Passend zur "EU-Portabilitätsverordnung": "Here and Now" und "Der Grenzgänger" neu bei Sky


Schon Urlaub geplant? Hach, unsere Politiker. Sie beschenken uns gerade wieder mit einer tollen neuen Idee. Und die bringt wegweisende Veränderungen beim Streaming mit sich. Sie wurde in ab dem 1. April gültigen amtlichen Verhaltensregeln feierlich festgehalten und trägt den schönen Titel "EU-Portabilitätsverordnung". Es ist ein verdächtiges Startdatum, ja- aber das Ganze ist trotzdem kein Scherz.

Wenn ich es richtig begriffen habe, dann lauten die neuen Regeln grob unzulässig vereinfacht so: Wer in einem EU-Land ein Streaming-Abonnement bezahlt, muss dieses auch überall in der Europäischen Union nutzen können. Das ist doch toll- oder? Okay, für die Mediatheken von ARD und ZDF gilt das so generell nicht, wie der Bundesverband der Verbraucherzentralen zu Recht kritisiert. Aber wir werden Netflix und Amazon in (fast) ganz Europa gucken können. Und über "Sky Go" und "Sky Ticket" auch Sky.

Hach, unsere Politiker. Sie haben für sich, wie immer, den schöneren Teil einer großen Aufgabe reserviert. Beschließen, verkünden, Beifall kassieren. Das Machen überlassen sie dann klugerweise anderen. Aufdröseln zum Beispiel, was dies für die ohnehin komplizierte Lage bei den Streaming-Rechten bedeutet. Und an tausende oder gar zehntausende bedauernswerte EU-Bürger, die für WLAN-Netze in Mittelmeer-Hotels verantwortlich sind, an die hat überhaupt noch niemand gedacht.

Wer organisiert psychologische Betreuung für Hotel-Rezeptionistinnen mit Traumata? Wenn 1.000 Deutsche "all inklusive" im Haus sind und die neue "Walking Dead"-Folge stottert? Zum Glück hat die Fußball-Bundesliga ja in der Regel schon seit Weihnachten entschieden, wer Meister wird und die Weltmeisterschaft gehört ARD und ZDF, ist also "Mediathek". Trotzdem: Fahrt in dieser Saison lieber zum Meditieren nach Bali oder besucht letzte Indianer am Amazonas. Die Prognose lautet: Bevor es besser wird, wird es schlimm.

Es ist ja nicht so, dass das Ganze keine tolle Idee ist. Aber was ist, wenn in Mallorca nur ein Prozent der Urlauber das auch nutzen will? Die Infrastruktur dafür ist schlicht noch nicht da.

Aber vielleicht seid ihr ja gern im Urlaub dort, wo sonst keiner ist. Das gibt es auch in Europa, ihr müsst nur suchen- unseren Platz da oben verraten wir nicht. Oder ihr erwischt tatsächlich ein Hotel mit eigenem Glasfaser-Anschluss. Dann kann es vielleicht sogar sofort funktionieren. Sky zum Beispiel meldet gesetzestreu: "Ab Ostersonntag, 1. April, haben Sky Kunden die Möglichkeit, ihre Sky Inhalte über Sky Go, Sky Kids und Sky Ticket in der gesamten Europäischen Union (EU) anzusehen. Damit verpassen Sky Kunden im Urlaub oder während der Geschäftsreise nie mehr ein Sky Live-Spiel der Bundesliga oder UEFA Champions League, eine Folge ihrer Lieblingsserie oder die aktuellsten Hollywoodblockbuster." Yeah! Was für eine Presseabteilung! Siebenmal "Sky" in gerade einmal zwei Sätzen. Die Zukunft ist da.

Und Sky wäre eben nicht Sky, wenn sie nicht auch sofort das passende Programm dazu hätten. Wenn man das entsprechende Paket gebucht hat, läuft schon ab heute bei Sky "Here and Now".

