Amazon, Netflix, whatever- die Streaming-TV Highlights im September

"xXx: Die Rückkehr des Xander Cage" Foto: Amazon

Es ist an der Zeit, mal eine Lanze für die diskriminierten alten weißen Männer oft unterbewerteten Herren in den besten Jahren zu brechen. Gerade auch im großen Filmgeschäft. 1987 zum Beispiel kam "Predator" in die Kinos- eigentlich ein vorher so noch nie gesehenes Meisterwerk, das ein völlig neues Filmuniversum jagender Aliens begründete. Der Film ist meiner Meinung nach bis heute total unterbewertet- Arnold Schwarzenegger spielt die Hauptrolle, und Arnold mögen die Kritiker nicht.

Dabei hat er mit seinem "Terminator" ja sogar den Grundstein für ein noch weit größeres Universum gelegt. Obwohl Schwarzenegger gerade 70 geworden ist und sicher berechtigten Anspruch auf Rente nachweisen kann, geht ein neuer Blockbuster aus dem "Terminator"-Franchise praktisch nicht ohne sein Gesicht.

"Wozu ist das?" "Das ist blaues Licht." "Und was macht es?" "Es leuchtet blau." Keiner kann einen Charakter mit so wenigen Worten so präzise auf die Leinwand bringen wie Sylvester Stallone. John Rambo und Rocky Balboa werden noch Zuschauer begeistern, lange nachdem ihre letzte negative Rezension zu Staub zerfallen ist.

Und ja, ich behaupte es jetzt einmal ganz mutig: Auch Vin Diesel ist ein großer Schauspieler. Er wurde sogar schon von Kritikern gelobt. Wahrscheinlich wussten sie nicht, dass er die Stimme hinter dem sprechenden Baum der "Guardians of the Galaxy" ist. Da hat er zur Darstellung einer Hauptrolle nicht einmal seine zwei bis drei verschiedenen Gesichtsausdrücke und die beeindruckenden Kraftsportler-Muskeln zur Verfügung. Und genau einen einzigen Satz aus drei Worten: I am Groot!

Womit wir beim eigentlichen Thema sind, dem Programm. Die zweite Auflage der "Guardians" kann man schon kaufen, im September auch leihen, aber Amazon hat auch jede Menge Vin Diesel im inklusiven "Prime" Video-Programm. Mit "xXx: Die Rückkehr des Xander Cage" und "The Last Witch Hunter" gibt es gleich zwei standesgemäß von der Kritik verrissene große Vin Diesel-Auftritte im Amazon-Programm.

"Jack Reacher: Kein Weg Zurück" zeigt uns Tom Cruise, der beweist, das man auch ohne Muskelberge in die gleiche Kategorie fallen kann. Und in "Allied: Vertraute Fremde" sehen wir mit Brad Pitt einen Mann in den "besten Jahren", den die Kritik komischerweise mag.

Aber nun endlich zu den Frauen. "Bridget Jones' Baby" zeigt für Amazon genau das, was der Titel verspricht. In "The Danish Girl" ist wiederum entgegen dem Titel nicht ganz klar, wer Mann und wer Frau ist. Und in "Personal Shopper" gibt es ein Wiedersehen mit "Twilight"-Bella Kristen Stewart.

Die "Rings" von 2017, "Tschick", "Ich, Daniel Blake", "Bob, der Streuner", "Monster Trucks" und "Einfach das Ende der Welt" runden das recht gute Amazon Prime-Filmprogramm ab.

Die "Amazon Original"-Serie "The Last Tycoon" ist schön, war teuer und ist irgendwie "na ja"- und damit wohl ein passendes Beispiel für das Amazon-Produktionsproblem. Der zweite Teil der dritten Staffel "Fear the Walking Dead" kommt im September und eine Staffel 11 "Supernatural", eine Staffel 14 "Family Guy" und die Staffel vier "Line of Duty".

Als Filmfan freue ich mich da aber eher darauf, dass Mitte des Monats Ridley Scotts "Alien: Covenant" erst zu kaufen und dann auch zu leihen ist. Eine Amazon-Serienempfehlung haben wir aber doch noch: Wer es noch nicht im ZDF gesehen hat- mit "The Missing" von der BBC hat Amazon im September noch einen wirklich großartigen Serien-Einkauf.



Ein wirklich großartiger Serien-Einkauf ist im September auch das Highlight im Netflix-Programm. Und auch ein beeindruckender. Denn die neue "StarTrek Discovery" wurde doch von CBS einst auf eine lange und schwierige Produktions-Reise geschickt, um den eigenen Streamingdienst "All Access" im Programmwettbewerb zu stärken. Auch gegen Netflix. Dass Netflix uns nun die neuen Reisen in weit entfernte Galaxien außerhalb der USA als "Netflix Original" zeigen kann, ist irgendwie auch ein deutliches Zeichen für Erschütterungen der Macht.

