Wankt jetzt auch Wanda? Chinas Drachen sind plötzlich klamm

Wang Jianlin singt. Screenshot: Wanda Group

Er hat Talent. Trotzdem: Es ist eine für europäische Augen und Ohren schon ein wenig bizarre Performance. Wang Jianlin, Chef der "Wanda Group" und nach Meinung seriöser Quellen wohl der reichste Mann Chinas, singt gern Schlager in romantischem Bühnen-Ambiente und seine Firma zeigt das dann auf ihrer Website der Welt. Auch in Hollywood werden sie das sicher etwas eigenartig finden- obwohl sie dort Wang Jianlin ja von anderen bemerkenswerten Auftritten her kennen.

Aber egal. Denn derzeit hat er bestimmt anderes zu tun- dem reichsten Mann Chinas fehlt zumindest in seiner "Wanda-Group" anscheinend Geld. Das ist deshalb bemerkenswert, weil nach dem Kauf der zweitgrößten Kino-Kette der USA und des Hollywood-Studios Legendary Entertainment einige US-Amerikaner schon um die Herrschaft über das globale Filmgeschäft fürchteten. Im Frühjahr wurde dann erstmals ein schon vereinbarter Wanda-Milliardendeal in Hollywood plötzlich storniert. Und jetzt verkauft Wanda überraschend große Teile seines Hotel- Tourismus- und Freizeitpark-Imperiums im Land der Mitte an einen anderen chinesischen Immobilien-Riesen.

Dabei hatte Wang Jianlin doch eigentlich Disney ordentlich Konkurrenz machen wollen. In China, ja- aber sogar bei Paris ist derzeit ein großer "Wanda"-Park in Planung. Und das globale Filmgeschäft sollte doch nebenbei auch noch erobert werden.

Jetzt rätselt man in Hollywood über die Gründe. Egal, von welcher Seite aus man es auch betrachtet: Die überraschende Transaktion kann letztendlich nur einen Hauptgrund haben: Geld. Das naturgemäß zu großen Teilen fremdfinanzierte Imperium will, so heißt es, jetzt Schulden abbauen.

Auf die im Bau befindlichen Mega-Filmstudios von Quingdao oder die Geschäfte von Legendary soll das Ganze keinerlei Einfluss haben, so wird versichert. Das glaube ich so nicht. Wenn Wang Jianlin sich in Zukunft neben dem Singen mehr mit Geld einnehmen und sparen statt mit Investition und Eroberung beschäftigt, dann hat das natürlich Einfluss auf alles.

Gerade habe ich zum Beispiel Amazons "Prime Day" genutzt und mir für schlappe 99 Cent Jennifer Lawrence und Chris Pratt in "Passengers" angesehen. Und war ziemlich überrascht- wow. Die originelle Raumfahrer-Romanze ist für mich bisher der Film des Jahres. Weil die Geschichte neu ist, ja, weil die eigentlich nur vier Darsteller das großartig machen, ja- aber das allein ist es nicht. Guy Hendrix Dyas und Gene Serdena haben "Passengers" geradezu unglaublich in Szene gesetzt. So phantasievoll und zugleich realistisch, so beeindruckend und zugleich wirklich habe ich bisher noch keine Vision einer möglichen Raumfahrt-Zukunft gesehen. Zu Recht wurden beide deshalb für den Oscar nominiert- und zu Unrecht hat dann "La La Land" die Auszeichnung für das "beste Szenenbild" bekommen.

Was das alles mit Wanda zu tun hat? Natürlich eines: Geld. "Passengers" hatte ein dreistelliges Millionen-Budget und ist genau die Kategorie Film, die oft aus monetären Gründen nicht stattfindet. Denn die Geschichte ist neu, kein erprobtes Franchise, wer weiß schon, ob die Leute das mögen. Und die so realistischen Szene-Bilder hätte man ja auch für ein Bruchteil der Kosten viel billiger am Computer zusammenschustern können. Dann gäbe es vielleicht einen Film, ja- aber nicht "Passengers".

Damit genug Geld für die "Passengers" und ein paar andere Filme zur Verfügung steht, hat sich Sony im Vorjahr mit Wanda zusammengetan- und so konnten sich Jennifer und Chris im edlen Ambiente verlieben. Mit "Kong: Skull Island" oder "The Great Wall" war gerade noch eine ganze Menge mehr Wanda-Geld in unseren Kinos.

Man muss diese Filme ja nicht mögen. Aber wenn den Drachen die Taler ausgehen, dann droht uns Filmfreunden ein insgesamt deutlich magereres Angebot.

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