Rundfunkbeitrag: "Drain the swamp"- weil euch das sonst bald um die Ohren fliegt


"Drain the swamp"?? Bist du wahnsinnig? Das ist doch so... so Trump. Und Trump ist doch böse. Irgendwie komisch blond. Verrückt. Geht gar nicht. Aber: Tut mir leid- etwas besseres ist mir dazu nicht eingefallen.

Warum sollte man ausgerechnet jetzt in der eigentlich friedvollen Zeit "zwischen den Jahren" über so etwas wie den Rundfunkbeitrag schreiben? Die öffentlich-rechtliche Rundfunk-Welt ist doch in Ordnung. Gerade gab es wieder ein so schönes Weihnachtsfest mit allem, was dazu gehört- also kleiner Lord, Helene Fischer-Show, Carmen Nebel, Traumschiffe und Kreuzfahrten ins Glück. Und schon bald dürfen sie wieder aus Pjongirgendwas eine Olympiade übertragen.

Die Welt ist schön. Na ja- nicht für alle. Wir ahnen das zumindest irgendwie. Immer gibt es irgendwo irgendeinen Spielverderber. Wie diesen Trump. Oder dieser Herr Robra aus Sachsen-Anhalt. Der wollte sogar die ARD irgendwie auflösen. Der ist doch verrückt. Wie Trump. Oder so.

Zum Glück gibt es noch genug prächtige Inseln im garstigen Ozean der Realität. Den WDR zum Beispiel. Das ist da, wo der Jörg immer noch arbeitet. Der Jörg, der uns vor zwei Jahren diese Sache mit diesem Netflix so gut erklärt hat. Dass er als "Fernsehfilmkoordinator" der ARD genau so viele Produktionen wie die verantwortet. Und er habe gehört, dass die "ziemliche Verluste schreiben". Über so etwas kann er nur müde lächeln. Der ist stark, der Jörg.

Nachdem er solch lästige Konkurrenten locker erledigt hat, kann er sich 2018 sicher endlich wieder gemeinsam mit seinem Intendanten den wichtigen Aufgaben daheim beim WDR widmen. Die Haushaltssituation dort bleibe im Jahr 2018 "angespannt", so hört man von da. Macht nichts. Bestimmt regelt Jörg das.

Den erwarteten WDR-Einnahmen in Höhe von 1,41 Milliarden Euro stehen da Aufwendungen von rund 1,62 Mrd. Euro im Betriebshaushalt gegenüber. Aber der "tatsächlich fällige" Fehlbetrag, den man aus den Rücklagen ausgleiche, so der WDR, betrage ja nur 95,5 Millionen. In den fehlenden gut 200 Millionen im Betriebshaushalt seien "auch so genannte kalkulatorische Erträge und Aufwendungen" enthalten. Diese verursachten aktuell ja noch gar keine Geldabflüsse, müssten aber aus gesetzlichen Gründen erfasst werden. Zum Beispiel Aufwendungen für Altersversorgungsrückstellungen oder Abschreibungen. Der Betriebshaushalt sage damit alleine noch nichts über das liquide Ergebnis des Geschäftsjahres aus, welches laut den gesetzlichen Vorgaben ausgeglichen sein muss.

Wow. Ich stelle mir gerade die Aktionärsversammlung eines großen börsennotierten Konzerns vor, der vom CEO erklärt wird, das Betriebsergebnis sei nicht so wichtig. Man müsse nur auf den Cash Flow achten, da man für irgendwann fällige Pensionen oder die Abschreibungen für die Maschinen und Anlagen ja aktuell gar nichts bezahlen müsse.

Das ist so genial. Ich spekuliere mal, das hat sich der Jörg mit ausgedacht. Solche tollen Leute braucht das Land. Denn nicht nur beim WDR ist 2018 ein geplantes Minus-Jahr. Auch beim ZDF, MDR und vielen anderen reicht der Rundfunkbeitrag aktuell längst nicht mehr aus. Der WDR braucht nach diesen Zahlen zum Beispiel 2018 fast 15% mehr. Milchmädchen-gerechnet ist der Sender also locker schon bei gut 19 Euro theoretisch notwendiger Rundfunkgebühr pro Haushalt und Monat angekommen. Und bis 2020 oder so, dem Jahr der nächsten Entscheidung, geht da sicher noch was.

Zum Glück gibt es ja Rücklagen. Und, hehe- Pensionen und Investitionen muss man ja jetzt nicht bezahlen. Und nur dieser komische Robra aus dem Osten hat Angst vor dem Tag, an dem ihm als verantwortlichem Politiker der Matsch aus diesem Sumpf um die Ohren fliegt.

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