Weiter das Krimi-Maß der Dinge: Amazons "Bosch" in Staffel drei

Foto: Amazon

Geht es euch nicht auch so, dass es im Fernsehen manchmal einfach genug ist? Genug an mittel- oder ganz alten frustrierten Kommissarinnen, die lustlos in gefühlt tausenden billig produzierten deutschen Massenware-"SOKO's" durch talentfreie Drehbücher stolpern? Genug an realitätsfernen freakigen Pseudo-Wissenschaftsgenies, die in ebenso gefühlt tausenden "C.S.I." und Nachahmer-Produkten aus den USA immer kuriosere Dinge unter Mikroskopen, vor Computer-Bildschirmen oder an Leichenteilen finden? Genug an noch realitätsferneren Geschichten vom Typ "Blacklist", "Blindspot" oder "Person of Interest", bei denen oft am interessantesten ist, zu sehen, wie in vielen todernst gemeinten Szenen großartige Schauspieler angesichts des vorzutragenden Blödsinns hoch professionell ihren zweifelsfrei vorhandenen Lach-Impuls unterdrücken?

Genug davon? Okay, dann gibt es etwas für euch, falls ihr es noch nicht gesehen habt: "Bosch" bei Amazon Prime hat nun schon drei Staffeln. Und auch in der dritten Staffel kommt der LAPD-Detektiv aus den Romanen von Michael Connelly in klassischer Erzählweise zu uns. Da gibt es wenig rasante Action. Einen ruhigen Erzähl-Stil für eine komplexe Geschichte. Aber kaum etwas Außergewöhnliches, was in der Mega-Metropole am Pazifik so nicht auch in der Wirklichkeit täglich passieren könnte. Klassisch-konservatives Fernsehen, so wie früher. Ist es wie früher?

Nicht ganz. "Bosch" ist "horizontal" erzählt, auch über die Staffeln hinweg. Eigentlich schon zu Strecke gebrachte Täter(innen) können plötzlich vor Gericht freikommen, eigentlich schon aufgeklärte Verbrechen können plötzlich ganz anders gelaufen sein. So entsteht Stück für Stück das Bild einer sehr komplexen Helden-Figur und ganz nebenbei bekommt man ein wenig Einblick in die Seele, das "Feeling" einer einmaligen Stadt.

Wie kann man eine Serien-Staffel beschreiben, ohne den Inhalt im voraus zu "spoilern"? Vielleicht so: "Alte Schule", so heißt die letzte Folge von Staffel drei und es geht eigentlich darum, auf welche Art und Weise Bosch den bösesten Bösewicht der Staffel drei im Alleingang zur Strecke bringt. Aber genau das ist "Bosch" als Amazon-Serie: Alte Schule. So, wie man schon immer einen guten Krimi erzählt hat. Und gleichzeitig hochmodern- angefangen bei den stimmigen und großartigen Bildern über einen tollen Cast mit einem überragenden Titus Welliver in der Hauptrolle bis hin zum Serien-Design mit einem fast schon psychedelischen Anfangs-Trailer.

Auch die Staffel vier der Serie ist längst beschlossene Sache: "Mit der vierten Staffel wird Bosch das Amazon Original mit der längsten Laufzeit bei Amazon Prime Video", so Amazon Studios-Chef Roy Price schon vor etwa einem halben Jahr. "Prime-Kunden lieben es, Detective Harry bei der Bewältigung von schwierigen Situationen in seinem Berufs- und Privatleben zu begleiten - und wir freuen uns jetzt, ihnen sagen zu können, dass mehr kommen wird."

Und Autor Michael Conelly versprach uns damals: "Titus und der Rest der Schauspieler und Crew sind unheimlich engagiert. Schon in der dritten Staffel heben wir das Storytelling auf ein neues Level. Das werden wir mit der vierten Staffel ebenso tun."

Zumindest für Staffel drei ist das Versprechen erfüllt.

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