Lost in Translation: Netflix, Cannes, Europa und das größte Filmstudio der Welt

Tilda Swinton in "Okja" Foto: Netflix / Kimberly French

40 bis 50. Vierzig bis fünfzig!! Das war beim Filmfest in Cannes dieser Tage die wohl aufregendste Zahl. Nein, nicht dreißig. Obwohl die dreißig auch eine Rolle spielte. Alle aufregenden Zahlen hatten aber eines gemeinsam: Es ging um Netflix.

Netflix war schon Thema in Cannes, noch bevor es eigentlich losging. Wegen Netflix gibt es nun sogar neue Wettbewerbs-Regeln fürs kommende Jahr. Auch bei der EU ging es um Netflix- und um die dreißig. 30 Prozent aller Netflix-Serien und Filme sollen künftig zwangsweise "europäisch" sein.

Noch aufregender fanden aber viele eben die 40 und die 50. Nicht, weil Frankreich mittlerweile die "Europa-Quote" für die Streamer sogar gern auf 40 Prozent schrauben würde. Nein, "40 bis 50" ist die Zahl der Spielfilme, die Netflix schon bald produzieren möchte. Und zwar pro Jahr.

Damit wäre Netflix das mit Abstand größte Filmstudio der Welt. Und es werden längst Nägel mit Köpfen gemacht. So wird für genügend Geld in der Kasse gesorgt. Und die Filmproduktion ist ja längst angelaufen und die Ergebnisse zeigen, dass da keine billige Massenproduktion neu in die Filmwelt kommt. Darsteller vom Kaliber eines Brad Pitt oder Will Smith spielen die Hauptrollen. Oder eben Tilda Swinton.

Die spielt in "Okja", eben dem Wettbewerbsfilm, über den in Cannes am meisten geredet wurde. Von Netflix. Wie der Film, über den am zweitmeisten geredet wurde, "The Meyerowitz Storys". Danach fand auch "Wonderstruck" Beachtung. Der ist von Amazon.

Ted Sarandos von Netflix ließ in Cannes wissen, eine Teilnahme von Netflix am Wettbewerb um die goldene Palme im kommenden Jahr erscheine unter den neuen Regeln nicht sehr attraktiv. Aus Hollywood hört man, dass Netflix seine Filmproduktion zukünftig vorrangig in L.A. abwickeln wolle. Nein, nicht nur 70 Prozent.

Okay, auch traditionelles Kino gab es in Cannes. Wie zum Beispiel "The Beguiled" von Sofia Coppola. Und "einen Aufruf zum Schutz des europäischen Kinos". Sofia Coppola ist mir bisher zweimal aufgefallen. Das erste Mal, als sie als Tochter des "Paten" auf den Stufen der Oper von Palermo erschossen wurde. Das ist ja schon einmal sehr europäisch. Dann mit ihrem Film "Lost in Translation", für den sie einen Oscar für das beste Drehbuch erhielt.

In "Lost in Translation" laufen Bill Murray und Scarlett Johansson durch Tokio und haben Verständnisprobleme. Ex ist eine so ganz andere Welt. Europa läuft auch längst in der neuen Streaming-Welt umher. Und versteht ebenfalls gar nichts- wir sind "Lost in Translation".

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