Talking Dead: Reden wir doch mal über die Fußball-Bundesliga

"100% Bundesliga"- Fußball gibt es jetzt auch bei "Nitro". Foto: MG RTL D / Stefan Gregorowius

"Grau is alle Theorie- entscheidend is auf’m Platz." Die Dortmunder Fußball-Legende "Adi" Preißler soll das einst zuerst so gesagt haben. "Zuerst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu" soll dagegen von Jürgen Wegmann stammen. Und Olaf Thon von Schalke 04 hatte alle offenen Frage dann eigentlich abschließend geklärt: "Man darf das Spiel doch nicht so schlecht reden wie es wirklich war". Es hat nicht geholfen. Wir leben "im goldenen Zeitalter des Fernsehens"- es gibt so viele Serien zu schauen wie niemals zuvor. Und eben auch so viel "theoretischen Fußball" wie nie.

Das neue wöchentliche Fußball-Magazin "100 % Bundesliga- Fußball bei Nitro" ist zum Beispiel vor ein paar Wochen erfolgreich gestartet, so meldet es uns die Mediengruppe RTL. 1,9 Prozent Marktanteil bei den 14 bis 59-jährigen Zuschauern erreichte die erste Ausgabe des von Laura Wontorra und Thomas Wagner moderierten Live-Fußball-Magazins. In der "Kernzielgruppe" der 14- bis 59-jährigen Männer, so heißt es, lag der Marktanteil bei starken 2,5 Prozent.

Wow. Bei "Nitro" bin ich plötzlich nicht nur wieder "Zielgruppe", nein, sogar "Kernzielgruppe". Und "100% Bundesliga" präsentiert uns jetzt jeden Montag die Zusammenfassungen aller 18 Spiele des Spieltags in der Bundesliga und der 2. Bundesliga inklusive der "Erstverwertung" des Montagabend-Spiels im Free-TV. Und eben Laura Wontorra und Thomas Wagner mit "Experten".

Vielleicht muss ich doch nochmal in den etwa dreihundert Kanälen nach dem Sender RTL Nitro tauchen, der jetzt nur noch "Nitro" heißt. Aber ich habe den Überblick verloren. Noch schlimmer: Wenn ich versuche, ganz normal vor dem Fernseher einzuschlafen, habe ich Alpträume von unzähligen Menschen, die irgendein Fußballspiel so schlecht reden, wie es wirklich war.

Ich bin eben alt und kann mich noch dunkel an Fernsehzeiten erinnern, da erschien eine "Ansagerin" auf dem Bildschirm, verkündete ein live stattfindendes großes Fußballspiel, dann wurde "umgeschaltet", ein "Reporter" sagte leutselig "hallo" zu den "Fußballfreunden", dann war "Anstoß" und es ging einfach so los. Unglaublich, oder? In Island soll "Gudmundur Benediktsson" immer noch alles sein. was sie für eine Übertragung brauchen. Diese irgendwie auch goldenen Zeiten sind bei uns lange vorbei.

Mal sehen, ob ich es zumindest für die erste Fußball-Bundesliga noch zusammenbekomme. Aktuell beginnt es wohl Samstags um 15 Uhr bei "Dazn". Also, wenn man das "Freitagsspiel" auf dem "Eurosport Player" und das ganze rundherum mal großzügig weglässt. Dazn hat keine Übertragungen der Bundesliga, aber sie reden darüber und das richtig modern- der "Dazn Fanblock" sendet per "Facebook live". Das ist zwar etwa zwei Stunden später, als die "Bundesligakonferenz" bei Sky mit "Experte" Rainer Calmund startet, aber eben noch eine halbe Stunde, bevor das Fußball spielen wirklich losgeht. Nach den Spielen bei Sky kann man sich die Theorie dort gleich weiter erklären lassen oder eben wieder zu Facebook und "Dazn" schalten, da ist dann noch ein "Fanblock".

Später kommen dann die gute alte ARD-"Sportschau" oder eben noch ein Spiel live bei Sky und am noch späteren Abend das "ZDF Sportstudio". Natürlich alles umrahmt durch Experten, Experten, Experten. Erst am späten Sonntagvormittag geht es dann weiter. "Sport1" versammelt da schon seit vielen Jahren viele Experten zum stundenlangen "Doppelpass". Den moderierte früher übrigens Jörg Wontorra, der jetzt eine viertel Stunde früher bei Sky die "Experten" zu "Wontorra- der Fußball-Talk" lädt.

Am Nachmittag sind dann Sonntags-Spiele live und natürlich gibt es eine ARD-"Sportschau". Auch Montags sind ja zum Glück Spiele mit was rundherum. Und enden tut das Wochenende der "Fußball-Experten" dann eben jetzt am Montagabend bei "Nitro".

Wow.

Wir leben ja zum Glück im goldenen Zeitalter des Fernsehens. Und aus Amerika kommt schon seit langem eine tolle Idee, die zu meinem großen Unverständnis hierzulande anscheinend keiner versteht oder aufgreift. Ich sage nur: Negan, Lucille und die Zombies. Genau wie ein Fußballspiel ist ja heutzutage auch die Premiere einer neuen Serien-Folge ein echtes Event. Bei AMC in den USA gibt es deshalb schon seit ewig "Talking Dead"- immer nach einer neuen Folge Zombies.

Die dauert ja nur weniger als 60 Minuten. Den Rest des Abends reden sie dann drüber. Mit den Schauspielern. Dem Publikum. Und Experten, Experten, Experten.

Ist das nicht eine tolle Idee?

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