"F1 TV": Warum die Formel 1 trotz eigenem Streaming-Service bei RTL stattfindet

Start zur Formel 1-Saison beim Großen Preis von Australien in Melbourne (2017) Foto: MG RTL D / Lukas Gorys

Was für eine Aufregung überall. Es ist ein wenig so wie beim Start zum Grand Prix. Die Motoren heulen. Und die Leute spielen verrückt.

Ja, die Zeiten der Formel 1-Rennen bei Sky in UHD sind vorbei. Und ja, die Formel 1 wird einen eigenen Streaming-Service starten. "OTT", "Over the Top", wie das so schön heißt. Aber der Rechteinhaber "Formula One World Championship Limited" (FOWC) hat seit Dezember für Deutschland bereits einen "umfassenden TV-Kontrakt". Für volle drei Jahre, also mindestens bis einschließlich der Saison 2020. Und zwar mit RTL.

RTL ist also für alle Motorsportfans in den kommenden Jahren dafür die erste TV-Adresse in Deutschland, live und kostenlos- so heißt es dort selbstbewusst. Und es ist wohl auch so. Wenn auch werbefinanziert, also mit sicher sehr vielen Spots garniert.

Nach dem Rückzug des langjährigen Experten Niki Lauda werden künftig Nico Rosberg, der Weltmeister von 2016, und Timo Glock, ehemaliger Formel 1- und aktueller DTM-Pilot, die Rennen an der Seite von Moderator Florian König analysieren. Den Auftakt beim Australien-GP macht Nico Rosberg: "Ich möchte einfach coole Insights liefern und gute Analysen machen und Spannung bringen. Dabei lege ich sehr viel Wert darauf, dass ich absolut neutral bin." Kommentatoren sind Heiko Waßer und Christian Danner, Boxenreporter ist Kai Ebel. Und auf diesem Sendeplatz, nicht in der "Streaming-Nische", findet die TV-Formel 1 in den nächsten drei Jahren auch definitiv hauptsächlich statt.

Der Nachrichtensender der Mediengruppe RTL Deutschland, n-tv, wird an jedem Rennwochenende zusätzlich mindestens ein freies Training freitags live im Fernsehen und auch im Livestream auf n-tv.de übertragen. Am Sonntag, den 25. März. wiederholt n-tv darüber hinaus auch das erste Rennen der Saison in voller Länge. In einem "Formel-1-Spezial" fasst der Nachrichtensender zudem samstags und sonntags Trainingsergebnisse, die Qualifyings und das Rennen zusammen. Mehr "Formel 1" war im Fernsehen nie.

Eher ein Projekt mit Blick auf die Zukunft dürfte dagegen der neue "OTT"-Streamingservice für Formel 1-Fans sein. "Mit dem Start von 'F1 TV' begeben wir uns auf einen Weg, um einen Grundstein für unsere digitale Transformation zu schaffen", so der "Director of Digital and New Business" Frank Arthofer. "F1-TV-Abo-Produkte sind klar und zentral auf unsere Hardcore-Fans ausgerichtet und wir sind fest davon überzeugt, dass wir, während wir auf diesem Weg ein zusätzliches Publikum zu unserem Sport bringen, uns vor allem darauf konzentrieren müssen Produkte und Erlebnisse zu liefern, die allen begeisterten Formel 1-Fans dienen."

Nur das teurere von zwei "F1 TV" Streaming-Angeboten, "F1 TV Pro", wird den eigentlichen Kern der Sache, die Rennen, live zum Zuschauer bringen. Das soll dann aber auch stolze 8 bis 12 US-Dollar kosten- pro Monat, versteht sich. Neben englischen, französischen und spanischen Kommentaren wird auch eine deutsche Version verfügbar sein. Dafür erhalten die Hardcore Fans "exklusiven Zugang zu allen 20 On-Board-Kameras der Fahrer" sowie "auf Feeds, die auf keiner anderen Plattform zu sehen sind".

Günstiger wird es dann bei "F1 TV Access". Mit Interviews und Hintergrundberichten ist das aber eher ein "Fan TV", wie man es von Fußballclubs lange schon kennt. Insgesamt erscheint der "Formel 1-Streamingservice" dem NFL-Konzept ziemlich ähnlich. Das gibt es nun schon seit über zwei Jahren und es ist wohl erfolgreich. Zur "Super Bowl" reden dennoch alle "da drüben" noch immer nur übers "normale" Fernsehen- und dessen Werbespots.

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