"Last Man Standing": US-Fernsehsender im Panik-Modus

Screenshot: Twitter / Tim Allen

Er sei fassungslos und fühle sich wie aus dem Hinterhalt attackiert von dem Sender, der sechs Jahre lang seine Heimat gewesen sei. So Tim Allen gestern auf Twitter. In den USA werden bei den "Upfronts" und "LA-Screenings" gerade die Serien und Vorhaben der Fernsehsender für den Herbst vorgestellt- und seine Sitcom "Last Man Standing" im zu Disney gehörenden Network ABC ist zur Überraschung vieler nicht mehr dabei. Der letzte standhafte Mann wird nach sechs eigentlich erfolgreichen Jahren nach der Sommerpause nicht mehr auf die US-Bildschirme zurückkehren.

Jetzt hat ABC einen ziemlich massiven konservativen Shitstorm am Hals. Es gibt die mittlerweile fast übliche Fan-Petition bei change.org und #BoycottABC ist ein Hashtag-Trend auf Twitter. "Last Man Standing" sei einzigartig in der Masse der Sitcoms im US-Fernsehen, so die Begründung der Petition. "Die Show richtet sich an eine breite Masse von Amerikanern, die sonst nur sehr wenige Sendungen mit ihren Werten finden könnten, und zwar konservativen Werten."

Dazu muss man wissen, dass Tim Allen einer der ganz wenigen Hollywood-Größen ist, die Donald Trump und seiner Präsidentschaft irgend etwas Positives abgewinnen können und er fühlt sich wegen seiner politischen Einstellung fast schon so verfolgt "wie im Deutschland der 30er Jahre". Und, na klar, bei Breitbart & Co. läuft bereits die Empörungswelle gegen die "Leftists" wegen dem Ende einer Sitcom (!) aus "politischen Gründen".

Da wird es ABC-Chefin Channing Dungey auch nicht mehr helfen, dass sie das Ende der Show als "eine der schweren Entscheidungen" bezeichnet, die sie in ihrem Job nun einmal zu treffen habe. Niemand glaubt ihr das Bedauern wirklich und eine Kündigungswelle der ABC-Kabelkunden ist genau das, was Disney derzeit gar nicht gebrauchen kann. Denn auch das Disney-eigene Sport-Network ESPN ist bereits in stürmischer See bei frei fallenden Abonnenten-Zahlen unterwegs.

Dabei ist es genau diese aktuelle Lage auf dem US-Fernsehmarkt, die vermuten lässt, dass Tim Allen vielleicht doch kein vorwiegend politisches Opfer ist- sondern ein Opfer der anscheinend allgemein herrschenden Panik im Management der US-Fernsehsender. Noch nie kündigten so viele US-Amerikaner ihr teures KabelTV-Abonnement wie im ersten Quartal 2017. Netflix und Amazon beginnen zu wirken und es ist vor allem die "jüngere Zielgruppe", die in Scharen aus den Einschaltquoten flieht und so in den Sender-Präsentationen für die Werbekunden hässliche offene Fragen hinterlässt. Und "Last Man Standing" war halt ein Erfolg bei den ungeliebten älteren Zielgruppen.

Die Hilflosigkeit der doch eigentlich so mächtigen Fernsehmanager und -Managerinnen wie Channing Dungey gegenüber dem Trend ist dabei das interessanteste Phänomen. ABC plant jetzt neue Sitcoms und Serien (vielleicht mögen die Jüngeren ja das?) und bringt "American Idol" auf die TV-Bildschirme zurück. "USA sucht den Superstar" war erst vor einem Jahr beim Fox-Channel eingestellt worden- wegen ähnlicher Anzeichen der Erschöpfung wie derzeit bei Dieter Bohlens deutscher RTL-Version.

Vielleicht könnte ja Fox im Gegenzug "Last Man Standing" weiterführen? Da sollte sich Tim Allen doch ohnehin noch mehr zu Hause fühlen. Und allen TV-Managern sei geraten: Don't Panic. Auch wenn Netflix und Amazon im Hintergrund leise kichern: Euer Schiff ist verdammt groß, selbst wenn es vielleicht "Titanic" heißt. Es wird noch lange dauern, bevor es unter die Wasserlinie rutscht. Bis dahin wäre eigentlich für fähige Leute mehr als genug Zeit für den Bau sehr komfortabler Rettungsboote.

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