: "Hier gab es nur eine Sache zu tun, und das war das Richtige." So stärkt er seiner ABC-Chefin Channing Dungey öffentlich den Rücken. Was ebenso ungewöhnlich wie aktuell wohl auch notwendig ist.

Denn Channing Dungey hat in dieser Woche eine für Vorstandschefs, die ja eigentlich ihre Firmen im Interesse ihrer Aktionäre verwalten sollen, ziemlich ungewöhnliche Entscheidung getroffen. In aktuell ohnehin sehr schwierigen Zeiten für die klassischen US-Fernsehsender setzte sie die mit Abstand erfolgreichste Serie von ABC Television praktisch über Nacht ab. "Roseanne" darf nicht mehr auf den Bildschirm. Die bekennende Trump-Anhängerin Roseanne Barr wurde gefeuert und die Sitcom mit ihrem Namen läuft nirgends mehr. Der finanzielle Schaden allein durch den Ausfall bereits gebuchter sehr lukrativer Werbespots- er dürfte immens sein.

Was war geschehen? Natürlich geschah es bei Twitter. Dort hatte sich Roseanne Barr über eine ehemalige Mitarbeiterin des ehemaligen US-Präsidenten Obama geäußert. Offensichtlich mag sie die Dame nicht. Sie würde so aussehen, als sei sie "ein Nachkomme der Muslim-Bruderschaft vom Planet der Affen", so Roseanne Barr. Da Valerie Jarrett als Betroffene Afro-Amerikanerin ist, wurde dies sofort als rassistisch interpretiert. Was wiederum eigentlich auch schon rassistisch ist- aber egal. Denn es war eindeutig mindestens noch böser gemeint. Da half auch eine schnell nachgeschobene Entschuldigung nicht mehr. "Roseanne" war plötzlich out.

Wenn man eine Tür öffnet, die bisher fest geschlossen war, sollte man sich vorher darüber Gedanken darüber machen, was dann hereinkommen kann. Offenbar hatte man dies weder bei Roseanne Barr noch bei ABC Television oder Disney im Bemühen um politische Korrektheit gemacht. Für Medienbosse in dieser Liga eigentlich erstaunlich unprofessionell.

Zuerst kam der wenig überraschende Shitstorm der Fans und Zuschauer von "Roseanne". Natürlich sofort garniert mit dem Verdacht, die Absetzung könnte viel mehr mit Roseannes politischer Gesinnung als mit irgendwelchen Tweets zu tun haben- da gab es doch schon einmal bei ABC so einen Fall. Als nächstes geriet Samantha Bee ins Kreuzfeuer. Die Komikerin hatte in ihrer Sendung Trumps Tochter Ivanka ziemlich heftig beleidigt. Dann begann Donald zum Thema zu twittern. Spätestens da ging einigen ein Licht auf. Aber es war zu spät.

Die Tür ist nun auf. Die Film- und Fernsehbranche hat kein gutes Verhältnis zum amtierenden Präsidenten und es wird noch jede Menge Anlässe geben, um Bildschirm-Verbannungen zu fordern. Das wird noch richtig schön.

Alles hat mit allem zu tun und auch mit nichts. Natürlich ist es reiner Zufall, dass Disney mit seinen Übernahmeplänen für Fox nicht voran kommt. Das alles hat auch nichts damit zu tun, dass Disney-Chef Robert Iger sogar schon als Präsidentschaftskandidat gehandelt wurde- gegen Trump. Nur eines steht fest: Disney und ABC handelten unglaublich unprofessionell. Bevor hier jetzt die Unprofessionellen toben: Natürlich wäre es anders gegangen. Medienprofis hätten die Reaktion auf Roseannes Sprüche abgewartet. Und dann hätte man die Sitcom ohne Probleme mit Hinweis darauf und mit Bedauern problemlos absetzen können.

Dieses simple PR-Handwerk beherrscht man bei ABC Television und Disney anscheinend nicht. Und hat deshalb nun den Salat. Wie groß die Nervosität mittlerweile ist, sieht man daran, dass die Idee ernsthaft gehandelt wird, "Roseanne" könnte doch weitergehen- nur ohne Roseanne. Also so etwas wie die "Simpsons" ohne Homer. Das ist schon nicht mehr nur Nervosität, sondern Verzweiflung. Die Beteiligten tun einem da fast schon leid.

Wie es weitergehen wird, wissen wir noch nicht. Aber: Es wird weitergehen. Jedes gute Geschäft lebt durch echte Profis:

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