"Hard Sun" - das ZDF kann zusammen mit der BBC auch dystopisch

Die Polizisten DI Elaine Renko (Agyness Deyn) und DCI Charlie Hicks (Jim Sturgess) ermitteln im Todesfall eines Hackers. Dabei stoßen sie auf einen USB-Stick mit brisantem Inhalt. Foto: ZDF / Robert Viglasky

Gerade beim ZDF findet sich ja zwischen all den Bergdoktoren, Hosenträger-Horsten und Alptraumschiffen immer mal wieder etwas Interessantes, was aus unserer Sicht vielleicht Rundfunkbeiträge rechtfertigt. Insbesondere die vielfach bewährte BBC-Serienqualität sorgt dort für regelmäßige Programm-Highlights.

"Stellen Sie sich die Welt vor, die Sie sehen, wenn Sie aus Ihrem Fenster hinausschauen ... nur, dass sie ein Todesurteil bekommen hat." So beschreibt "Hard Sun"-Erfinder Neil Cross seine neue Serie. "Es gibt keinen Helden, der uns retten könnte. Das ist die Welt von 'Hard Sun'. Wie ist es, Recht und Ordnung in einer Stadt durchzusetzen, die sich Tag für Tag der sicheren Zerstörung nähert? Wie steht man morgens auf? Und was ist mit den Mördern, den Vergewaltigern, den religiösen Fanatikern, den Anführern irgendwelcher Kulte? Wer von denen würde eine Gefängnisstrafe fürchten in so einer Welt? Was ist der Sinn von Gerechtigkeit im Angesicht von Armageddon?"

Tja- und wer sollte das besser beschreiben können als eben der "Luther"-Erfinder Neil Cross? Obwohl "Luther" ja vielleicht weniger von einer durchweg überzeugenden Geschichte als vom überragenden Cast mit und um Idris Elba lebt.

Egal: Die Grundidee ist erst einmal interessant. Und noch interessanter ist, dass das ZDF "Hard Sun" bei der BBC nicht nur einkauft, sondern sogar (und damit auch für Hulu) mitproduziert.

Neil Cross jedenfalls beschäftigen die Grenzen von Recht und Moral immer wieder. Ist vor dem Hintergrund, dass wir in fünf Jahren alle sowieso tot sein werden, ein Mord hinzunehmen oder gar zu rechtfertigen? Haben die Menschen ein Recht darauf, vom bevorstehenden Ende der Welt zu erfahren? Oder ist es angesichts der zu erwartenden Anarchie besser, sie im Unklaren zu lassen? Vor diese und andere existenzielle Fragen stellt Cross seine Figuren und schafft es so, seine Zuschauer nicht nur von der ersten bis zur letzten Sekunde zu fesseln, sondern sie auch mit ebendiesen Fragen zu konfrontieren und zu eigenen Gedankenspielen anzuregen: Was würde ich tun, wenn ich wüsste, dass es die Menschheit in fünf Jahren nicht mehr gibt?

Charlie Hicks (Jim Sturgess) und Elaine Renko (Agyness Deyn) sind zwei Ermittler, die gegensätzlicher nicht sein könnten, und werden doch durch äußere Umstände regelrecht aneinander gefesselt. Sie müssen gemeinsam ermitteln, aber stets auf der Hut davor sein, ob sie vom jeweils anderen nicht gerade hintergangen werden. Das ständige Wechselspiel von Vertrauen und Verachtung, angesiedelt vor einer - nur einem kleinen Kreis von Menschen bekannten - Apokalypse, die das Ende der Menschheit in gerade einmal fünf Jahren bedeutet, gepaart mit Action- und Thriller-Elementen, reißt die Zuschauer hinein in eine rasante Achterbahnfahrt. So zumindest die Eigenwerbung. Es gehe dabei um weit mehr als zwei Polizisten, die ihren Weg finden müssen.

Bei BBC One hatte "Hard Sun" bereits Anfang Januar Premiere. Ob die Serie die hohen BBC-Standards erreicht hat, das ist nun bei der IMDb umstritten. Die eine Fraktion ist begeistert. Andere meinen, aus "Hard Sun" sei nichts geworden. Man habe wohl nur zuviel Zeit in der zu heißen Sonne verbracht.

Trotzdem sollten wir uns bei dieser im deutschen Fernsehen so seltenen Konstellation von Thema und Machern vielleicht ein eigenes Urteil bilden. Das ZDF sendet die sechs Episoden von "Hard Sun" ab 16. April als "Montags-Spielfilm" jeweils im Zweier-Pack. Schon ab Montag, den 9. April, steht die Serie unter hardsun.zdf.de in der ZDF-Mediathek zum Abruf bereit. Aus Gründen des Jugendschutzes jedoch nur von 22.00 bis 6.00 Uhr- der Weltuntergang ist eben brutal.

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