Das ist aber schon wieder ein anderes Filmuniversum und man möchte der neuen StarTrek-Serie ein "Live long and prosper" zurufen- denn das wird schwierig. Und nein, nicht deshalb, weil der Kapitän kein "Mann in den besten Jahren" ist. An der Ur-Serie, als einst noch William Shatner und Leonard Nimoy durch die Gänge liefen, liebe ich so Kleinigkeiten- wie wenn ein Original Standard-Feuerlösch-Schlauchanschluss für brandgefährliche Studios der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts auf der Enterprise durch die noch weit entfernte Zukunft reist. Das wird so nun nicht mehr funktionieren. Die "Zielgruppe" ist jetzt an ganz andere digital gezauberte "Star"-Wunderwelten gewöhnt. Egal, ob nun "Trek" oder "Wars". Selbst Hobbyfilmer können das zum Leidwesen der Studios ja mittlerweile manchmal besser.

Dazu kommt eine unüberschaubare Flut an Berichten über die neue "StarTrek"-Serie. Die "USS Discovery" fliegt auf eine Erwartungshaltung bei den Zuschauern zu, die durch ihr galaktisches Ausmaß einen Durchbruch ohne strukturelle Beschädigungen recht unwahrscheinlich erscheinen lässt. Sollte es der Besatzung dennoch gelingen, dann kommt allerdings wohl wirklich etwas Großes auf sie zu.

Nun aber zu den "echten" Netflix-Originalen. Wie groß "StarTrek: Discovery" ist, sieht man auch daran, dass die Weltraumflieger zuerst Erwähnung finden. Denn im September startet auch die dritte Staffel "Narcos"- jetzt mit dem "Cali-Kartell". Das "Fuller House" bekommt neue Folgen und der bekiffte skurrile "Bojack Horseman" reitet schon seine Staffel vier.

"Chelsea" startet wieder ihre Talkshow und der "Designated Survivor" hat ab Ende des Monats wöchentlich neue Folgen aus Staffel zwei. Noch mehr Science Fiction- "Expanse" expandiert in Staffel zwei. Noch mehr neue Serien: "White Gold" startet neu und ist britische Comedy. "Big Mouth" ist gezeichnete Comedy. Und "American Vandal" ist auch Comedy, aber weder britisch noch gezeichnet, aber es wird gezeichnet, und zwar das beste Stück aller Männer, auch der "in den besten Jahren".

Noch mehr "Netflix Original" auch bei den Filmen: In "Unsere Seelen bei Nacht" verlieben sich Robert Redford und Jane Fonda. Schon der zweite Netflix-Spielfilm mit Robert Redford und auch Jane Fonda gehört mit "Grace and Frankie" ja fast zum Netflix-Stammpersonal. Und "Der weite Weg der Hoffnung" kann sogar auf die Mitarbeit von Angelina Jolie verweisen- sie ist die Regisseurin der Erinnerungen von Loung Ung, die zuerst als Buch unter dem Titel "First They Killed My Father: A Daughter of Cambodia Remembers" ja, man kann sagen, die Welt berührten.

Mit "Hindafing" kann Netflix ab September sogar auf bayerisches Kulturgut verweisen und ein paar Filme haben sie wie immer auch eingekauft. Dabei ist allerdings wieder viel gut abgelagertes Material, wie etwa "Fluch der Karibik" oder "Cowboys & Aliens", "Coco Chanel", "After Earth" oder "Milk". "Black Mass" ist dagegen noch relativ frisch und Johnny Depp spielt den legendären US-Gangster James J. Bulger. Mit Vin Diesel haben sie aber anscheinend nichts.

Aber die "Foo Fighters" hat Netflix jetzt auch. "Foo Fighters: Back and Forth", die offizielle Doku zur Band-Geschichte feiert die IMDb mit starken 8,4 von 10 möglichen Punkten. Und das ist ja noch immer nicht alles. Nach noch unbestätigten Gerüchten sind gerade jede Menge Bollywood-Filme neu aufgetaucht.

Und die anderen so? Bei Sky sind die Jedis los und Anfang des Monats gibt es auch "Rogue One: A Star Wars Story". Und Maxdome hat Vin Diesel nur als "xXx – Triple X" aus dem Jahr 2002, dafür aber Sylvester Stallone und Schwarzenegger in "The Expendables 3". Vin Diesel soll, so die Gerüchte, aber bald bei "The Expendables 4" auch so weit sein.

Dann bringt Maxdome uns noch die "Gangster Squad" mit Ryan Gosling und einen weiteren Herrn ohne Muskeln- Nicolas Cage in "Drive Angry". Das Werk hat ihm eine Nominierung für die "Goldene Himbeere" als schlechtester Schauspieler eingebracht. Dabei bricht er sogar aus der Hölle aus, nur um seine schöne Enkelin Amber Heard vor finsteren Sekten zu retten.

So sind sie, die Männer in den besten Jahren. Im Herzen groß und stark in der Leistung- aber oft sehr hart beurteilt. Das musste jetzt einfach mal raus. Aber eins ist doch klar: Das Kommando hat nun stets eine Frau:

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