Landesmedienanstalten wollen "Rundfunklizenz" von der BILD-Zeitung

Axel-Springer-Haus in Berlin. Foto: Axel Springer SE

Das könnte spannend werden. Im Extremfall sogar dazu führen, dass viele der BILD-Zeitung und dem Axel Springer-Verlag die Daumen drücken. Ja, wirklich. Schon seit etwa anderthalb Jahren hat die BILD-Zeitung ihre eigene Talkshow im Netz, kürzlich wurde das Format auch "relauncht" und auch sonst ist der Springer-Verlag in Sachen Fernsehen und Streaming-TV ja sehr aktiv und fast so etwas wie ein Pionier.

"Die Medienanstalten" haben nun drei Livestreams der BILD-Zeitung als zulassungspflichtigen Rundfunk eingestuft, so heißt es auf der Webseite der Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten (ZAK).  Konkret handele es sich um die Streams "BILD live", "Die richtigen Fragen" und den "Bild Sport-Talk mit Thorsten Kinhöfer". Diese Livestreaming-Formate erfüllen nach Auffassung der Medienwächter die Anforderungen an Rundfunk, "da sie regelmäßig anhand eines Sendeplans veranstaltet werden und auf zeitgleichen linearen Empfang ausgelegt sind". Und da für diese Streams bislang keine medienrechtliche Zulassung existiert, wurde die zuständige Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) nun gebeten, die Streams zu untersagen, sofern nicht innerhalb von zwei Wochen ein Antrag auf Zulassung gestellt wird.

Im Gegensatz zu kleinen oder wenigstens mittelständischen YouTubern wie "Gronkh" trifft damit das Bestreben der Landesmedienanstalten zur Ausdehnung ihrer Befugnisse vom Rundfunk auf die Welten des Internets erstmals einen "Großen"- und zwar einen mächtigen Verlag, der genau daran eigentlich keinerlei geschäftliches Interesse haben kann.

Vielleicht ist es nur Wunschdenken, aber ich wünsche mir, dass Springer sich in diesem Fall wehrt und die Sache vielleicht auch gerichtlich klären lässt- im Gegensatz zu YouTubern hätte der Verlag die Ressourcen dafür. Internet ist kein Rundfunk und sollte auch kein Spielfeld für die Landesmedienanstalten sein. Man hat einst aus guten Gründen die Flugsicherung ebenfalls nicht in die Hände der Innung der Hufschmiedemeister gelegt, obwohl diese zweifellos über Jahrhunderte hinweg wertvolle Beiträge zur Verkehrssicherheit geleistet hat.

Kommentare

Vielleicht auch interessant: