30 Prozent-Quote: Beendet die EU das Netflix und Prime Video-Programm, wie wir es kennen?


Ich mag Europa. Europa ist schön. Schon immer versucht "Netz-TV" darauf aufmerksam zu machen, welch tolle Filme oder Serien doch auch in diesem Europa entstehen. Und wir freuen uns, wenn Netflix und Amazon's Prime Video entdecken, dass selbst wir Deutschen möglicherweise nicht ganz ungeeignet für die Serienproduktion sind. Aber ich glaube nicht, dass diese Quoten-Idee der EU eine gute Idee ist.

Wohl im bzw. ab Juni sollen das Europäische Parlament und auch die einzelnen Mitgliedsstaaten die neue Richtlinie der EU-Kommission für Streaming-Anbieter beschließen, so hat man sich in Brüssel geeinigt, und die hat es in sich. Denn statt der ursprünglich einst geplanten 20 Prozent-Vorgabe für "europäische Inhalte" sollen es nun sogar 30 Prozent sein. Was zur Hölle?? Für einen glücklicherweise nur kurzen Moment kann ich Donald Trump und seine Leidenschaft für Strafzölle plötzlich verstehen.

Natürlich ist die drohende "EU-Quote" nicht nur negativ zu sehen, es gibt auch positive Auswirkungen. Netflix bemüht sich intensiv um neue Serien und Filme aus Europa wie niemals zuvor. Bei Prime Video gibt es plötzlich französische Serien-Perlen zu sehen und sogar ZDF-Krimis oder Pilcher-Filme werden zum "Amazon Channel". Das ist toll. Zwar finde ich die "SOKO"-Billigprodukte und die heile Welt-Schnulzen im Stil der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts furchtbar. Aber andere vielleicht nicht. Und es kann niemals genug verschiedene Angebote geben.

Ist aber der Zwang dazu durch eine Quote, zumal in dieser Höhe, der richtige Weg?

Schon die ursprünglich geplanten 20 Prozent europäische Inhalte wären für Netflix wie Amazon eine ziemlich anspruchsvolle Hürde. Denn mit Großbritannien scheidet ja ein ganz großer europäischer Produktionsstandort per "Brexit" demnächst wohl aus der Rechnung heraus. Der jetzige Plan bedeutet dann im wesentlichen 30 Prozent Serien und Filme aus Frankreich, Italien oder Deutschland. Netflix tritt zwar gerade den Beweis an, dass Qualität auch aus Dänemark kommen kann. Amazon wurde für Prime Video sogar schon in Bulgarien fündig. Trotzdem: Die 30 Prozent-Quote wäre das Ende des Netflix oder Prime Video-Programms, wie wir es kennen. Wollen wir das?

Denn das Schaufenster mit dem globalen Serien- und Film-Angebot, so wie wir es kennen und lieben, wird dann vielleicht nicht voller, sondern ärmer. Der effektivste Weg, um einen solchen Programm-Anteil zu erreichen, ist für die großen US-Anbieter schließlich nicht unbedingt die grenzenlose Steigerung ihrer Produktion in Europa. Bei Amazon gibt es schon europäische Uralt-Serien zu sehen, die sicher im Paket günstig zu haben sind. Und man kann die 30 Prozent auch erreichen, indem man ganz einfach das Angebot nicht-europäischer Inhalte einschränkt.

Ich mag Europa. Aber den "Rest" der Welt auch.

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