"Germanized" funktioniert auch im Streaming-TV: Die erste "Telekom-Original"-Serie kommt

Foto: Telekom

So macht man das. Zwar kann noch niemand sagen, ob die neue Serie wirklich so gut wird, wie es das Setting verspricht. Aber so könnte es gehen.

Anfang der Woche war Netz-TV ziemlich kritisch mit Maxdome und seinen "jerks" umgegangen und das hat nicht allen gefallen. Deshalb hier das positive Beispiel, welches vielleicht die Gründe etwas deutlicher macht.

Die Telekom beginnt, nachdem sie für ihre "EntertainTV"-Kunden die Deutschland-Premiere der Hulu-Serie "The Handmaid's Tale" gesichert hat (nach Meinung der Emmy-Jury die beste Serie des Jahres), nun auch mit der Eigenproduktion. Es wird also "Telekom Originale" geben.

Wie geht man so ein Projekt an? EntertainTV ist wie Maxdome kein globaler Player und auf den deutschen Markt beschränkt. Gegenüber Netflix oder Amazon ist man damit theoretisch immer benachteiligt, man produziert für eine deutlich geringere Anzahl von Abonnenten und kann dadurch normalerweise weniger Geld in ein Projekt stecken. Eine mögliche Lösung, wenn man nicht billigere Produkte anbieten will: Starke Partner suchen.

Zum Beispiel in Europa- denn da stehen Anbieter in Frankreich, Italien oder Spanien ja vor dem gleichen Problem. "Germanized" soll das erste Telekom-Original heißen- und mitproduzieren wird die französische Telfrance. Die gehört zur französischen Newen Group, zu der auch Capa gehört, die mit "Versailles" immerhin die bisher teuerste europäische Serien-Produktion überhaupt gestemmt haben.

Was würde Netflix noch tun- außer viel Geld einsetzen? Ganz einfach- möglichst die Besten der Besten für das Geld engagieren. "Unsere Reise geht weiter: Nach UHD und den ersten Exklusiv-Serien bei EntertainTV wagen wir mit der 'Germanized' den nächsten logischen Schritt", sagt Michael Hagspihl, Geschäftsführer Privatkunden der Telekom. "Zusammen mit unseren Partnern haben wir ein starkes Team mit hervorragender Expertise für die Serienproduktion aufstellen können. Wir freuen uns auf die gemeinsame Umsetzung des ersten EntertainTV Originals." Telekom-Original klingt irgendwie griffiger. Aber ansonsten: Ja.

Hauptautoren der Serie sind Alexandre Charlot und Franck Magnier, beides Autoren des Erfolgsfilms "Willkommen bei den Sch’tis" sowie "heute Show"-Autor Thomas Rogel und "Stromberg" Producer Peter Güde. Produzenten sind Moritz Polter (Executive Producer International Series, Bavaria Fernsehproduktion), Oliver Vogel (Chief Creative Officer, Bavaria Fernsehproduktion), Peter Güde sowie Sandra Ouaiss (Head of International Coproduction und Executive Producer, Newen).

Und "Stromberg" ist sogar höchstselbst dabei, also Christoph Maria Herbst und eine der französischen Hauptrollen ist mit Roxane Duran ("Das weiße Band") besetzt.

Was fehlt dann noch? Eine überzeugende Grund-Idee. Bitteschön: Es geht um "Ustarrezpetu"-den Inbegriff eines schönen baskischen 1800-Seelen-Städtchens, wie man es von Postkarten her kennt. Leider hat Ustarrezpetu neben dem unaussprechlichen Namen und den eher schwierigen folkloristischen Mützen ein erhebliches Problem: Bürgermeisterin Martine hat das Städtchen an den Rand des finanziellen Ruins gebracht. Martine braucht also viel Geld. Und in Europa gibt es nur noch ein Land, in dem viel Geld im Umlauf ist: Deutschland.

Mit dem Ziel, ihren Job zu behalten, verkauft sie einen ganzen Weiler an Gerhard Jäger, Chef eines bayerischen Unternehmens für Automobil-Produktdesign. Jäger- eine Art deutscher Richard Branson, exzentrisch und launenhaft- verliebt sich ins Baskenland, einen Landstrich, in dem, ganz im Gegensatz zu Bayern, die Sonne immer scheint. Zumal er hier so gut wie keine Unternehmenssteuer zahlen würde. So beschließt er, seine Firma mit allen Angestellten und deren Familien nach Südfrankreich umzusiedeln.

Für Jäger, der überall zu Hause ist, ist diese auferlegte "Migration" von 1000 Kilometern vergleichbar mit dem Einzug ins Haus gegenüber und eine tolle Möglichkeit sein Team "durch ein vollkommen neues Geschäftsführungsexperiment" zu einen. Die französischen Einwohner hingegen sind nicht besonders glücklich über die deutschen Käufer. Zwar freuen sie sich über die deutschen Touristen in den Sommermonaten, aber gleich eine ganze Firma? 365 Tage im Jahr? 200 Deutsche, das bedeutet mehr als zehn Prozent der aktuellen Einwohnerzahl? Für immer? "Mon dieu!"

Das alles ist immer noch keine Garantie für eine großartige Serie auf Augenhöhe mit den US-Streamingportalen. Aber eines haben die Telekom-Verantwortlichen geschafft: Die Voraussetzungen sind da.

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