Zwei Euro mehr? Netflix könnte bald teurer werden

Foto: Netflix

Das klingt ziemlich verrückt. Stellt euch vor, euer Supermarkt ändert das Preisschild für einen Liter Milch am Regal von einem auf zwei Euro. Dann steht ihr plötzlich vor der Wahl: Trotzdem kaufen? Auf Milch verzichten? Einen anderen Supermarkt aufsuchen? Und wenn ihr euch dann wütend für "trotzdem kaufen" entschieden habt, heißt es dann plötzlich an der Kasse: April, April. Die Milch kostet natürlich nur einen Euro. "Wir wollten nur einmal sehen, ob ihnen dieses erstklassige Lebensmittel auch zwei Euro wert gewesen wäre".

Mmmh. Pff... Ihr müsst nicht nachschauen. In den "einhundert Tipps für den cleveren Einzelhändler" steht diese Verkaufs-Strategie nicht. Aber genau das, so haben einige festgestellt, macht Netflix im deutschsprachigen Raum zur Zeit. Tech-Blogger "Caschy" hat es beobachtet. "Der Standard" in Österreich auch. Wer bei Netflix auf verschieden Geräten sich die unterschiedlichen Abonnement-Optionen anzeigen ließ und dadurch eine gewisse Neigung für "kaufen" zeigte, bekam in einigen Fällen um zwei Euro höhere Abonnement-Preise angezeigt als bisher. Manchmal sogar für alle Abonnement-Varianten.

Netflix bestätigt auf Anfrage des "Standard", dass man "leicht unterschiedliche Preishöhen teste". Dadurch wolle man "besser verstehen, wie Verbraucher den Wert von Netflix einschätzen." Aha. Tolle Idee. Ich hab da so eine Vermutung, was passiert, wenn die Verbraucher den Wert von Netflix tatsächlich zwei Euro im Monat höher schätzen. Die letzte Preiserhöhung für Deutschland ist schließlich schon zwei Jahre her- damals war man allerdings noch mit einem Euro mehr im Monat zufrieden. Und Netflix war einst bei Preiserhöhungen sehr kulant zu bereits zahlenden Abonnenten- mal sehen, ob sich das auch ändert.

"Sehr langsam über das nächste Jahrzehnt" sollten sie kommen, die Preiserhöhungen für Netflix. Sagte jedenfalls Reed Hastings damals in einer Videokonferenz mit Analysten. Aber er sagte auch: "Wir werden mehr Inhalte anbieten und somit mehr Wert und den Preis dann entsprechend anpassen".

Die Abonnenten, die sich für ein teurer angezeigtes Abo entschieden haben, bezahlen derzeit anschließend trotzdem die niedrigeren, regulären Preise. Aber in gut zwei Wochen wird Netflix seine Halbjahreszahlen präsentieren und es wird wahrscheinlich neue Videokonferenzen für Analysten geben. Und sehr wahrscheinlich hören wir dann mehr von diesem unangenehmen Thema.

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