Die Börsianer müssen verrückt sein: Netflix ist jetzt mehr wert als Disney

Netflix- Hauptquartier in Los Angeles. Foto: Netflix

Über den Netflix-Gründer und CEO Reed Hastings erzählt man die lustige Geschichte, er habe ein Jahr lang eine Erkennungsmarke der albanischen Armee um den Hals getragen, nachdem Time Warner-Boss Jeff Bewkes gesagt hatte, Netflix sei so etwas "wie der Versuch der albanischen Armee, die Weltherrschaft zu erobern". Tja. Nach Meinung der Börsianer hat die albanische Armee nun gewonnen. Jeff Bewkes und Time Warner dagegen haben im Imperien-Monopoly schon vor fast zwei Jahren ihre Kapitulation erklärt und wollen sich seitdem gegen den hinhaltenden Widerstand der US-Kartellbehörden den Truppen von AT&T anschließen.

In den letzten Tagen ist es jedenfalls passiert: Bei einem Börsenwert von etwa 150 Milliarden US-Dollar war Netflix erstmals mehr wert als Disney und damit der wertvollste Medienkonzern der Welt. Ja, die "albanische Armee", selbst von deutschen Medien-Verantwortlichen mit offensichtlichem Weitblick gerne belächelt und es stimmt ja auch: Es ist erst gut 130 Monate her, dass der DVD-Postversender Netflix erstmals Filme im Internet "verfügbar" machte.

"Das Streaming von qualitativ hochwertigem Video mit geringer Pufferung erfordert eine schnelle Verbindung", so hieß es damals. "Netflix sagt, dass seine neue Technologie die Streaming-Geschwindigkeit basierend auf der verfügbaren Bandbreite drosselt. Benutzer benötigen mindestens 1 Mbps, um Filme zu sehen, aber diese werden dann weit unter der DVD-Qualität liegen. Für die Wiedergabe von Filmen in ihrer nativen Auflösung sind 3-Mbit -Verbindungen erforderlich, derzeit ist keine Unterstützung für hochauflösende Inhalte vorgesehen." Mit "hochauflösend" meinte man hier übrigens HD.

Heute ist Netflix noch immer eine Medienfirma, die ständig frisches Kapital von Investoren ausborgen muss, um die Expansionspläne zu finanzieren. Eine Firma, die in zwar eleganten und schönen, aber dennoch angemieteten Büros (siehe oben) residiert und eigentlich nichts besitzt außer immer mehr alten Serien und Filmen sowie mittlerweile 125 Millionen Namen in der Abonnenten-Kartei. Und das ist jetzt nach Meinung der Börsianer mehr wert als Disney.

The Walt Disney Company- das sind jede Menge Fernsehsender von ABC bis hin zum Sportsender ESPN. Das sind die Filme von Marvel oder StarWars. Das sind riesige Freizeitparks für Donald und Minnie in aller Welt. Und, und, und... Der Mäuse-Konzern besitzt sogar noch viel mehr alte Serien und Filme als Netflix. Und Netflix ist mehr wert? Kann eigentlich gar nicht sein. Noch vor nicht einmal zwei Jahren sollte Disney den Laden doch noch übernehmen. Diese Börsianer haben schlicht einen Knall.

Es sei denn... es sei denn, man ist fest davon überzeugt, dass die derzeitige Medien- und Fernsehlandschaft verschwindet. Dass ein neuer, globaler Markt für Unterhaltung entsteht, den das Internet beliefert. Dass an der Börse nicht die Realität, sondern die Zukunft gehandelt wird. Auf diesem Markt der Zukunft hätte die Firma mit der besten Ausgangsposition alle Infinity-Steine in der Hand. Disney weiß, dass dann auch eine Armee aus Superhelden nicht immer gewinnt.

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