Netflix: Jeff darf nicht mehr Chef sein- aber das Leben im "Fuller House" geht immer weiter

Foto: Mike Yarish / Netflix

Es ist nur eine kleine Meldung von Netflix. Das "Fuller House" hat neue Chefs. Steve Baldikoski und Bryan Behar sind nun "Executive Producer" und "Showrunner" für die kommende vierte Staffel des Netflix-Serienhits. Beide waren schon seit dem Start 2016 "Co-Executive Producer" der Sitcom. Erfahrung bringen sie also mit für den Job.

Bisher war ein gewisser Jeff Franklin "Executive Producer" im "Fuller House". Das ist der Mann in der Mitte oben im Foto. Wenn jemand aufhört in Hollywood, dann bekommt er normalerweise Lobeshymnen für seine grandiose und epische Leistung mit auf den Weg. Selbst dann, wenn er nur im Weg stand und alle ihn hassen.  Jeff Franklin wird in der Netflix-Meldung nicht einmal mehr erwähnt.

Sitcoms mag ich eigentlich gar nicht. Eher das ganz große, aufwendige Hollywood-Opus. Das wäre dann eher die Geschichte, die sich hinter der kleinen Meldung verbirgt. Denn Jeff Franklin ist als Person selbst sehr Serien-tauglich. Der Erfinder des "Fuller House"-Vorgängers "Full House" ist nicht irgendwer. Auf insgesamt acht Staffeln und 192 Folgen brachte es der legendäre ABC-Serienhit. Und das Leben des Jeff ist wohl recht bunt.

10050 Cielo Drive, das ist in Hollywood eine echte Adresse. "Dieses Haus hat mehr Historie, als ich handhaben konnte", so der Ausnahme-Musiker Trent Reznor, der es vor Jeff Franklin als letzter besaß. Michèle Morgan war es, die zuerst dort wohnte. Cary Grant und Dyan Cannon feierten dort ihre Flitterwochen. Der schmale Cielo Drive zweigt vom Benedict Canyon ab und endet dort. Niemand stört. Es ist auch die Adresse, wo die blutige und schaurige Geschichte um Charles Mansons "Familie" und Roman Polanskis schwangere Frau Sharon Tate begann.

1994 erwarb Jeff Franklin das Grundstück und ließ dort ein neues Hollywood-Schloss errichten. Ikonischer kann man in der Traumfabrik kaum wohnen. Er weiß offensichtlich, wie man die Früchte des Ruhms genießt. Die Adresse heißt jetzt aber 10066 Cielo Drive.

Vor mehr als zwei Jahren bekam die Fuller House-Produktionsfirma Warner Bros. TV einen anonymen Brief, in dem man Jeff Franklin schlechtes Benehmen gegenüber den Drehbuchschreibern und anderen Mitarbeitern vorwarf. Die Studio-Chefs wurden gewarnt, Franklin sei "ein wandelnder Rechtsstreit, der auf den Ausbruch wartet". Damals geschah anscheinend nichts. Doch jetzt, nach dem Fall Harvey Weinstein, ist Hollywood plötzlich anders. Selbst ein Jeff Franklin ist nicht mehr gegen Vorwürfe gefeit.

Nach neuerlichen Beschuldigungen wurde er dann kürzlich gefeuert. Obwohl er im Gegensatz zu anderen nicht der "direkten sexuellen Belästigung" bezichtigt wird. Er soll "der verbalen Beleidigung der Mitarbeiter und unangemessener Äußerungen im 'Writers Room'' schuldig sein, einschließlich "sexuell aufgeladener Kommentare über seine persönlichen Beziehungen und sein Sexualleben". Darüber hinaus beschwerten sich Mitarbeiter, so heißt es, über seine Angewohnheit, Frauen, mit denen er ein Date hatte, mit zum Set zu bringen und ihnen manchmal eine kleine Rolle in der Serie zu geben.

Alles in allem zusammengefasst: Jeff Franklin flog aus dem "Fuller House" für das in "good old Hollywood" (wenn man den Hollywood-Filmen glauben darf) ganz normale Benehmen eines erfolgreichen Chefs.

Die vierte Staffel des "Fuller House", so Netflix, wird im Laufe des Jahres in die Produktion gehen. Aber Hollywood wird wohl nie wieder so sein, wie es war.

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