Hilfe, wir wollen was ändern: Der "Telemedien-Auftrag" und sein Problem

Der (noch) "VPRT"-Vorstand: Hans Demmel, Annette Kümmel, Geschäftsführer Dr. Harald Flemming, Klaus Schunk und Dr. Holger Enßlin (v. l. n. r.) Foto: VPRT / Marc-Steffen Unger

Eine revolutionäre Umwälzung kommt auf uns zu: Der "VPRT" will zukünftig "VAUNET" heißen. Yeah!! Die Medienzukunft kommt wohl nun doch in Deutschland an. Denn wie bei allen wirklich tiefgreifenden Veränderungen verbirgt sich die echte Revolution im Kleingedruckten. "VPRT" war die Abkürzung für "Verband Privater Rundfunk und Telemedien e. V." "VAUNET" dagegen soll für "Video, Audio und Network" stehen. Wow.

Das ist die pure Revolution für Deutschland. Der uns höchstwahrscheinlich von den Fans der "Teletubbies" untergejubelte unsägliche Begriff "Telemedien" ist weg. Und es kommt sogar noch besser: Kein "Rundfunk", nirgends. Dem "Gronkh" hat es ja nicht mehr geholfen- er muss noch "Rundfunksender" sein mit "Lizenz". Aber jetzt wird sie kommen: Die Revolution im Rundfunkland.

"Als 'VAUNET - Verband Privater Medien' wollen wir uns zukünftig noch breiter aufstellen und die audiovisuelle Industrie im Ganzen als das positionieren, was sie ist: Eine der größten Wirtschaftssektoren in Deutschland und ein Motor der Kreativwirtschaft", so VPRT-Geschäftsführer Dr. Harald Flemming. "VAUNET steht für die logische Weiterentwicklung des VPRT im Zeichen der Konvergenz. Die audiovisuelle Inhalteindustrie ist heute weit mehr als nur der klassische Rundfunk – auch wenn wir hier unsere Wurzeln haben und dieses Bewusstsein weiterhin im Markenkern von VAUNET verankert sein wird."

Okay, vielleicht zu früh gejubelt. Denn auch beim baldigen "VAUNET" geht es erst einmal wie bisher gewohnt weiter. Es wird gewarnt. Vor Veränderungen. Vielleicht sogar "weitreichenden", also im schlimmsten Fall tatsächlichen. Der noch-VPRT warnt vor "einer vorschnellen Stellung weitreichender Weichen für das duale Mediensystem, insbesondere durch eine Erweiterung der Onlineangebote von ARD und ZDF". Und damit vor allem vor dem von den öffentlich-rechtlichen Sendern so herbeigesehnten "neuen Telemedien-Auftrag".

Dabei wäre so ein neuer "Telemedien-Auftrag" für ARD und ZDF im Prinzip eine dringend notwendige Sache. Die geltende Rechtslage führt zu kuriosen und für "normale" Menschen völlig unverständlichen Vorgängen. Da wird die "Tagesschau" verdächtigt, illegale Apps zu betreiben. Und wenn man länger als 7 Tage überlegt, ob man eine öffentlich-rechtliche Sendung in der "Mediathek" anschauen soll, dann ist sie meist plötzlich weg.

Möglicherweise wird die eigentlich für morgen geplante Verabschiedung durch die Ministerpräsidenten der Bundesländer wieder verschoben. Furchtbar, dieser Reformstau im GroKo-Land. Denkste- sowohl der VPRT als auch die Ministerpräsidenten, so sie denn verschieben- sie haben beide Recht. Denn so, wie es die öffentlich-rechtlichen Sender gern hätten, so kann es nicht sein.

Was wird wohl passieren, wenn die Änderung so wie gewünscht kommt? Sobald sie einen "Auftrag" haben, werden sie viel Geld ausgeben. Das ist öffentlich-rechtlich immer so. Und die zu erwartende Ausweitung der Online-Aktivitäten kostet ja auch. Nein, wenn Filme und Serien dann länger in der Mediathek verweilen, sind die Rechte dafür nicht "schon bezahlt". Das kostet richtig extra. Und mehr Angebot braucht mehr Arbeit und mehr Personal. So ist das halt.

Nach schöner öffentlich-rechtlicher Tradition wird man uns dafür einen "Aufwand" berechnen. Natürlich auf den derzeitigen "Aufwand" noch obendrauf, für den der Rundfunkbeitrag jetzt schon nicht reicht.

Ja, ein neuer "Telemedien-Auftrag" ist dringend notwendig. Aber bitte nennt es anders. "Online Rules" meinetwegen, wenn ihr Internet-Auftrag nicht mögt. Vor allem aber: Klärt vorher unbedingt, was man im Gegenzug zur Kosteneinsparung an überflüssigem "Rundfunk" alles abschalten kann. Das geht. Keine Angst. Wir schaffen das.

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