Danke, Anke: Etwas frischer Wind auf den "Medientagen"


München hat gerade wieder "Medientage" und eigentlich sollte das gar kein Thema mehr sein. Das ewig gleiche Karussell der "Was mit Medien"-Wichtigen und weniger wichtigen Seiten- und Mittelschlitzträger findet sicher nur noch wenig Resonanz unter Nicht-Medienmenschen. So hat der Livestream auf YouTube gerade 65 Zuschauer und 11 wollten dort bisher wissen, was der deutlich fülliger gewordene Wanderpokal derartiger Veranstaltungen, Sascha Lobo, dort so zu sagen hat.

Alle sagen halt wie immer, was sie meinen, sagen zu müssen- so what. Aber irgendwie war der gestrige Eröffnungstag dieses Mal anders. Ist gerade Föhn in München? Denn die Atmosphäre ist irgendwie- klarer. Ist etwas anders?

Ob er einen "Wettbewerbsvorteil bei alternativen Fakten" habe, weil er aus dem Yellow Press-Bereich komme, wollte Moderator Klaas Heufer-Umlauf von Burda-Vorstand Philipp Welte auf dem Panel zur Eröffnungsrunde wissen. Das fanden alle sehr lustig- außer dem Mann von Burda.

So kann das eben ausgehen, wenn man wie üblich mit "Media. Trust. Machines. Vertrauen in der neuen Mediengesellschaft" wieder ein schönes Motto für die Veranstaltung gefunden hat, zu dem alle was sagen können, was sie meinen, sagen zu müssen. Und es kann eben auch schiefgehen, wenn man wie Heufer-Umlauf das zu wörtlich verstanden hat. Oder eben zu viel Föhnwind ist.

"Der Weg in die Gigabitgesellschaft - Mit 5G in die Medienökonomie 4.0" - wow, eh, genau so muss ein gutes Thema für die "Eröffnungs-Keynote" einer solchen Veranstaltung heißen. Der Auftakt der Medientage mit Vodafone Deutschland-CEO Dr. Hannes Ametsreiter war also perfekt geplant. So aber vielleicht nicht- Ametsreiter prophezeite den klassischen Fernsehmachern so etwas wie ihr baldiges Ende: "Lassen Sie sich nicht länger von 220 Minuten täglicher Sehdauer einlullen. Das angeblich zentrale Leitmedium steckt mitten im Umbruch."

Gut, dass mit RTL-Chefin Anke Schäferkordt noch ein wirklicher Medien-Profi die Bühne betrat. Jemand, der noch viel eleganter und professioneller sagen kann, was alle meinen, dass es gesagt werden müsse. Sie tat es dann auch, etliche langweilige Minuten lang. Als das Publikum schon im gewohnten Medientage-Halbschlaf dem nächsten Netzwerk-Treffen am Kaffeestand entgegen dämmerte, da knallten plötzlich die Kanonen. Und zwar richtig. Wahrscheinlich muss Föhn sein.

Die volle Breitseite traf vor allem die wie immer zahlreich anwesenden Vertreter der Politik. "Wir sind keine 'Eh da'-Industrie, die auch in den kommenden Jahrzehnten automatisch Inhalte liefern wird", so Anke Schäferkordt. Soll heißen: Wir müssen auch Geld verdienen können. Sonst könnte aus dem bedeutenden Arbeitgeber Privatfernsehen ja vielleicht eine "Auch weg"-Industrie werden.

"Die Marktverzerrung durch mehr als acht Milliarden Euro für ARD und ZDF muss endlich eingedämmt werden", so ging es dann munter weiter. Niemand traue sich an die notwendigen Veränderungen heran, da die Verflechtung von Politik, Gremien und Anstalten noch immer sehr eng sei. Nichts werde konkret in Angriff genommen und es werde immer noch nicht strukturell gespart bei ARD und ZDF. Statt dessen sollten die öffentlich-rechtlichen Sender jetzt einen erweiterten "Telemedien-Auftrag" bekommen, um mit Rundfunkbeitrag finanzierte Inhalte den großen US-Wettbewerbern aus dem Silicon Valley wie Facebook oder Google/YouTube kostenfrei zur Verfügung zu stellen. "Hut ab vor dieser Spitze der Wettbewerbsverzerrung", so Schäferkordt. Sie frage sich, ob die Chefs der US-Konzerne vor lauter Lachen über uns abends überhaupt noch in den Schlaf kommen.

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