"Big Little Lies": Vox zeigt eine HBO-Serie im Free-TV. Findet sie dort ihre Zuschauer?

"Big Little Lies" Foto: MG RTL D / Blossom Films

Also, wenn das nicht funktioniert- was dann? Paradiesische Küstenlandschaften, prachtvolle Anwesen und glückliche Familien- das ist die kalifornische Stadt Monterey. Doch hinter der perfekten Fassade liegen einige dunkle Geheimnisse und die scheinbar heile Welt droht durch einen mysteriösen Mordfall auseinander zu brechen. Vox bringt die bisher sieben Folgen der mehrfach Emmy- und Golden-Globe-prämierten Serie "Big Little Lies" ab Mittwoch, den 30.5. um 20:15 Uhr als Free-TV-Premiere. Na ja- zumindest vorerst um 20.15 Uhr.

In den letzten Wochen sollte auf diesem Sendeplatz die Serie "Imposters" laufen. Zwei Wochen nach dem Start wurde die eigentlich qualitativ gute und leicht schwarzhumorige Comedy ins Spätprogramm ab 22 Uhr verbannt und durch gut eingelaufene Archiv-Filme wie die unverwüstlichen "Men in Black" ersetzt. Die Einschaltquoten waren auch für einen der eher mittelgroßen Sender wie Vox einfach zu schlecht.

Vor "Imposters" wiederum war die Welt auf diesem Sendeplatz am Mittwoch Abend für Vox eigentlich immer in Ordnung. Mal etwas mehr, mal etwas weniger aber eigentlich immer verlässlich spielten "Rizzoli & Isles" die für die Werbespots notwendige Zuschauermenge ein. Seit 2012 lief die Warner Television-Serie bei Vox, sie hat immerhin 105 Folgen in sieben Staffeln, damit kann man bei mehrfacher Wiederholung jeder Folge sehr viele Sendeplätze füllen. Der Zuschauer hatte etwas gelernt: Mittwoch Abend bei Vox ist (eigentlich fast immer) "Rizzoli & Isles". Sogar große und bekannte Serien-Marken wie "Outlander" hatten es dann auf dem "Rizzoli & Isles"-Sendeplatz schwer.

Jetzt zappt er neu herein, guckt vielleicht ein paar Minuten "Imposters" und ist dann weg. Gut eingeführte Marken, der Handel weiß das, haben einen Vorteil im Regal. Mit dem gleichen Problem wie Vox, nur noch etwas komplizierter, kämpft RTL am Dienstag. Dort will man den Zuschauer von der einst gut eingeführten Marke "Bones" sogar zu neuen Serien aus deutscher Produktion locken.

Deshalb hier meine düstere Prognose: Das wird nix mit den "Big Little Lies". Trotz paradiesischer Küstenlandschaften, prachtvoller Anwesen und glücklicher Familien in der kalifornischen Stadt Monterey. Trotz immerhin zwei Oscar-Gewinnerinnen (Nicole Kidman und Reese Witherspoon) in den Hauptrollen, die sogar noch ihren guten Namen als Produzentin für diese Serie geben.

In "Big Little Lies" geht es um Madeline Mackenzie (Reese Witherspoon) und Celeste Wright (Nicole Kidman), die als beste Freundinnen ein scheinbar beneidenswertes Leben mit ihren Familien führen. Als die alleinerziehende Mutter Jane Chapman (Shailene Woodley) mit ihrem Sohn Ziggy (Iain Armitage) neu nach Monterey zieht, nehmen die beiden Frauen sie umgehend in ihre Mitte auf. Doch die vermeintliche Vorstadtidylle wird plötzlich von einem Todesfall auf der jährlichen Benefizgala der Schule überschattet. Als die drei Freundinnen dann noch unter Verdacht geraten, kommen plötzlich mehr Geheimnisse ans Licht, als ihnen lieb ist…

Okay, für die Fans des "Game of Thrones" oder von "Space Operas" ist das sicher nichts. Aber Vox bedient eine andere Zielgruppe und das passt. "Big Little Lies" ist eine HBO-Serie, also eigentlich Premium-Qualität. Eine zweite Staffel hat HBO längst bestellt und dann ist da sogar auch noch die dreifache Oscar-Gewinnerin Meryl Streep mit dabei.

Trotzdem bleibe ich bei meiner düsteren Prognose: Das wird nix mit den Quoten für Vox und "Big Little Lies". Die Zuschauer werden reinzappen, sehen, dass es nicht "Rizzoli & Isles" ist und dann wieder gehen. Neue Serien-Marken entstehen jetzt bei Netflix. Die Kraft der klassischen TV-Sender für die überlebenswichtige Aufgabe der Etablierung neuer Marken schwindet in der immer vielfältigeren, immer schwerer überschaubaren Menge an Wettbewerb und Konkurrenz mehr und mehr. Viele der noch vorhandenen Zuschauer sind nur noch aus Gewohnheit da. Unterbricht man ihre Gewohnheiten, dann lernen sie keine neuen- sondern sind einfach weg.

Vox zeigt eine Premium-Serie von HBO als Free TV-Premiere. Ihr seid die Zuschauer. Okay, vor einem Jahr lief das schon bei Sky. Aber nur eine Minderheit der potentiellen Zuschauer hat ein Sky-Abonnement. Sogar zum zeitversetzten Streaming ist die Serie bei "TV Now" verfügbar. Die große Mehrheit könnte jetzt zuschauen und das Gegenteil beweisen. Aber ich glaube nicht daran, dass es so kommt.

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