Äpfel und Birnen: Weltweit nutzen 100 Millionen Amazon Prime und 125 Millionen Netflix

Amazon Campus in Seattle. Foto: Amazon

Selbst bei Amazon funktioniert offensichtlich eben nicht alles. "Wir sind in den vergangenen Jahren gewachsen, haben uns weiterentwickelt, nehmen nun Veränderungen an unserer Website vor und schließen unsere offene Ausschreibung für die Einreichung von Drehbüchern und Konzepten." So steht es auf der Webseite des "Amazon Storywriter", wo jedermann seit mehr als zwei Jahren sein Drehbuch für Serien und Filme bei den Amazon Studios einreichen konnte. Vielleicht ist nicht viel dabei herausgekommen. Oder noch schlimmer: Es ist viel dabei herausgekommen, das machte viel Arbeit und nichts wirklich Verwendbares war dabei. Oder sie haben bei den Amazon Studios jetzt schlicht und einfach Wichtigeres zu tun.

Bei Netflix, dem großen Konkurrenten im globalen Ringen um Marktanteile im Streaming-TV der Zukunft, funktioniert anscheinend alles. 125 Millionen Abonnenten zählt man dort jetzt weltweit und deshalb war in diesen Tagen auch die Aufmerksamkeit groß, als Amazon-Chef Jeff Bezos in seinem "Letter to Shareholders", dem jährlichen Brief an seine Aktionäre zu den Ergebnissen des Mega-Konzerns, erstmals Mitgliederzahlen zu Amazon Prime nannte.

13 Jahre nach Gründung des Programms habe es nun erstmals mehr als 100 Millionen zahlende Mitglieder. Und natürlich ging jetzt überall der Vergleich der "Konkurrenten" Amazon und Netflix los.

Das ist aber ein Vergleich von Äpfeln und Birnen. Netflix-Abonnenten zahlen weltweit ihre Abonnementkosten für das Netflix-Programm- sonst nichts. Prime-Mitglieder zahlen ihre Abonnement-Gebühr an Amazon, in den USA mit 99 Dollar im Jahr schon fast so viel wie Netflix-Zuschauer und dann fängt das Geschäft ja erst an. Fünf Milliarden schöne Sachen wurden mit Prime im Jahr 2017 an Konsumenten in aller Welt verschickt und die Zahl der Prime-Mitglieder wuchs 2017 schneller als in jedem anderen Jahr bisher.

Prime Video treibe dabei weiterhin den Zulauf und die Kundenbindung von Prime-Mitgliedern an, so heißt es weiter im Aktionärsbrief. Selbst "You Are Wanted from Germany" bekommt eine lobende Erwähnung im Bericht. Genauso wie die kommenden Prime Video-"Originale" "Tom Clancy's Jack Ryan" mit John Krasinski (wurde gerade schon weit vor der Premiere im Spätsommer um eine zweite Staffel verlängert), "König Lear" mit Anthony Hopkins und Emma Thompson,  "Die Romanoffs",  "Carnival Row" mit Orlando Bloom und Cara Delevingne, "Good Omens" mit Jon Hamm sowie "Homecoming" mit Julia Roberts in ihrer ersten Fernsehserie. Auch der Hinweis auf kommende Mega-Produktion "Der Herr der Ringe" sowie "Cortés" vom ausführenden Produzenten Steven Spielberg mit Javier Bardem fehlt nicht.

Während Netflix sich gerade mit 1,9 Milliarden US-Dollar neu verschuldet, um das Content-Rennen mit neuen Serien und Filmen weiter anzuheizen, bezahlt Amazon die benötigten Milliarden anscheinend aus der Ladenkasse. Beide Anbieter konkurrieren um Abonnenten und Streaming-Zuschauer, ja- dennoch sind es völlig unterschiedliche Geschäftsmodelle. Netflix muss seine Abonnentenzahlen auch zukünftig steigern und vielleicht noch weiter am Abonnementpreis schrauben. Amazon wird, so sind zumindest die Vorzeichen, seine Streaming-Zuschauer zusätzlich mit Werbung monetarisieren und die dabei entstehenden geradezu unendlichen Synergien mit dem E-Commerce nutzen.

Im kommenden Serien-Highlight "The Crossing" treffen bei Prime Video Menschen aus ganz unterschiedlichen Welten aufeinander. Auch Netflix und Amazon treffen sich auf dem Markt des Streaming-TV. Irgendwie sind sie da auch Konkurrenten. Nur im gleichen Geschäft tätig sind sie eigentlich nicht.

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