Olympia privat vs. öffentlich-rechtlich: Das wird eine schöne Schneeballschlacht

Foto: obs / Eurosport

"Für den Zuschauer in Deutschland bedeutet dies, dass er erstmalig die Möglichkeit haben wird, jede einzelne Sekunde der Olympischen Winterspiele über mehr Bildschirme und Plattformen als je zuvor zu verfolgen." Euphorie muss sein in der Branche- mit den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen PyeongChang steht ab dem 8. Februar ein großes Ereignis an.

Discovery Communications hatte vor mehr als einem Jahr auch die deutschen TV-Rechte für Olympia teuer erworben und dann, nach langem Preisgerangel, quasi "Last Minute" auch an die öffentlich-rechtlichen Sender weiter verkauft.

Das wird auf dem deutschen Markt ein interessanter Zweikampf. ARD und ZDF (die sich das so eigentlich gar nicht mehr leisten können) gegen Eurosport- die sich das eigentlich so auch nicht leisten können, wenn der Olympia-Ausflug irgendwann ein privates Geschäft, also gewinnbringend, werden soll.

Egal- Wettbewerb belebt das Geschäft, uns Zuschauer freut's und für die Freunde von Skiläufern, Eisläufern und Rodlern brechen goldene Zeiten an.

Eurosport will als "Home of the Olympics" in Europa "die Olympischen Spiele einem breiteren und vor allem jüngeren Publikum zugänglich machen" und "dank einer umfassenden Multi-Plattform-Strategie die Athleten und den Sport in den Mittelpunkt rücken". Für den Zuschauer in Deutschland bedeute dies, dass er erstmalig die Möglichkeit haben wird, jede einzelne Sekunde der Olympischen Winterspiele über mehr Bildschirme und Plattformen als je zuvor zu verfolgen. Er muss nur für sich selbst entscheiden: Brauche ich das?

Für Discovery ist Eurosport 1 das Herzstück der Olympia-Berichterstattung und 24 Stunden nonstop aus PyeongChang auf Sendung. Der Frauensender TLC wird zum zweiten Olympia-Kanal im Free-TV umgebaut und unter anderem live und exklusiv alle Eiskunstlauf-Events übertragen. Zudem berichtet der Pay-TV-Sender Eurosport 2 live vom olympischen Eishockey-Turnier.

Für unseren Rundfunkbeitrag senden ARD und ZDF live aus ihrem gemeinsamen Studio im Olympia-Park von Pyeongchang. Allein das Programmvolumen des ZDF umfasst an dessen acht Sendetagen rund 100 Stunden. Insgesamt melden ARD und ZDF 230 Stunden. Ergänzt wird das TV-Angebot durch eine ausführliche Online-Berichterstattung. Bis zu drei Livestreams erlauben es den Zuschauern, den Wettbewerb ihrer Wahl in aller Ausführlichkeit zu sehen.

Über 4.000 Stunden Olympia-Programm, davon 900 Stunden live, streamt der kostenpflichtige "Eurosport Player". Mehr geht wohl nicht. Über 100 Live-Wettbewerbe sind das dann. Der Player kostet allerdings auch Geld. Gerüchte über Super-Sonderpreise im Februar gibt's aber schon.

Trotzdem wird Discovery auf dem deutschen Markt wohl wenig gewinnen. Es gibt beim Konsumenten die Macht der Gewohnheit. Es ist Olympia, auf allen öffentlich-rechtlichen Kanälen läuft das wie immer- es gibt keinen Bedarf für ein anderes Programm. Der Player kostet, HD bei Eurosport über HDplus auch und PayTV sowieso. Der Rundfunkbeitrag ist schon bezahlt.

Wer die wirklichen Gewinner beim Olympia-Fernsehen sind? Na, ganz einfach: Netflix und Amazon. Alle kümmern sich nur noch um das Programm für die 20 bis 30 Prozent Sportfans. Was sollen denn sonst die anderen schauen?

Netflix steht als Olympia-Gewinner sogar schon fest. In den USA wurde die tolle Idee der Werbung im Inhalt statt durch nervtötende "Spots" mit einer neuen und eleganten Idee ausgebaut. NBC ist dort "Home of the Olympics" und hat für Netflix zwei schöne Dokumentationen produziert. "Go For The Gold" und "Meet Team USA" sind nun im Streaming-Programm. Und erklären dort, warum man im Februar dann NBC gucken soll.

Die Bilder der Winter-Olympiade aus PyeongChang werden vom Olympic Broadcasting Services (OBS) und der japanischen Rundfunkgesellschaft NHK in UHD mit HDR produziert und übertragen. So wie im Sommer die Fußball-Weltmeisterschaft. Und genauso hört man zu diesem Thema von den hiesigen Sendern trotz all dem Olympia-Wirbel gar nichts. Die beste Werbung ist doch aber eigentlich die Investition in das Produkt.

Ja, ist teuer. Ja, keine Chance. Aber: Die Zukunft hängt von eurer Teilnahme ab. Die koreanische Dame erklärt nun mit höchster Intelligenz, wie man gewinnt:

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