"Die Zuschauer suchen nach Mehrwert": Roku ist jetzt ein Einhorn

Foto: Roku

"Wir wollen jeden Fernseher auf der Welt steuern. Derzeit haben wir 15 Millionen Kunden- da ist also noch eine Menge zu tun." Anthony Wood, Roku-Gründer und CEO, ist sicher aktuell in bester Stimmung. Denn er hat es geschafft: Roku's Gang an die US-Börse war ein großer Erfolg, die Aktien konnten an der "oberen" erwarteten Preisgrenze zu 14 US-Dollar zu den Anlegern gebracht werden und stiegen am ersten Handelstag im Wert noch um satte 68 Prozent. Mit einem Börsenwert von über zwei Milliarden Dollar ist das smarte TV-Betriebssystem aus den USA damit nun das klassische "Einhorn",  von dem alle Risikokapitalgeber träumen.

Rund um das IPO gab es auch für Wood, der sonst eher zu den "weniger öffentlichen" Machern der digitalen Zukunft gehört, nun die obligatorischen Auftritte in zahlreichen Interviews zu Roku, dessen Zukunft und zu den Aussichten im Streaming-Markt allgemein. Neben der launigen Ansage, bald alle TV-Geräte weltweit beherrschen zu wollen, gab es da auch ein paar interessante Meinungen des Insiders.

Zuallererst: "Ich denke, fast alle TV-Unternehmen werden am Ende ein Betriebssystem lizensieren. Und wir sind jetzt der Marktführer mit einer ordentlichen Marge." Das könnte tatsächlich die Zukunft sein. Die Betriebssysteme für smarte TV werden rasant größer, anspruchsvoller und komplexer. Auch der Aufwand für Updates oder den Support steigt sprunghaft an und die Hersteller von Fernsehgeräten stecken in einem extremen Preiskampf. Noch halten die "ganz großen" Samsung und LG mit ihren Eigenentwicklungen Tizen und WebOS gut mit. Wie lange noch?

Sollten die TV-Gerätebauer irgendwann aussteigen, dann bleiben noch Googles Android-TV, Amazon, Roku- und vielleicht Apple. Wobei Apple als einziger Bewerber den Sprung aus Stick, Box oder Dongle direkt hinein in die Fernseher noch immer nicht geschafft hat.

Möglicherweise auch deshalb, weil es der Sprung hinein in eine Welt ist, die Apple so eigentlich gar nicht gefällt. "Free", so Anthony Wood, sei eine der häufigsten Suchbegriffe im Roku-Betriebssystem. Und er prophezeit einen Boom für kostenloses und werbefinanziertes Streaming. Die Fernsehzuschauer würden im Streaming nach mehr Gegenwert für weniger Geld suchen.

Die "Cordcutter", deren Anzahl in den USA immer schneller steige, würden ihr teures KabelTV-Abonnement nicht kündigen, um dann ebenso viel Geld für Streaming auszugeben. Sie würden statt dessen nur wenige und preiswerte Abonnements abschließen, nach kostenlosen Inhalten fahnden und jede Menge werbefinanzierte Inhalte schauen.

"Es wird noch einiges kommen und noch mehr Möglichkeiten geben. Und die Paket-Angebote werden wahrscheinlich noch weiter fragmentiert werden." Winter is Coming- das "Game of Thrones" beginnt für die Fernsehsender, nicht nur in den USA, genau jetzt.

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