Über Vollposten, deutsch und italienisch


Es ist Sommer. Und höchste Zeit, einmal grundsätzliche Kritik an Amazon Prime Video zu üben. Denn die verheimlichen uns etwas. Ja, es gibt immer eine ausführliche Vorschau auf das Monatsprogramm. Aber darin steht selten alles. Und manchmal verschweigen sie sogar das absolute Monats-Highlight komplett.

So wie in diesem Juni. Star Trek Beyond? Iron Man 1-3? Die komplette Twilight-Saga? Pffff... Ich kann euch sagen, welche Handbewegung er dazu machen würde. Auch wenn es uns als Deutsche selbst nach mehr als zehn Jahren immer noch schmerzt, ihn hier singen zu hören.

Hey, Amazon, ihr habt ihn- inklusive, bei Prime! Den Mann, der an einem verlängerten Wochenende so viele  Kinokarten verkaufte wie "StarWars: Das Erwachen der Macht" in drei ganzen Wochen. Und zwar für genau diesen Film, den ihr verschweigt, obwohl er doch bei euch jetzt "Prime" ist. "Der Vollposten", im Original "Quo Vado?" von und mit Checco Zalone ist noch immer der erfolgreichste italienische Film aller Zeiten.

In diesem Film hat Checco sich einen Wunsch erfüllt- er hat, was er sich in seinem unsteten Künstler-Leben bisher immer nur erträumen konnte: Einen echten italienischen "Vollposten" als Beamter in Festanstellung auf Lebenszeit im Landesamt für Jagd und Fischerei. Und den will man ihm jetzt nehmen- da hat man aber die Rechnung ohne Checco gemacht.

Schaut euch das an- etwaige Ähnlichkeiten zu realen deutschen Verhältnissen sind natürlich vollkommen unmöglich und ausgeschlossen. Obwohl man in diesem Film vieles lernen kann, um manch unerklärlichen Vorgang auch bei uns besser zu verstehen.

Zum Beispiel im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Wer da arbeitet, hat eigentlich auch oft so einen schönen Vollposten wie Checco. Natürlich noch besser bezahlt. Aber genauso natürlich will man ihn auch behalten. Zum Glück gibt es da keine schreckliche Frau Dr. Sironi. Sondern nur Gremien. Auch die können Vollposten wegnehmen. Aber in der Regel nur, wenn man an etwas "schuld" ist.

Deshalb sind, für Außenstehende nur schwer verständlich, alle Mitarbeiter stets darauf bedacht, niemals an irgend etwas die "Schuld" zu tragen. Zum Beispiel an der Ausstrahlung eines Dokumentarfilms, der SPD-Kanzlerkandidaten schlecht aussehen lässt. Danach können dann plötzlich Schuldige für die Nicht-Ausstrahlung gesucht werden, was dann möglicherweise die Absonderlichkeit bewirkt, dass erwachsene Herren Gründe suchen, warum sie sowohl der Sendung als auch der Nicht-Sendung des gleichen Films unschuldig sind, obwohl sie doch den Sender leiten.

Das Hintergrundwissen über das Schuld-Thema ist allerdings Herrschaftswissen, welches hier nicht weiter öffentlich debattiert werden sollte. Man kann es missbrauchen- zum Beispiel wie die neue Landesregierung von CDU und FDP in Nordrhein-Westfalen. Denn auch in den Landesmedienanstalten hängen sie an ihren Vollposten. Und wollen deshalb nicht schuld sein.

Auch nicht an ihrem eigenen Vorgehen gegen deutsche Let's-Play- Videokanäle auf Twitch wegen einer angeblich fehlenden "Rundfunklizenz". Sie machen das nur, weil es nun einmal, leider, geltendes Recht ist. Deshalb hat "Gronkh" jetzt trotz der drohenden Landesmedienanstalt NRW wieder eine Chance. Denn er könnte ja auch abschalten und sich statt neuer "Let's Play"-Videos mit dem bisher verdienten Geld ein paar Bier unter einer fernen Palme am Strand gönnen.

Daran, liebe Landesmedienanstalt NRW, wollt ihr doch gewiss nicht schuld sein. Oder?

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