The Oriental Dream Works: Netflix, "Over The Moon" und chinesische Kinos


"Zeit ist eine Illusion", so erklärt es uns Meister Shi Fu in "Kung Fu Panda 3". "Es gibt allein das Jetzt." Genauso ist es. "Kung Fu Panda 3" ist eine Koproduktion von DreamWorks Animation und Oriental DreamWorks aus Shanghai. Wobei letztere eine Gemeinschaftsfirma von DreamWorks mit chinesischen Partnern sind. Beziehungsweise waren. Denn die orientalischen Traumarbeiter wurden gerade von der Firma "CMC" übernommen und in "Pearl Studios" umbenannt.

Gab es Schwierigkeiten? Hatte man sich verkalkuliert? Wir wissen es nicht. "Kung Fu Panda 3" hatte jedenfalls an den weltweiten Kinokassen, vor allem in China, so richtig abgeräumt. "CMC" steht für "China Media Capital". Unter den Geschäftspartnern von CMC finden sich illustre Namen wie Alibaba oder Tencent.

Was ist eigentlich aus dem großen chinesischen Drachen Wanda und seinen gigantischen Studio-Plänen geworden? Irgendwie gab es da doch Probleme. Jetzt ist wieder Geld in der Kasse. Denn Wanda hat Anteile an seinem Film-Geschäft verkauft- an eine Firma, die dem chinesischen Staat gehört. Noch ein paar Anteile mehr als der volkseigene Betrieb erwarb Alibaba. Die Preisfrage: Wer oder was fehlt jetzt noch? Ganz einfach: Ein paar Tage vorher stieg Tencent in Wandas Immobilien-Imperium ein.

Natürlich ist die Idee, dass unter der Leitung der KP Chinas ein globales Imperium für digitale Medien entstehen soll, eine reine Verschwörungstheorie. Aber nach einem Plan riecht das schon.

Und etwas, was sonst niemandem gelungen ist, das haben die Chinesen nun schon tatsächlich geschafft. Sie haben Netflix flexibler gemacht. Der "legendäre und für den Oscar nominierte" Glen Keane, so freut sich Netflix, wird beim 2020 zu erwartenden Zeichentrickfilm "Over The Moon" Regie führen- bei den "Pearl Studios" und "exklusiv für Netflix".

Oscar- nominiert war Glen Keane übrigens für den "besten animierten Kurzfilm". "Dear Basketball" war sieben Minuten lang. Beeindruckender finde ich, dass er vorher für Disney an Aladdin, Arielle oder Pocahontas gearbeitet hat. Und dass "The Walt Disney Family Museum" ihm und seiner Arbeit gerade eine eigene Ausstellung widmete, obwohl Keane Disney 2012 auf eigenen Wunsch verlassen hat.

"Over The Moon" basiert auf alten chinesischen Sagen und erzählt sowie singt die Geschichte eines Mädchens, welches eine Rakete baut und damit zum Mond fliegt, um dort eine legendäre Mondgöttin zu treffen.

Lang war der Text- und jetzt kommt der Clou: "Over the Moon" wird weltweit exklusiv als "Original Film" bei Netflix gestreamt. Außer in China. Da kommt der Film in die Kinos. Netflix ist eben sehr flexibel. Und hat sich wohl damit abgefunden, dass der Dienst selbst nicht bis nach China kommt.

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