Neue "Was mit Medien"-Berufe (2): Der Dschungelcamp-Versteher

Matthias Mangiapane im "Spaßbad Murwillumbah" Foto: MG RTL D / Stefan Menne

Ziemlich brutal, wie die Zeit vergeht. Das RTL-Dschungelcamp ist nun auch schon wieder drei Tage in Betrieb und Netz-TV hat den Pflicht-Artikel des Kritikers (Wie können die nur? Was für ein Trash! Welch eine Schande für das Land von Goethe, Schiller und Rainer Werner Fassbinder) noch nicht geschrieben. Nun aber los. Dieser Zumutung für uns Bildungsbürger muss die geballte Verachtung entgegenschallen. Wie kann sich ein kultivierter Mensch nur so etwas anschauen? Und überhaupt: Früher, mit Dirk Bach, war das "Dschungelcamp" doch ohnehin besser. Aber wem sage ich das.

Matthias Mangiapane ist gestern im "Spaßbad Murwillumbah" gescheitert und hat nicht einen einzigen Stern mit ins Camp zurückgebracht. Nun weiß sicherlich jeder, was Murwillumbah ist, aber wer zur Hölle ist Matthias Mangiapane? Und wie kann er behaupten: "Ich bin ein Star – holt mich hier raus" ?

Wie immer hilft Wikipedia weiter. "Matthias Mangiapane ist ein deutscher Reality-TV-Teilnehmer und Sänger". Wieder etwas gelernt. "Reality TV-Teilnehmer" ist jetzt ein Beruf. Das bringt uns auf die ultimative Themen-Idee- denn ohnehin wollen wir ja den fulminanten "Medienwandel" mit Tipps für zukunftsträchtige "Was mit Medien"-Berufe begleiten und hier kommt unser ultimativer Vorschlag. Nein, nicht "Reality-TV-Teilnehmer". Dafür braucht man doch ein sehr spezielles Persönlichkeitsprofil. Auch nicht "Dschungelcamp-Kritiker". Steige niemals in einen Medien-Beruf mit solch einem Überangebot an Bewerbern ein. Nein: Der "was mit Medien Beruf" der Zukunft könnte, zumindest im Januar, der "Dschungelcamp-Versteher" sein.

Denn das Dschungelcamp gibt es ja nun schon ziemlich lange und die Kritik nutzt sich immer mehr ab. Auch dieses Jahr wieder trifft man flächendeckend auf die übliche Berichterstattung. Wie viele schauen zu? Könnten es ein paar weniger sein? Sind die Kakerlaken kleiner geworden und stammen sie aus biodynamischem Anbau? Das sind doch gar keine prominenten Stars! Sollte das Moderatoren-Duo nicht witziger sein?

Nein, dies ist nicht die Zukunft. Die Medien-Zukunft braucht den Dschungelcamp-Versteher. Jemanden, der zumindest ahnt, warum die Discounter-Kassiererin da draußen nach der acht Stunden-Schicht zur Verwunderung aller Kritiker keine "House of Cards"-Folge mit Intrigen im US-Senat oder wenigstens eine Arte-Reportage über die Bedrohung von im Tal lebenden indonesischen Schmetterlingen durch den Klimawandel mehr verfolgen will.

Die Medien-Zukunft braucht Leute, die das Dschungelcamp und seine Zuschauer verstehen.

Zuerst haben sie natürlich bei RTL den neuen Trend erkannt. Wie bei allen wirklich großen TV-Ereignissen gibt es jetzt die "Dschungelcamp-Aftershow". Angela Finger-Erben, laut RTL von Beruf "erfahrene Dschungel-Reporterin", begrüßt uns nun täglich live aus Köln bei RTLplus und zeitgleich bei RTL.de und TV NOW zu "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus! - Die Stunde danach". In der Talk-Show sind zukünftig gewiss in jedem Jahr relativ gut bezahlte Sitze für Dschungelcamp-Versteher frei.

Das ist vorn. Das ist Zukunft. Hört endlich mit diesem elitären Gehabe auf und gebt zu, dass ihr "IBES" guckt. Denn die Quotenmessung funktionert ja wieder und sie beweist es. Für Matthias Mangiapane und das "Spaßbad Murwillumbah" gestern waren die Einschaltquoten ungewohnt niedrig. Ungewohnt niedrig bedeutet beim Dschungelcamp in der "werberelevanten Zielgruppe" (14 bis 49) 32,4 Prozent Marktanteil.

Das "Dschungelcamp" verstehen lernen könnt ihr bei RTL noch bis zum 3. Februar. Ich hab neulich den "Bachelor" gesehen und weiß jetzt, warum man Reality TV-Teilnehmer Leute zum Essen von Krokodil-Penissen zwingen will. Verstehen ist gar nicht so schwer. Seid dabei.

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