Im falschen Film: "House of Cards" und "Transparent" ohne Spacey und Tambor

"Transparent" in besseren Tagen. Foto: Amazon

Es kann funktionieren. Eher aber nicht. Und eigentlich ist es auch völlig egal. Sowohl Netflix als auch Amazon können sich elitäre Programmentscheidungen am zahlenden Publikum vorbei problemlos leisten.

Das "House of Cards" bekommt nun doch noch eine sechste Staffel. Allerdings muss Robin Wright die Underwoods nun allein im Weißen Haus vertreten. Kevin Spacey ist nicht mehr dabei. Das ist erst einmal eine interessante Aufgabe für die Drehbuchschreiber. In etwa so wie ein King Kong-Film ohne großen Affen. Aber egal. Es geht darum, so Netflix-Programmchef Ted Sarandos, "die Serie für die Fans zu einem Abschluss zu bringen". Und niemand kann wirklich dagegen sein- stolze 2000 (!) irgendwie an der Produktion Mitwirkende sind nach unerwarteter Arbeitslosigkeit nun ebenso plötzlich bald wieder in Lohn und Brot.

Hätte man das einstige stolze Serien-Flaggschiff von Netflix dagegen bereits im Sommer eingestellt- wahrscheinlich hätten es (fast) alle verstanden. Denn die Staffel fünf, bei uns wegen des Sky-Deals ja überhaupt erst seit kurzem auf Netflix verfügbar- sie quält sich über lange Strecken nur noch dahin. Immer noch große Gesten, große Darsteller, große Settings- und wenig Inhalt. Einst startete Frank Underwood mit allen Mitteln seine Karriere und wir saßen davor mit offenem Mund: Was ist das? Wow! Diese Serie!! So haben wir das ja noch nie gesehen. Der offene Mund ist auch bei Staffel fünf wieder da. Vom Gähnen. Was soll's.

Kurios: Auch Amazons erstes großes "Original"-Serien-Flaggschiff segelt im gleichen Orkan hart im Wind. Auch "Transparent"-Star Jeffrey Tambor war angeblich nicht immer und überall sexuell korrekt. Auch Transparent will eine neue Staffel drehen. Ohne Tambor. Die Pfeffermans ohne Mort oder Maura. Noch ein King Kong-Film ohne großen Affen. Nur das "so haben wir das ja noch nie gesehen"- das war bei "Transparent", trotz aller Auszeichnungen für die Serie, schon viel früher raus.

Was bleibt? Na, die Neugier darauf: Wie machen die das? Wer hat die beste Idee? Nur Mut! Man kann sogar einen sehr, sehr großen Film machen, wenn man den Hauptdarsteller nicht hat. Marlon Brando war einst "Der Pate" und keiner kann sich das heute mehr anders vorstellen. Doch er war gar nicht die erste Wahl, war in den Studios schon nicht mehr wirklich populär und musste, als er schließlich zum Zuge kam, beim Honorar kräftige Abstriche machen.

Für "Der Pate II" sollte Marlon Brando dann auch den jungen Vito Corleone spielen. Das wäre vielleicht sogar möglich gewesen- denn genauso talentiert, wie die Hollywood-Künstler den damals noch nicht einmal fünfzigjährigen um zwanzig Jahre altern ließen, genauso hätten sie ihn zwei Jahre später wahrscheinlich um Jahrzehnte jünger gemacht. Aber nach dem gigantischen Erfolg wollte Brando wohl nicht nur Gage, sondern die Honorar-Abstriche vom ersten Teil gleich noch dazu und noch eine Schippe obendrauf. So wurde Robert De Niro der junge Vito Corleone und Marlon Brando bekam (und das will wirklich was heißen) seinen wohl legendärsten Filmauftritt überhaupt: Er dauert mehrere Minuten, man sieht erst nichts, dann einen Rücken- und Marlon Brando war gar nicht dabei.

Es kann also funktionieren. Ich habe da zu Hollywood vollstes Vertrauen. Sie haben legendäre Experten wie Bowfinger. Aber vielleicht wäre es doch besser, Netflix wie Amazon probierten sich statt dessen an einer neuen Serie aus. Ihr kennt das Erfolgsrezept doch: "So haben wir das noch nie gesehen". Und das da zum Beispiel sieht eher so aus:

Kommentare

Vielleicht auch interessant: