Wow- der rbb verfilmt Houllebecqs Roman "Unterwerfung"

Regisseur Titus Selge (links) mit den Darstellern Edgar Selge (Rolle François) und Bettina Stucky (Rolle Françoise Tanneur) bei den Dreharbeiten in Paris. Foto: rbb / NFP / Manon Renier

Nein, das wird kein neuer "Paris-Krimi" der ARD, in dem merkwürdig urdeutsche Franzosen die Kriminalitätsprobleme rund um den Eiffelturm lösen. Im Auftrag des Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) verfilmt die "NFP*" derzeit Michel Houllebecqs vieldiskutierten Roman "Unterwerfung". Die Fernsehadaption kombiniert Ausschnitte der gefeierten Theaterinszenierung von Karin Beier am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg mit Filmszenen zu einem außergewöhnlichen Format. Die Ausstrahlung ist im Frühjahr 2018 im Rahmen des Film-Mittwochs im Ersten geplant.

Michel Houellebecqs Roman "Unterwerfung", so der rbb, sei in seiner Hellsichtigkeit und Schärfe das Buch unserer Zeit. Obwohl der Roman vor dem Terroranschlag auf die Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" geschrieben wurde, schildere Houellebecq in dystopischer Zuspitzung die Probleme, die Europa seitdem verstören und verändern - und uns zwingen zu erkennen, dass unsere Freiheitswerte nicht selbstverständlich sind.

François ist Literaturwissenschaftler und Trinker. Seine Beziehungen zu Frauen sind auf ein Jahr befristet, seine Anstellung an der Pariser Universität nicht. Das macht ihn für die jungen Studentinnen interessant und sein Leben ausreichend glücklich. Bis zu dem Tag, als der charismatische muslimische Politiker Mohamed Ben Abbes in Frankreich Staatspräsident wird, das Patriarchat und die Polygamie einführt und François seine Anstellung verliert. In seiner zunehmenden Vereinsamung erreicht ihn das Angebot der Universität, seine Lehrtätigkeit wieder aufzunehmen, unter einer Bedingung: Er muss zum Islam konvertieren. Ausgehend vom intensiven Bühnenmonolog des Erzählers François, zeigt der Film einzelne Situationen als Filmhandlung im Paris des Jahres 2022.

Okay, die Handlung ist für die nahe Zukunft nicht wirklich wahrscheinlich. Ist eben 2022- also Science Fiction. Die wirkliche Brisanz des Werkes erschließt sich dann, wenn man es "weiterdenkt"- auch über das derzeit heiß diskutierte Thema "Islam" hinaus. Denn man könnte diesen in der Geschichte auch durch andere Religionen ersetzen. Durch Parteien. Ideologien. Oder tausend andere Gruppen mehr, die einfach nur Kontrolle über unser Denken und Tun erhalten und so an Macht gewinnen wollen. Da sind allgemein gültige Mechanismen am Werk und die müssen wir dringend verstehen und diskutieren.

Wow. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Berlin-Brandenburg verfilmt also relevante und diskussionswürdige kritische Literatur. RTL hat gerade mit "Missions" eine tolle (!) französische (!) Science Fiction (!)- Serie für RTL Passion gefunden. Und Sky hat am Freitag Premiere für "Babylon Berlin". Vielleicht ist der TV-Standort Europa doch noch nicht verloren.

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