"Jetzt und sofort"- ja, das muss passend zum Geist unserer Zeit sein. Es geht um die Familie Bayer-Boatwright aus Portland- eine progressive, multikulturelle Familie mit Adoptivkindern aus unterschiedlichsten Kulturkreisen. "Die tragikomische Geschichte über die komplizierten gesellschaftlichen Herausforderungen, denen sich die moderne Gesellschaft stellen muss, erzählt am Beispiel einer multikulturellen Patchwork-Familie, besticht durch provokanten schwarzen Humor, brillant treffenden Dialogen und einem kongenialen Cast", so Sky's "Senior Vice President Film und Entertainment", Marcus Ammon. Und so sieht das dann aus:



Ab dem 28. März sind die zehn Episoden immer mittwochs um 20.15 Uhr auf Sky Atlantic HD zu sehen - zum Start in einer Doppelfolge, ab dem 4. April dann mit jeweils einer Episode pro Woche. Von "Sky Go" oder "Sky Ticket" steht da aber komischerweise nichts. Vielleicht wurde das nur vergessen. Aber es ist eine Serie von HBO. Vielleicht gibt es da ja noch ein "EU-Portabilitätsproblem".

In viele EU-Ländern streamt "HBO Europe" statt Sky die HBO-Serien. Digitale Gerenzen abschaffen- das ist eben viel leichter gesagt und beschlossen als tatsächlich getan. "Abonnements von Streaming-Diensten aus dem EU-Ausland werden von der Portabilitätsverordnung nicht erfasst", das kritisiert der Verbraucherzentralen-Bundesverband. Ja, das ist schlecht. Aber andernfalls könnte ja jeder Deutsche mit dem billigsten europäischen "HBO Europe"-Abo das "Game of Thrones" im Original schauen. Da ist ein Problem.

Zum Glück produziert Sky ja auch immer mehr Serien selbst. "Der Grenzgänger" zum Beispiel. Na klar- eine Serie mit diesem Titel, die schafft es. Ab dem 6. April ist das auf Sky Atlantic HD sowie abrufbar auf Sky Ticket, Sky Go und Sky On Demand zu sehen. Und damit entsprechend der "EU-Portabilitätsverordnung" überall in EU-Europa. Vielleicht zur Feier dieses Ereignisses präsentiert Sky für "Die Grenzgänger" erstmalig die Pilotfolge einer Serie für alle als "Free View" im Internet.

Ab dem 6. April morgens um 10 Uhr können also auch alle Nicht-Abonnenten die erste Episode auf www.sky.de/grenzgänger streamen. Wahrscheinlich aber nicht EU-europaweit. Denn "Free View" ist keine "bezahlte Dienstleistung". Also so etwas wie eine Mediathek. Unterliegt wohl nicht der Portabilitätsverordnung. Falls ihr jetzt noch irgend etwas versteht.

Dem Osloer Cop Nikolai Andreassen (Tobias Santelmann) geht nichts über Prinzipientreue. Stets kämpft der charismatische Mann für Gerechtigkeit und Menschenwürde, sein Privatleben hält er strengstens geheim. Doch seine wohlorganisierte Welt gerät ins Wanken, als eine verdeckte Ermittlerin ums Leben kommt.



"Scandi Noir Geschichten sind bei unserem Publikum sehr beliebt", so Marcus Ammon. "Mit 'Der Grenzgänger' haben wir zusammen mit Monster Scripted, TV 2 und Nice Drama eine ganz besondere Thrillerserie produziert", so Ammon. "Die düstere und vielschichtige Serie ist fesselnder Kriminalfall und hochemotionales Familiendrama zugleich, das mit einer charismatischen Hauptfigur, deren moralisches Selbstbild durch dunkle Ereignisse aus der Vergangenheit und der Gegenwart ins Wanken gerät, besticht."

Es wird noch ein weiter Weg, bis die Portabilität in der EU Normalität ist. Die Politiker haben die Portabilität beschlossen, verkündet und den Beifall kassiert. Trotzdem ist der Weg richtig. Irgendwann können wir unsere Programme hoffentlich problemlos immer und überall sehen.

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