Ins Ohr geflüstert: Amazon feuert Studio-Chef Roy Price



Den Amazon Studios ist über Nacht der Chef abhanden gekommen. Das ist erst einmal nicht sonderlich überraschend. Überraschend war doch nur, dass Roy Price nach der "von oben" verordneten Kurskorrektur in der Serienproduktion noch immer der offizielle Chef der Amazon Studios ist. Oder eben nun war. Schließlich wurde das Amazon Prime-Serienprogramm doch von ihm und niemandem anders auf genau diesen nun anscheinend falschen Kurs geführt.

Egal. Über Nacht ist er jetzt weg. Und zwar nicht wegen der unterdurchschnittlichen Performance der von ihm verantworteten Studio-Produktionen, sondern wegen sexueller Belästigung. Hmh. Ja, so etwas sollte man als Chef, also als Vorbild, eben nicht tun.

Was hat der gute Roy nun verbrochen? Nun, er soll einer Dame auf einer Party etwas Unsittliches ins Ohr geflüstert haben. Und das, nachdem sie kurz vorher in einem Taxi seine Annäherungsversuche bereits deutlich zurückgewiesen hatte. Vor zwei Jahren. Ähh, ja. Also halten wir mal fest: Zweifelhafte Performance ist vielleicht kein Kündigungsgrund für einen Amazon Studio-Chef. Anscheinend auch nicht, wenn er der eigenen Firma die Drehbücher seiner Freundin verkaufen will. Aber wenn er einer Dame auf einer Party etwas Falsches ins Ohr flüstert, kann schon zwei Jahre später...

Natürlich hat das alles sehr viel mit der allgemein ungesunden Atmosphäre in Hollywood seit dem "Weinstein-Skandal" zu tun. Oder besser gesagt: Mit der schon seit längerem ungesunden Atmosphäre dort. Oder schlicht und ergreifend: Die Amis müssen verrückt sein. Die haben einen Knall in Hollywood. Und zwar schon länger.

Natürlich ist sexuelle Belästigung eine ernste Sache und Harvey Weinstein ist wohl eine Figur, die niemals hätte ein Filmstudio führen sollen. Aber nicht ohne Grund kommen sie auf der dunklen Seite der Macht bei "Breitbart" aktuell aus dem Lachen gar nicht mehr heraus. Das Amerika der "Tea Party" wusste es ja immer schon: "Big Hollywood", das ist moralisch ganz unten.

Es geht um Millionen und Milliarden im großen Filmgeschäft. Und es geht um Träume. Und gutes Management. Gutes Management im Film- und Seriengeschäft bedeutet immer auch, Träume zu zerstören. Manchmal auch, dass Rechnungen offen bleiben, bei denen es zumindest nicht vordergründig um Geld geht. Und selbst um den kleinsten Thron gibt es natürlich immer noch das ewige Game, wer drauf sitzen darf- mit allen damit verbundenen Intrigen.

So war es doch hoffentlich das "Gesamtpaket", welches Roy Price jetzt das Amazon-Haus "mit sofortiger Wirkung" verlassen ließ. Denn wenn sich auch noch "das Ohrflüstern" als neue Waffe im Kampf um die lukrativen Hollywood-Jobs etabliert, bleibt allen Beteiligten, egal welchen Geschlechts, nur noch eines zu wünschen: Allzeit guten Flug.

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