Oscars 2018: Die Schöne und das Biest- in der Gestalt von Wasser



Eine halbe Milliarde US-Dollar. So viel soll der Film "Beauty and the Beast" im vorigen Jahr an den Kinokassen allein in den USA eingespielt haben. Okay, "StarWars: Episode VIII The Last Jedi" war knapp besser- in gerade einmal 14 Tagen, die ihm durch den Start-Termin 17. Dezember vom Jahr noch blieben. Aber das "StarWars"-Franchise spielt eben in einem anderen Universum. Selbst wenn es seine Rekorde mittlerweile auch immer öfter knapp verfehlt.

Die weiteren Plätze belegten in gebührendem Abstand "Wonder Woman", die "Guardians of the Galaxy 2", "Spider Man: Homecoming" und "It".

Letzte Nacht gab es nun in Hollywood wieder die "Oscars". "Beauty and the Beast" mit Emma Watson als der "Schönen" war für das beste Szenenbild und die besten Kostüme, also lediglich für so etwas wie Trostpreise, nominiert. Gewonnen hat der Film die begehrten goldenen Figuren nicht.

"Shape of Water" hatte nach Meinung der Juroren das "beste Szenenbild". Auch die beste Filmmusik und die beste Regie. Und er war auch der beste Film insgesamt unter den Kandidaten für den Oscar 2018. So beschloss es die Jury. Dann muss es wohl richtig sein.

"Shape of Water", der deutsche Titel lautet "Das Flüstern des Wassers", handelt von einer stummen Putzfrau in einem US-Geheimlabor der 60er Jahre, die sich in eine dort gefangene, im Wasser lebende, hässliche Kreatur verliebt. "Das Flüstern von Wasser" fand man wohl irgendwie ansprechender als die korrekte Übersetzung "Die Gestalt von" oder "Die Form". Hauptdarstellerin Sally Hawkins hat vielleicht nicht den "Beauty"-Faktor wie Emma Watson- aber dennoch: Die Geschichte, die "Shape of Water" eigentlich erzählt, ist im Kern eine uralte, in unzähligen Versionen bereits bekannte Geschichte: "Die Schöne und das Biest".

Zweimal praktisch die gleiche Story im "Oscar"-Wettbewerb. Warum gewann eigentlich nicht die wunderschöne Disney-Version, die klare Wahl der Zuschauer und statt dessen die Fantasy-Story? Ganz einfach: Die Tatsache, dass ein Film dem schnöden Pöbel da draußen gefällt, ist mittlerweile wohl eher ein Wettbewerbsnachteil. Es sind die "Academy Awards". Über 5.000 illustre Mitglieder stimmen ab- im wesentlichen das "Who's Who" Hollywoods. Und entsprechend dem derzeitigen Klima in den Beverly Hills wird die Meinung der Zuschauer unwichtiger- ein Sieger-Film braucht "eine politische Botschaft". Zumindest benötigt er aber, dass man irgendwie eine hineininterpretieren kann.

So war denn auch die gesamte Veranstaltung des "Oscar 2018". Wie immer eine grandiose Show, von den besten Profis der Welt perfekt in Szene gesetzt. Und doch trotz all dem Talent genauso daneben wie die letzten "Golden Globes". Auch die anscheinend unvermeidlichen drei Werbetafeln waren wieder vorn mit dabei.

Die einen beschäftigt das Thema "starke Frauen". Andere arbeiten noch immer ihr "Trump-Trauma" ab. Mehr schwarze Schauspieler und Regisseure werden gesucht. Jede denkbare Minderheit ruft nach ihrem "Anteil". Nur die Asiaten (immerhin fast sechs Prozent der US-Bürger) und die "Hispanics" (fast 18 Prozent, weit mehr als Schwarze) sind (noch?) merkwürdig still. Vermutlich beobachten und lernen sie noch.

Wichtig ist bei all dem nur noch, wer sich nach vorn ans Mikrofon drängeln kann- und dann die "Botschaft". Leidenschaftliche Botschafter für bessere Filme gibt es nur noch wenige. Der eigentliche Anlass der großen Gala scheint seltsam vergessen zu sein.

Das Thema der vergangenen Jahre, der Vormarsch der Streaming-Dienste, spielt irgendwie auch keine Rolle mehr. Für Netflix gab es einen Oscar für den "besten Dokumentarfilm". Amazon hatte im Rennen wohl versehentlich auf das politisch aktuell falsche Pferd gesetzt.

"Shape of Water" ist kein schlechter Film und die Oscar-Entscheidung nicht falsch. Aus Hollywood ist aber Hollywood geworden, weil man dort besondere Filme macht. Ist das Werk von Guillermo del Toro besonders? Darüber maße ich mir kein Urteil an. Ich habe nur Zweifel. Vielleicht ragte "Shape of Water" ja nur aus einer Menge von im letzten Jahr produziertem Mittelmaß ein wenig heraus.

"Beauty and the Beast" war möglicherweise besser. Das meint jedenfalls das Publikum. Und es mochte auch den Grusel von "It" ("Es"). Die Leute strömte auch in Massen in die Kinos für Superhelden und sonstige "Franchise"-Filme. Vielleicht warten sie ja auch nur auf endlich einmal wieder etwas Besonderes. Eins steht jedenfalls fest: Die Bedeutung Hollywoods und damit der Oscars schwindet, je mehr man statt auf die Produktion von Filmen auf die Produktion von "Botschaften" setzt.



Update 06.03.: Fast schon erwartungsgemäß hatte ABC als Sender der Live-Übertragung von den Oscars 2018 wenig Spaß an der vierstündigen Show. Mit fast 20 Prozent weniger Zuschauern als im Vorjahr erreichte die Einschaltquote ein Rekord-Tief für Oscar-Verleihungen.

Immer noch waren es beeindruckende 26,5 Millionen, die zuschauten, und ein Teil des Rückgangs ist vielleicht auch nur ins Internet und zu Social Media abgewandert. Dennoch muss man festhalten: Hollywood kann noch eine Weile so weitertanzen. Aber eine glanzvolle Zukunft haben die "Oscars" so nicht,.

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