Ein Jahr "funk": Funktioniert das?

Foto: obs / funk von ARD und ZDF / Stefan Hoederath

Die Zeit vergeht. "Das junge Content-Netzwerk" von ARD und ZDF, formerly known as "Jugendkanal", ist unter dem schönen Namen "funk" nun schon wieder ein ganzes Jahr online.

"Wir haben in den vergangenen Monaten zusammen mit den Kollegen von ARD und ZDF viele Formate angeschoben, viel positives Feedback von unseren Nutzern bekommen und sogar ein paar Preise gewonnen. Wir wollen aber noch mehr ausprobieren und natürlich weiterhin beobachten, was funktioniert und was nicht. Wir analysieren genau, wo wir schon gute Wege gefunden haben und woran wir noch intensiver arbeiten müssen. Aber wir sind noch lange nicht am Ziel angekommen und haben natürlich noch einige Formate in der Pipeline", so das Programmgeschäftsführer-Duo Florian Hager und Sophie Burkhardt.

Alle "funk"-Kanäle, so berichtet man stolz, zählten insgesamt 256 Millionen Views auf YouTube und 90 Millionen Aufrufe auf Facebook (Zeitraum: 1.10.2016 bis 31.08.2017). Mmmhh... Ja. Gemeine Blogger würden jetzt ätzen, dass all die Rundfunkbeitrags-Millionen auf YouTube insgesamt (!) ein Drittel.... Na ja, die Gesamtbilanz von Dagi Bee und ihrem Kanal liegt aktuell bei 767 Millionen Abrufen.

Aber schließlich geht es bei "öffentlich-rechtlich" ja um die Inhalte.

Videos wie "Neue Rechte Welle" vom Investigativ-Format "Jäger & Sammler" und das Satirevideo "Masters of Germany" zur Bundestagswahl vom "Bohemian Browser Ballett" hätten mehrere Millionen Aufrufe, so heißt es. Sprich: Wir von "funk" schaffen es, die "junge Zielgruppe" auch mit "dieser Politik" zu erreichen. Sorry, liebe "funk"- Macher. Aber noch deutlicher als die "Jäger und Sammler" kann man bei genau dieser Aufgabenstellung kaum scheitern.

Trotzdem ist nicht alles schlecht. Auch nicht bei "funk". Die fiktionale Mystery-Serie "Wishlist" konnte unter anderem (mit Recht) beim Grimme-Preis und dem Deutschen Fernsehpreis 2017 überzeugen, das Satireformat "Datteltäter" erhielt den Grimme Online Award 2017 und die Teams vom "Kliemannsland" sowie vom Reportage-Format "Y-Kollektiv" wurden beim Webvideopreis 2017 ausgezeichnet.

Und, mal ehrlich: Ich hätte vor einem Jahr nicht gedacht, dass bei YouTube überhaupt irgend etwas Öffentlich-Rechtliches auch nur annähernd so groß werden könnte, wie ein Drittel von Dagi Bee.

Wer Rundfunkbeitrag bekommt, hat einen großen Vorteil: Es geht immer weiter. Demnächst startet "funk" die erste Minecraft-Serie in Deutschland unter dem Titel "Antarktika" mit dem Let's Player Herr Bergmann. Prima. Da können böse Blogger "funk" dann auch mit "Let's Playern" vergleichen. "Gronkh" hat aktuell 2,3 Milliarden Abrufe. Also, nur auf dem Hauptkanal. Denn "Gronkh" ist ja längst auch ein "Content-Netzwerk" und muss sich mit Anwälten wehren, um nicht rundfunklizenzpflichtig zu sein.

Auch bei bereits etablierten "funk"-Formaten gibt es Zuwachs: So wird die neue Kochshow "Koch ma!" im Kliemannsland entstehen ( Yeahh!! Kochen!! Wie innovativ!!) und die zweite Staffel von "Wishlist" produziert. Für 2018 laufen derzeit die Vorbereitungen für die Adaption der norwegischen Erfolgsserie "Skam".

Was bleibt? Ganz einfach: "funk" hat für ein Projekt aus dem Umfeld der "Anstalten" trotzdem erstaunlich viel erreicht. Mein Wunsch für die Zukunft wäre: Etwas mehr Qualität und Talent. Was ich meine, lässt sich vielleicht am Besten auf YouTube anschauen.

Hier ein (gar nicht so schlechter) Beitrag von "funk". Bitte mal insbesondere auf das simple Handwerk wie Text, Kamera und Schnitt achten:


Wie unendlich weit der Weg von "funk" manchmal noch ist, zeigt dann der Vergleich mit dem großen Vorbild:

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