Triff den Demogorgon persönlich: Netflix bringt die "Stranger Things" in den Themen-Park

Foto: Netflix / Jackson Lee Davis

Eigentlich habe ich ja zu diesen Themen-Parks oder irgendwas-Worlds eine eher zurückhaltende Meinung. Künstliche Welten halt, die mir mein Geld wegnehmen wollen. Aber "Backdraft", die "Männer, die durchs Feuer gehen", Hans Zimmers epochale Musik zum Film sowie die Universal-Studios Hollywood haben mich einst vom Gegenteil überzeugt.

Seit Anfang der 90er Jahre, als die grandiose und sehr klassische Helden-Story über die Männer der Feuerwehr Chicago in die Kinos kam, gibt es im Universal-Themenpark auch die passende "Attraktion" dazu. Und die hat oder zumindest hatte es damals in sich. Keine Ahnung, ob die Versicherung heute es noch genauso durchgehen lassen würde- aber es gibt darin einen einer ausgedienten Fabrikhalle nachempfundenen Raum, in den wurde das Publikum an einer vorgeschriebenen Stelle schön in Reihen hingesetzt.

Und dann ging es auch los- von oben gab es leichten Nieselregen auf die Besucher zur Brandschutzverbesserung und alsbald wurde der "Backdraft" in Realität vorgeführt. Nicht nur Rauchgas, sondern auch allerhand Benzin und ähnliches explodierten in großen Mengen in unmittelbarer Nähe zum Publikum. Ich sitze gewöhnlich am liebsten vorn und weiß auch, wie man dahin kommt. Danach blieb das deutliche Gefühl leicht angesengter Haare. Die komplette Show war vom Feuerwehrverband (oder wie das dort heißt) gesponsert, es gab die entsprechende Unterrichtung und das Ganze war hollywoodmäßig mit Filmausschnitten und "Backdraft"-Musikfanfaren perfekt duchgestylt. Wäre ich US-Bürger gewesen, hätte ich anschließend sicher sofort für eine Karriere als Feuerwehrmann unterschrieben.

Also: Themen-Parks können durchaus funktionieren. Obwohl ich den aus dem Wasser plötzlich auftauchenden weißen Hai aus Plaste und die einstürzende U-Bahn-Station eher albern fand. Reale Filmstudios sind aber an sich auch sonst eher ernüchternd, auch in Hollywood sieht das eher nach Arbeit als nach rotem Teppich aus. Den größten aller Universal-Stars haben damals die Touris gar nicht gesehen- nur Filmfreaks wie ich haben ihn bemerkt. Mitten im Universal-Gelände stand (und steht vielleicht immer noch?) der Strom-Mast einer Leitung aus den dreißiger Jahren. Wohl kein anderer Filmstar hat bei Universal in so vielen Filmen und TV-Serien mitgewirkt.

Im Laufe der Jahre wandelt sich so ein Themen-Park. Das "Backdraft"-Feuer sieht im Vergleich mit meiner Erinnerung jedenfalls mittlerweile deutlich zahmer aus und es gibt natürlich immer mal wieder was Neues. Und das ist jetzt ganz neu: Im Herbst wird es in den "Universal Studios" ein "Stranger Things"- Set für die Besucher geben, so haben es Netflix und NBCUniversal vereinbart. Dann kann man sich dort "Upside Down" ins Paralleluniversum begeben. Sogar ein Demogorgon wird dort in Hawkins, Indiana den zahlenden Gästen nachstellen. Echte "Stranger Things"-Mitarbeiter sorgen für den Wiedererkennungseffekt.

Netflix-Boss Reed Hastings meint dazu, dass Themen-Parks in den Netflix-Plänen für das Wachstum in den nächsten fünf bis zehn Jahren keine Rolle spielen. Die haben Pläne für die nächsten fünf bis zehn Jahre? Interessant. So wie auch dies: Reed Hastings schließt Themen Park-Pläne nicht aus. "Das wäre fantastisch", so soll er gesagt haben. "Wenn ich in Themenparks gehe, denke ich, kannst du dir hier einen Inhalt von Netflix vorstellen? Aber nicht auf kurze Sicht."

Mit den "Stranger Things" und dem Deal mit NBCUniversal kann man ja schon einmal üben. Damit man alle Geschäfts-Disziplinen beherrscht, die kommende Konkurrenten gut können. Oder auch für die Wachstumspläne für die nächsten fünfzehn bis zwanzig Jahre.

Unglaubliche 300 Millionen Dollar will Netflix dem kürzlich angeworbenen Serien-Macher Ryan Murphy zur Verfügung stellen. Murphy habe, so steht es im "Hollywood Reporter", Netflix gefragt: "Warum ich?" Weil Erfolg so schwierig sei, so die Antwort. "Und wenn Sie beweisen, dass Sie es immer und immer wieder können und Sie eine Marke schaffen, dann ist es das, was wir wollen."

"Marke"- genau das ist der Punkt. Damit kann Netflix dann einfach tun, was sie am besten können- das Marketing. Und irgendwann auch Geld verdienen. Vor den Themen-Parks ist erst einmal das Merchandising dran. Kann man sich den "Demogorgon" als Plüschtier vorstellen? Keine Ahnung. Reed Hastings sagt zum Merchandising: "Wir wollen mehr davon tun."

Bis dahin zurück zur Feuerwehr:

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