Zu Asche, zu Staub- doch noch nicht jetzt? Amazon produziert "BEAT"

Foto: Amazon

Vielleicht sollte man einfach die Pressemitteilung kopieren. Dann stünde es hier schon länger, denn so ganz neu ist die Nachricht nicht mehr. Amazons nächstes deutsches "Prime Original", so erfahren wir, wird "eine gefährliche Reise durch Berlins pulsierende Clubszene", die von einer Serie bizarrer Mordfälle durch organisierte Kriminalität überschattet wird. Oh je. Das wird schwierig. Amazon bekommt endlich seine "was mit Berlin"-Serie. Aber was schreibt man dazu?

Zwar kann man sich als Hauptstadt-affiner Provinzler nach wie vor umsonst beim "Berghain" am Eintritt anstellen oder erbittert darüber streiten, ob Kylie Minogue dort singen darf oder nicht. Die Berliner Tourismus-Förderung kann sich darüber freuen, dass "Homeland"-Carrie Claire Danes den Mythos perfekt selbst in den USA verbreitet.

Aber... Darf man das sagen? Okay, raus damit: Die "Clubszene" in Berlin "pulsiert" nur noch schwach. David Bowie ist tot. Berlin ist noch genau so viel anders als Bottrop, wie es größer ist. Der Mythos der "pulsierenden Clubszene" kämpft gegen die Panik an, dass die Jugend aus Oslo, Tallinn oder Stuttgart die Stadt irgendwann mit ihren ausgesucht hässlichen Neubauten und den zahllosen Möchtegern-Promi-Wirten auf der Suche nach Gästen mit steuerfinanziertem Bewirtungsbudget alleine lässt.

Der langen Rede kurzer Sinn: Amazon macht eine Serie über etwas, was es so gar nicht gibt. Das muss noch nicht schlimm sein, denn schließlich machen andere auch Marvel-Serien und viele Leute schauen sich das an. Oder Mystery. Aber es gibt noch ein weiteres Warnzeichen: Noch größer und pulsierender als in Berlin oder Bottrop ist definitiv die Clubszene New York. Netflix hat darüber eine der teuersten Serien überhaupt gedreht, aber nur wenige wollten sie sehen.

Vielleicht kann man sich ja auf folgende These einigen: Wenn es wirklich eine "pulsierende Clubszene" gibt, dann gucken deren Fans sich das nicht im Fernsehen an. Auch nicht bei Netflix und Amazon. Statt dessen gehen sie wahrscheinlich hin.

Egal: "BEAT" erzählt die Geschichte von Robert Schlag (Jannis Niewöhner), auch genannt Beat. Der Berliner Club-Promoter ist ein Grenzgänger, absolut süchtig nach Drogen, Sex und dem Nachtleben Berlins. Weltweit handelt die organisierte Kriminalität skrupellos mit allem, was viel Geld bringt. Mit Drogen, mit Menschen, mit Waffen und auch mit Organen. Die einzige Chance, die den staatlichen Behörden bleibt, um an die Hintermänner des kriminellen Netzwerks für maßgeschneiderten Organhandel zu kommen, sind unkonventionelle Methoden. Dafür ist Beat genau der Richtige. Niemand ist so gut vernetzt wie er. Egal, was du brauchst, wen du suchst: Beat hat den richtigen Kontakt, kennt die richtigen Leute. Auf der Jagd nach den Drahtziehern des perfiden Systems aus organisiertem Organhandel wird Beat bald von seiner eigenen Vergangenheit eingeholt und muss um sein Leben kämpfen …

Na, dann. "Eine Serie wie ein Adrenalinrausch" wird uns versprochen.

Unter der Regie von Marco Kreuzpaintner, bekannt für den deutschen Film "Krabat", versammelt "BEAT" einen hochklassigen deutschsprachigen Cast mit Jannis Niewöhner (Smaragdgrün), Karoline Herfurth (You Are Wanted), Christian Berkel (Inglorious Basterds), Alexander Fehling (Im Labyrinth des Schweigens), Kostja Ullmann (Mein Blind Date mit dem Leben), Claudia Michelsen (Berlin Station), Hanno Koffler (Krabat), Anna Bederke (Frau Ella) und Karl Markovics (Grand Budapest Hotel). Für die Bücher zeichnet Norbert Eberlein verantwortlich. Seine Referenz "Neues aus Büttenwarder" nennt Amazon hier komischerweise nicht. Produzenten der Serie sind Chris Doll, Lothar Hellinger und Willi Geike. Weg mit den Zweifeln: Das wird bestimmt schön.

Alle sieben Episoden sollen bis Ende 2018 bei Prime Video zum Abruf bereit stehen. Sie können aber bis dahin einen anderen Namen haben, weil "BEAT" nur ein "Arbeitstitel" ist. Und egal, ob real oder nicht- jeder muss jetzt "was mit Berlin" haben, auch Netflix. Und bei Sky war es doch gerade erst überzeugend zu sehen- der Mythos lebt:

Kommentare