Netflix: Frische Milliarden auf Pump für die Serien- und Film- "War Machine"

Brad Pitt in "War Machine" Foto: Netflix / Francois Duhamel

"Whoa", so titelte noch vor knapp zwei Jahren der "Hollywood Reporter" als "Content-Chef" Ted Sarandos 60 Millionen Dollar für Netflix auf den Tisch legte, um Brad Pitt's bitterböse Afghanistan-Satire zu finanzieren und damit gleichzeitig quasi aus den Kinos herauszukaufen. Denn auch die "Netflix Original"-Spielfilme gibt es "nur auf Netflix"- und die "War Machine" startet nun allein dort ihren Betrieb ab dem 26. Mai.

Der Spielfilm "War Machine" mit Brad Pitt ist eigentlich so etwas wie die würdige Fortsetzung von Tom Hank's "Der Krieg des Charlie Wilson". Vor zehn Jahren wurden wir in diesem Film über die Vorgeschichte des Afghanistan-Kriegs informiert und nun können wir bei Netflix sehen, wie es später weiter ging. Denn auch "War Machine" beruht zumindest teilweise auf tatsächlichen Ereignissen. "The Operators: The Wild and Terrifying Inside Story of America's War in Afghanistan" heißt das Buch des Journalisten Michael Hastings, welches als Vorlage diente.

Brad Pitt ist im Film der erfolgreiche, charismatische Vier-Sterne-General Dan McMahon, der wie ein Rockstar zum Befehlshaber der NATO in Afghanistan aufsteigt, um dann am eigenen Größenwahn und den Enthüllungen eines Journalisten zu scheitern. Und da ist nicht nur Brad Pitt- auch der "restliche" Cast, unter anderem mit Ben Kingsley oder "Power Ranger" RJ Cyler wäre durchaus Kino-tauglich gewesen.

Über die Finanzierung von "Der Krieg des Charlie Wilson", also des Films, weiß Wikipedia, dass die Produktionskosten auf etwa 75 Millionen Dollar geschätzt wurden. Weltweit spielte er dann 119 Millionen in den Kinos wieder ein, dazu kommen dann noch der Verkauf von TV-Rechten, DVD und so weiter. Die Rechnung der Macher dürfte wohl aufgegangen sein.

Die Netflix-Rechnung funktioniert dagegen anders. Teure Filme und Serien werden vorfinanziert, in der Bilanz wie eine Investition in Maschinen oder Immobilien aktiviert und dann über Jahre hinweg abgeschrieben. Trotz mittlerweile mehr als 100 Millionen Netflix-Abonnenten weltweit reichen die Einnahmen für die Finanzierung der vielen Serien und Filme noch immer nicht aus. Und in den Kinos wird die "War Machine" erst einmal gar nichts einspielen. Netflix braucht deshalb regelmäßig frisches Kapital aus Firmenanleihen oder frischen Aktien.

Eine ganze Milliarde frischer Euro und weil es wohl gut lief, dann sogar 1,3 Milliarden Euro wurden in dieser Woche dafür auf dem Kapitalmarkt außerhalb der USA eingesammelt. Für die Schwaben unter uns gab es den beruhigenden Hinweis, dass der Verschuldungsgrad von Netflix im Vergleich zum Eigenkapital damit insgesamt noch immer unter zehn Prozent bleibt. Wer von Euch Netflix Geld leihen will: "Moody’s Investors Service" vergibt für die Anlage ein "B1", also die Note "spekulativ". Kann aber auch am prinzipiellen Unverständnis der Analysten für Filme als Investition liegen.

Ein Netflix-Abonnement erscheint dagegen angesichts der qualitativ und quantitativ überzeugenden Performance bei den Inhalten sowie der überschaubaren Kosten als derzeit relativ sichere und ertragreiche Anlage.

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