Keine "Goldenen Palmen" für Netflix: Künftig nur noch reguliertes Filmfestival in Cannes

Finn Jones ist für Netflix die "Iron Fist". Foto: Netflix / Patrick Harbron

"Das Establishment schließt sich gegen uns zusammen. Schaut "Okja" ab 28. Juni bei Netflix. Ein toller Film, dessen Teilnahme im Wettbewerb des Filmfestivals in Cannes Kinobesitzer verhindern wollten." Oha. Netflix-Boss Reed Hastings sagt es auf Facebook einfach direkt so, wie es ist. Das ist im TV- und Filmgeschäft eher selten. Beim stets lächelnden Reed Hastings sogar eher außergewöhnlich. Im Umfeld von Filmfestivals wie dem Rennen um die "Goldene Palme" von Cannes ist es sehr, sehr außergewöhnlich. In einem guten Film- oder Serien-Drehbuch wäre jetzt die Dialog-Szene beendet und es käme die Action-Sequenz. Vielleicht wird Netflix ja als Nächstes Finn Jones nach Cannes schicken.

Die zunehmende Produktion von eigentlich Kino-tauglichen Spielfilmen bei Netflix, die dann aber ausschließlich exklusiv im Streaming-Abonnement laufen, macht die Kino-Branche offenkundig zunehmend nervös. Und in Cannes ist der seit längerem schwelende Streit nun wohl endgültig eskaliert.

Dort hatte in diesem Jahr Festival-Leiter Thierry Frémaux mit "Okja" vom koreanischen "Snowpiercer"-Macher Bong Joon Ho sowie "The Meyerowitz Stories (New and Selected)" mit Stars wie Adam Sandler, Ben Stiller, Dustin Hoffman, Elizabeth Marvel, Grace Van Patten und Emma Thompson in den offiziellen Wettbewerb um die "Goldene Palme" des 70. Internationalen Filmfestivals geschickt. Wahrscheinlich einfach, weil er sie gut fand. Noch im April feierte Netflix das als "Meilenstein für den vielfältigen und ständig wachsenden Netflix-Content".

Das gefiel der Kino-Branche wohl gar nicht. Denn nun gilt für Cannes ab dem kommenden Jahr eine neue Regel: "Goldene Palmen" können nur Filme bekommen, die auch im Kino gezeigt werden. Und in Frankreich kann Netflix das Problem nicht wie anderswo lösen, indem man Filme versteckt in ein paar Arthouse-Kinos schickt. Die Verwertung von Kinofilmen ist dort knallhart reguliert. Vier Monate nach dem Kinostart dürfen DVD's veröffentlicht werden, nach etwa einem Jahr dürfen sie ins Pay-TV, nach etwa zwei Jahren ins Free-TV und erst 36 Monate, also stolze drei Jahre nach der Premiere können Streaming-Plattformen die Werke zeigen.

Das würde also bedeuten, dass Netflix-Filme, die in Cannes im Wettbewerb laufen, erst drei Jahre später von Netflix in Frankreich gezeigt werden könnten. So wichtig waren dem Streaming-Giganten solche "Meilensteine" für die Zukunft dann wohl doch nicht. Und auch bei Amazon, wo man die Kinoverwertung der Filme aus den Amazon Studios durchaus aktiv betreibt, wird man die eigenen Filme den "Prime"-Abonnenten in Frankreich in Zukunft nicht erst nach drei Jahren zeigen wollen.

Sicher ist es Unsinn, aber ich glaube fest daran: Immer, wenn Reed Hastings in seinem Büro sich mit der "Regulierung" in Europa beschäftigt, läuft parallel auf großen Fernsehern Marvel's "Iron Fist".

Kommentare