Vice: Nur noch die News mit dem Hipster-Bart?

Screenshot: Vice Deutschland

Sie sind irgendwie immer noch da und trotzdem irgendwie weg. Vor drei Jahren war es jedenfalls nahezu unmöglich, irgendwo "social" im Netz unterwegs zu sein, ohne die "News" von "Vice" als Video in irgendeine Timeline gespült zu bekommen. Vice-Chef Shane Smith war das hippe und freche Gesicht der Nachrichten einer neuen Zeit und erklärte auf Podien rund um die Welt, wie man zukünftig die "News für Millennials" machen wird und prophezeite CNN & Co. den bald bevorstehenden Untergang. Und war damit so erfolgreich, dass es die etablierten Nachrichtenmacher oft sogar selbst glaubten.

Noch im vorigen Jahr durfte Smith die in Fachkreisen renommierte "James MacTaggart Memorial Lecture" des Edinburgh International Television Festivals halten und wirkte dabei aber schon eher wie einer, der nach Aufmerksamkeit sucht als wie jemand, der den Weg in die Zukunft der Nachrichten kennt.

"Vice ist die journalistische Leitmarke der Generation Y", so glaubte man es auch in Deutschland bei RTL II und suchte zusammen mit Smith's kunterbuntem globalen Imperium nach Aufmerksamkeit. Gefunden hat man sie aber beim deutschen Publikum nicht.

Mittlerweile gibt es bei "Vice" auch schon Nachrichten über Entlassungen, wie einst bei CNN. Natürlich "nur" zwei Prozent der insgesamt immerhin 3000 Leute, die global mittlerweile "irgendwas mit Vice" machen. Und in anderen Bereichen expandiert man ja immer noch- zum Beispiel in neue Länder und Büros in Bombay oder Dubai sowie in Vice Studios für "scripted Entertainment". Also nicht in Nachrichten und Journalismus.

Im klassischen US-PayTV dümpeln die Quoten für Shane Smith's "Viceland" so vor sich hin. Stattdessen feiern die von ihm einst totgesagten Nachrichten von CNN & Co. Allzeit-Quotenrekorde. Das deutsche Angebot von "Vice" wirkt irgendwie gestrig. Obwohl in der immer gleichen Vice-Themenmischung nach wie vor manch Interessantes und so noch nicht Gesehenes verborgen ist.

Was hat Vice falsch gemacht? Vielleicht gar nichts. Die Zukunft ist nur gekommen und war, wie so oft, ganz anders als vorher verkündet. Die Konkurrenz hat nun mit der Trump-Show ein neues Spitzenprogramm, welches die Zuschauer in Scharen an die klassischen Nachrichten-Bildschirme lockt. Und "social" und Internet können sie mittlerweile auch.

Viele der Vice-Themen dagegen sind jetzt irgendwie durch und haben einen Hipsterbart. Die "James MacTaggart Memorial Lecture" hält in diesem Jahr Jon Snow. Nein, nicht im Winter. Jon Snow, wer wüsste das nicht, ist seit 40 Jahren Journalist in Großbritannien und "das Gesicht der Channel 4 News".

Statt auf Podien die Zukunft des TV-Journalismus zu beschreiben, sollte Shane Smith vielleicht eine Dschungel-Community in Panama gründen. Oh, wie schön ist Panama- wir wissen es alle seit Kindertagen. Aber anderswo natürlich auch...

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