Pantaflix erobert die Welt und Netflix soll über 20 Milliarden Dollar Schulden haben.

Screenshot: Pantaflix

Faszinierend, so würde Mr. Spock wohl dazu sagen. Die Welt, auch die des Streaming, ist jedenfalls voller schwer erklärbarer Wunder.

Der heilige Pantaleon soll einst einen Lahmen zum gehen gebracht haben und die "Pantaleon Entertainment AG" heißt jetzt Pantaflix AG. Mit der Namensänderung bekenne sich das Unternehmen einerseits zu seiner Strategie, so heißt es, im Markt der Video-on-Demand-Services eine entscheidende Rolle einzunehmen und sich der Herausforderung eines ambitionierten Wettbewerbs zu stellen. Andererseits unterstreiche die Umfirmierung das dynamische Wachstum von Pantaflix.com.

Ja Pantaflix. Und auch an der Börse fliegt der der neue Video on Demand-Service von Superman Matthias Schweighöfer, nein richtiger mit dem Aktionär Matthias Schweighöfer gerade so richtig hoch.

Seit kurzem gibt es Pantaflix auch als App für Amazons Fire TV und "noch im Jahresverlauf" will Pantaflix, so Vorstandschef Dan Maag gegenüber der Welt am Sonntag, "viele Millionen Kunden erreichen können". 40.000 Filme sollen dann verfügbar sein. Der Netflix-Katalog in den USA, so Maag, umfasse gerade einmal 5.000 Filme. "Das wird uns aus Konsumentensicht zu einer Top-Anlaufstelle für Filme weltweit machen".

Wow. "Top-Anlaufstelle", "weltweit". Aus Deutschland. Es gab mal große Pläne im Land für das Streaming von "Germanys Gold" hinaus in die Welt, aber davon hätten ARD, ZDF und Filmproduzenten nicht mal zu träumen gewagt.

Pantaflix jedenfalls könne auf dem globalen Streamingmarkt zum Milliarden-Unternehmen werden, da die Macher, so Maag, als Filmproduzenten im Gegensatz zu den großen US-Konkurrenten mit ihrer "IT-Brille" eben wüssten, was sich bei der Vermarktung von Filmen ändern muss. Und dieses Wissen habe Pantaflix genutzt.

Die Börsen-Analysten schätzen die bisherigen Investitionen von Pantaflix in das Geschäft auf einen "niedrigen" einstelligen Millionenbetrag in Personal- Entwicklungs- und Beratungskosten.

Ich weiß nicht. Pantaleon war einst, so sagen es die Legenden über den Heiligen, selbst unter Folter nahezu unzerstörbar. Wilde Tiere, die ihn zerfleischen sollten, wurden plötzlich zahm. Okay, sie haben ihn damals trotzdem noch irgendwie zur Strecke gebracht, indem sie ihm letztendlich den Kopf abschlugen. Aber vielleicht kann  ja Pantaflix Wunder bewirken.

Bei Netflix fällt vielen jedenfalls jetzt plötzlich die seit langem bekannte Finanzierung durch Kredit auf. Über 20 Milliarden Dollar Schulden sollen mittlerweile in den Büchern stehen. Demgegenüber stehen als Wert natürlich die ganzen vorfinanzierten "Original"-Serien und -Filme. Geht die Bilanz auf?

"Niemand ist jemals der dominierende Player für immer", so Mike Vorhaus, Präsident der Medien- und Digitalvideo-Beratung Magid Advisors, laut "LA Times". "Ich denke, sie werden etwas Glück brauchen, nicht irgendwann durch eine Verlangsamung des Wachstums in Schulden zu ertrinken."

Sieht zwar bisher nicht so aus, aber vielleicht braucht also auch Netflix irgendwann ein Wunder. Vielleicht sollten wir allen einfach viel Glück wünschen. Und einen Heiligen, der Wunder bewirkt.

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