Wenn die Blase bei der TV-Werbung platzt: RTL hat die "Agents of S.H.I.E.L.D."

RTL kann nichts passieren- sie haben die "Agents of S.H.I.E.L.D.".
Alphonso "Mack" Mackenzie (Henry Simmons), Phil Coulson (Clark Gregg), Daisy Johnson (Chloe Bennet), Melinda May (Ming-Na Wen), Leo Fitz (Iain De Caestecker), Jemma Simmons (Elizabeth Henstridge).
Foto: MG RTL D / ABC Studios

Es ist an der Zeit, darauf hinzuweisen: Nicht nur Netflix und Disney haben Superhelden von Marvel. Neben Defenders, Avengers oder Guardians gibt es ja auch noch die jugendlichen "Agents of S.H.I.E.L.D.". Die tragen ihre epischen Kämpfe gegen die Hydras dieser und anderer Welten gerade in Staffel 4 bei RTL Crime aus. Dieses Mal geht es gegen die erbarmungslose Terrororganisation "Watchdogs" und es gibt einen echten "Ghost Rider", es ist aber nicht Nicolas Cage.

Ich mag so etwas. Noch bis Anfang Oktober läuft auf dem PayTV-Spartenkanal RTL Crime jede Woche eine neue Folge der aktuellen Staffel und ja, die Fans finden das- bei Sky, in irgendwelchen KabelTV-Paketen oder wo auch immer. Sogar als Stream sind die RTL Crime-Agents verfügbar- bei Sky Ticket und ich frage mich immer, warum die da nur so wenig Werbung machen. Vielleicht kann man RTL Crime ja bald als "Amazon Channel" buchen, dann übernimmt der große Streaming-Konkurrent die Werbung dafür. Ich bin jedenfalls sicher: Wenn Netflix oder Amazon die Streaming-Rechte für eine echte Marvel-Serie haben, dann sorgen sie auch dafür, dass wir alle davon wissen.

Dafür müssen sie heutzutage nicht mehr unbedingt teure TV-Werbespots schalten. Neue Serien und Filme und deren Trailer- Millionen Social Media-Accounts, nervige Blogger oder spleenige YouTuber stürzen sich auf solch attraktive und gefragte Themen und Inhalte und sorgt für deren allgemeine Verbreitung. Man muss das Orchester nur spielen können, so wie eben Netflix oder Amazon.

Womit wir beim Thema TV-Werbung wären- denn da gibt es bedenkliche Neuigkeiten. So war die Welt der Fernsehwerbung und der davon finanzierten TV-Sender in Deutschland bis vor kurzem doch noch die perfekteste von allen mit immer mehr Buchungen und Einnahmen von Jahr zu Jahr. Und nun bezeichnet die RTL Group den deutschen TV-Werbemarkt ganz plötzlich für das erste Halbjahr als um bis zu drei Prozent "schrumpfend"- und nur weil RTL besser sei, als die Konkurrenz, laufe das Geschäft noch "stabil".

Und die Konkurrenz? Na ja- ProSiebenSat1 hat viele tolle Erfolgsmeldungen aus der digitalen Welt. Und weniger Werbebuchungen als im Vorjahr sowie keine positiven Erwartungen für das dritte Quartal. Sogar von Umbauten und Kosten sparen ist schon die Rede.

Nun ist das mit dem Werbegeschäft so eine Sache. Beruflich habe ich auch lange Zeit Werbung verkauft. In ruhigeren Bürostunden hab ich sogar mal eine statistische Testreihe mit den Zahlen aufgesetzt und tatsächlich herausgefunden: An Tagen mit blauem Himmel und Sonnenschein verkauft sich Werbung nachweisbar besser als bei trübem Wetter und Regen.

Natürlich läuft das heute alles viel professioneller, mit Computern, viel mehr Daten, Algorithmen und so- aber ich wette, man könnte den Effekt immer noch nachweisen. Nichts ist für den Verkauf von Werbung wichtiger als die Stimmung beim Konsumenten- genau deshalb gehen in diesem Geschäft die Zahlen auch mit den Konjunkturschwankungen stärker runter und rauf- obwohl es doch der Logik nach genau andersherum sein müsste. Logisch wäre es, bei schlechter Konjunktur mehr zu werben- man verkauft ja gerade zu wenig. Und man könnte dann sparen, wenn es bei guter Konjunktur auch ganz ohne Werbung brummt. Die Realität ist aber genau umgekehrt.

Genauso wie das Wetter die Stimmung der Werber beeinflusst, genauso einflussreich ist die Mode. Und zwar, ob man als Medium gerade in Mode ist. Nichts ist für den Verkauf von Werbung wichtiger als die Stimmung beim Konsumenten- und deshalb geht's da mit der Konjunktur rasant runter und rauf. Und mit dem Wetter. Und mit der Meinung der Käufer darüber, ob ein bestimmtes Medium gerade als "en vogue" oder "total out" zu betrachten ist.

Genau hier lauert wohl für das werbefinanzierte Privatfernsehen gerade ein ziemlich dickes Problem. Der Markt kommt aus der besten aller Stimmungswelten, aber jede Konjunktur bröckelt irgendwann ab. Und gleichzeitig hören die Kunden seit Jahren, dass alle jetzt Serien und Filme bei Netflix und Amazon gucken, dass es immer und immer mehr Sender und Programme gibt, auf die sich immer weniger Zuschauer verteilen und wenn die Zielgruppe nicht bei Netflix und Amazon ist, dann sind sie alle bei Google und Facebook.

Man muss das Orchester halt spielen können und die Silicon Valley-Größen können das.

Okay, das Wetter hat sich stets schnell wieder geändert und auch über die aktuelle Konjunktur ist das abschließende Urteil noch nicht gefällt. Aber eins kann ich versichern: Wenn es länger regnet, die Konjunktur abwärts geht und dann noch eine schlechte Stimmung gegenüber dem Medium Fernsehen dazu kommt- dann brauchen die werbefinanzierten Privatsender sie am besten gleich alle: Superman, Super Woman und die "Agents of S.H.I.E.L.D."

Und dazu wäre ein stärker ausgebautes "PayTV"-Angebot wie RTL Crime auch im Streaming-Bereich gar nicht so schlecht.



Update 07.09.: Die Staffel drei der "Agents" hat übrigens ab diesen Samstag "Free TV"-Premiere bei RTL II.

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