"Business as usual": Facebook feiert "F8"- und Berlin "re:publica"

Mark Zuckerberg bei seiner Keynote zur diesjährigen "F8". Foto: Facebook

"Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single über..." Wir Vielfernsehgucker wissen alle, wie es weitergeht, auch wenn wir dank Netflix, Prime Video und Co. mittlerweile der ewig nervenden Werbung etwas besser aus dem Weg gehen können. Das könnte demnächst etwas länger dauern, da ein ziemlich großer Konkurrent den lukrativen Markt der Partner-Vermittlung neu betritt.

Im sonnigen Kalifornien veranstaltet Facebook gerade wieder seine jährliche Entwicklerkonferenz "F8". Facebook? Da war doch was? Ach so, die Daten und ihr Schutz. Stand doch landauf, landab in unseren Zeitungen, in welch riesigen Schwierigkeiten dieser Zuckerberg-Schnösel nun steckt und dass viele ihren Facebook-Account jetzt abmelden.

Soso.

Mark Zuckerberg betrat seine Keynote-Bühne, in seiner Stimme schwang irgendwie etwas Empörung mit. Mit den Quartalszahlen meldete Facebook übrigens letzte Woche deutlich steigende Gewinne und Nutzerzahlen. Natürlich entschuldigte er sich für begangene Fehler beim Datenschutz, kündigte Verbesserungen an (es gibt eine neue Löschfunktion) und gab anschließend bekannt, dass Facebook demnächst auch einen Dating-Dienst hat. Ist ja auch logisch- weil Facebook so genau weiß, wer mit wem zusammenpasst.

Und sonst? Na ja, die "Virtual Reality" vom Vorjahr muss wohl noch etwas angeschoben werden, von "Oculus" gibt es nun Hardware schon für 199,- Dollar. Ansonsten bietet die F8 "Business as usual" wie in jedem Jahr und bei Facebook heißt das: Schritt für Schritt erobert "The Social Network" unsere gesamte Welt.

Es gibt also nichts wirklich Neues bei Facebook und für mich war der Kontrast in diesem Jahr das Spannendste. Denn auch bei uns in Berlin läuft ja gerade mit der Digitalkonferenz "re:publica" in Berlin ein Event mit ganz ähnlicher Zielgruppe.

Auch zur "re:publica" gibt es anscheinend nichts Neues- obwohl man das bei den vielen verschiedenen Reden und Diskussionen nie ganz ausschließen kann. Aber wenn es etwas Neues gibt, ist ziemlich sicher, dass es niemand bemerkt. Wer soll das Sandkorn einer wirklich guten Idee auch finden in solch einem riesigen bunten Bälle-Bad aus Geschwätz.

Denn die offenkundig funktionierende globale Arbeitsteilung für die neue digitale Welt wollte auch auf dieser "re:publica" niemand in Frage stellen. Einst als Blogger-Event gestartet, nähert sich die Veranstaltung zwar noch nicht optisch, aber doch mindestens im Geiste den Events der "Mittel- und Seitenschlitzträger" an.

Das Internet (und damit auch das neue TV) bleibt also, wie es ist: Die USA sind für den Aufbau, die Nutzerzahlen und die Gewinne zuständig. Wir bezahlen, gern auch aus steuerfinanzierten Fördergeldern, anschließend die schlauen Menschen, die den "Stand des Internets" beklagen, beurteilen und philosophisch interpretieren. Das heißt in Deutschland, glaube ich, "Digitalkompetenz". Wir müssen nicht mehr wie unsere Vorgänger-Generationen der Ingenieure etwas konstruieren oder aufbauen. Wir sind schon einen Schritt weiter. Nur Mut- hinter dieser Kante des Abgrunds kann man dann endgültig fliegen.

Und Zuckerberg mit seinem Facebook ist so gut wie am Ende. Ganz bestimmt.

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