Traum von Amsterdam: Netflix will mehr Europa wagen

Netflix "EMEA" (Europe, Middle East, Africa) - Hauptquartier in Amsterdam. Foto: Netflix

Endlich. Bald ist es soweit und ich kann mich für meinen neuen Traumjob bewerben. Denn ich will doch EU-Controller für Quoten-Einhaltung bei Netflix und Amazon werden. Also bezahlt Netflix gucken für etwa 10k plus im Monat oder so. Ich denke, wir sind da auf einem guten Weg.

Damit noch mehr zu kontrollieren ist, als bisher zu erwarten war, hat das EU-Parlament schließlich gerade beschlossen, dass die geplanten 20 Prozent europäische Zwangs-Inhalte für Netflix und Amazon zwar schön und gut sind, aber: 30 Prozent ist noch besser. "Es ist nur gerecht, dass derjenige, der mit der Verbreitung von Kulturgütern an europäische Zuschauer Geld verdient, auch für den Fortbestand dieses Kulturgutes hier in Europa mit verantwortlich ist“, so die Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Bildung im Europäischen Parlament, Petra Kammerevert, von der SPD.

Für uns Zuschauer sehe ich goldene Zeiten kommen. Ich kann bald kostenlos gucken, ähh, kontrollieren und sicher werden viele weitere Regionen auf unserem schönen und großen Globus dem wegweisenden EU-Beispiel folgen. Nur noch so fünf weitere und wir alle werden viel mehr, also so sechs mal dreißig, also 180 Prozent Inhalte bei Netflix gucken können. Plus den Ami-Kram. Toll, oder?

Und es wirkt! Netflix hat schon reagiert. 400 neue Jobs sollen im Kunden-Service in Amsterdam entstehen. Auf gewaltige 1,75 Milliarden Dollar seit dem europäischen Markteintritt sollen die Investitionen in "europäischen Content" noch in diesem Jahr wachsen.

"Wir freuen uns, die Schaffung von Arbeitsplätzen in Europa und die Eröffnung unseres neuen Kundenservice-Hubs in Amsterdam sowie zwei neue europäische Original-Serien bekannt zu geben. Europa ist ein kreatives Zentrum für großes Story-Telling, welches auf der ganzen Welt gefällt und wir werden weiterhin in europäische Inhalte investieren", so Netflix-CEO Reed Hastings.

Und so sieht das konkret aus:

- "Marseille" produziert gerade trotz zurückhaltender Kritiken eine zweite Staffel der französischen Serie
- Noch ist Großbritannien europäisch- auch die zweite Staffel von "The Crown" wird gerade produziert
- "The Dark", die erste deutsche Netflix-Serie, soll Ende 2017 zu sehen sein
- "Las chicas del cable" sind aus Spanien, seit dem 28. April auf dem Netflix-"Sender", und auch schon in der Produktion von Staffel zwei
- "Suburra", Italiens "Gomorrha" für Netflix, kommt auch noch 2017 ins Programm
- "Dogs of Berlin", die zweite deutsche Netflix-Serie, ist für 2018 geplant
- und mit "Osmosis" gibt es ein neues und interessantes französisches Serien-Projekt für 2018

"Osmosis" ist zwar französisch, aber ohne Gerard Depardieu und auch noch Science Fiction. Der "Les Revenants"-Mit-Macher Audrey Fouché ist Showrunner der Serie über ein Paris der nahen Zukunft, in dem Computer-Algorithmen für uns die wahre Liebe entschlüsselt haben.

Ich geh dann mal meine EU-Bewerbung schreiben. Jetzt lockt nicht mehr nur Strasbourg, sondern auch Amsterdam...

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