Nachschub-"Crisis in Six Scenes": Sky und HBO wollen gemeinsam neue Serien produzieren

"Riviera" kommt "noch dieses Jahr" zu Sky. Foto: obs / Sky Deutschland

Sorry, liebe "Sky"- Macher. Aber hier wurde noch nicht von eurer kommenden "Sky Original Production", der neuen Serie "Riviera", berichtet. Weil- na ja, eben sorry. Aber...

"Das makellose Luxusleben von Georgina bricht nach nur einem Jahr Ehe mit dem Kunstsammler Constantine abrupt zusammen, als ihr Mann bei einer Explosion auf der Jacht eines russischen Oligarchen und Waffenhändlers ums Leben kommt. Daran zweifelnd, dass Constantines Tod ein Unfall war, macht sie sich auf die Suche nach den wahren Hintergründen der Tragödie. Bald sieht sich Georgina mit den dunklen Machenschaften ihres Mannes konfrontiert. Als sie erkennt, welches Doppelspiel Constantine getrieben hat, gerät sie in eine Spirale moralischer Abgründe und wird in eine Welt voller Lügen und Kriminalität gezogen. Um das legendäre Familienanwesen an der Côte d'Azur zu bewahren, das Schicksal ihrer Familie zu beschützen und zu überleben, muss sich Georgina schnell in dieser neuen und gefährlichen Realität zurechtfinden. Aber wie sie bereits in ihrer Jugend als Kunststudentin unter Beweis gestellt hat, lernt sie sehr schnell."

Sorry. Das ist alles, was bekannt ist, und es klingt wie der Einband-Text für den "Großen Schicksalsroman für unter 10 Euro" aus dem zugigen Eingangsbereich so einer supermodernen neuen "Buchhandlung". Also besser abwarten. Vielleicht werden wir ja positiv überrascht.

So wie zum Beispiel von Woody Allen. Der hat für Amazon eine Serie gemacht, "Crisis in Six Scenes" heißt das Werk und es hat mir zu meiner eigenen Überraschung gefallen. Obwohl ich weder Woody Allen noch seine Filme sonderlich mag und obwohl (oder weil?) die Kritiken größtenteils vernichtend waren. Und obwohl der Meister nach eigener Versicherung weder jemals etwas gestreamt noch jemals eine "Serie" geschaut hat. Allen hat für Amazon ganz normal einen Woody Allen-Film gedreht, wie immer, und ihn dann einfach in sechs angebliche Folgen auseinander geschnitten. Nun ist es eine Serie, die ist sehr "horizontal erzählt" und Strickjacken-Woody erscheint so plötzlich wieder hochmodern.

In "Crisis in Six Scenes" spielt Allen Sidney Munsinger, der gleich in der Anfangs-Szene seinem Frisör erklärt, dass er jetzt TV-Serien mache- das würde besser bezahlt. In einer späteren Folge stellt er dann sein Serien-Projekt in einem Sender vor. Da die Mienen der Verantwortlichen wenig aussichtsreich erscheinen, verlegt er seine Komödie aus Verzweiflung kurzerhand in die Steinzeit. "Sie leben in Höhlen". Und das sei doch lustig.

Heutzutage hätte Sidney Munsinger es einfacher. Denn "Crisis in Six Scenes" spielt in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts und Serien-Macher werden heute wegen des gewaltigen Bedarfs an Nachschub noch besser bezahlt. Und vielleicht würden sie ihm sogar den Quatsch mit den Höhlen abnehmen.

Denn Amazon produziert immer mehr Serien, Netflix sowieso und vom "Sky"-Macher höre ich schon die Gegenfrage: "Was soll's denn bitte noch sein, sie Zuschauer? Was würdet ihr denn noch in großer Zahl schauen und uns Abo-Geld dafür zahlen?" Manchmal ist die zunehmende Verzweiflung der Fernsehverantwortlichen geradezu mit Händen greifbar. Und dann winkt man vielleicht auch so eine platte Ansammlung an Klischees als Projekt durch, wie es "Riviera" laut Beschreibung ja anscheinend zu werden droht.

Sky will sich nun gemeinsam mit HBO dem allgemeinen Serien-Trend "immer teurer und immer beliebiger" entgegenstellen und man "bündelt die Kräfte" in einem "gemeinsamen Serien-Powerhouse". Geplant sei die "Produktion von Topserien, die sich durch fesselnde Geschichten, einen beeindruckenden Cast und die Ausrichtung auf den internationalen Markt auszeichnen".

Ziel der Vereinbarung sei es, innerhalb der nächsten zwei Jahre einen "konstanten Produktionsoutput" zu erreichen und mindestens zwei Dramaserien pro Jahr in Auftrag zu geben. Die Ausstrahlung des ersten gemeinsamen Projektes ist bereits für das Jahr 2018 geplant.

HBO und Sky seien dabei offen für alle Vorschläge der kreativen Fernsehschaffenden in den USA und Europa, die zu den programmlichen Strategien von HBO Nordamerika und der Marke Sky Atlantic in Europa passten. Dies ist eine einzigartige Chance für Produktionsfirmen, ihre Programme über zwei weltweit führende Entertainment-Marken auszustrahlen. Erfahrene Experten beider Unternehmen würden für die Auswahl der Projekte verantwortlich sein, 250 Millionen Dollar stünden für die "mehrjährige Koproduktions-Partnerschaft" bereit.

"Sky ist seit langem ein fantastischer Partner und mit dieser neuen Vereinbarung vertiefen wir die Zusammenarbeit zwischen unseren beiden großartigen Unternehmen, die eine lange Tradition in der Schaffung hochwertiger Programme für ihre Kunden haben. Gemeinsam repräsentieren wir das Beste im Fernsehen und gemeinsam werden wir die Messlatte für qualitativ hochwertige Pay-TV-Programme weiter erhöhen", so HBO-Chairman und CEO Richard Plepler.

Da werde ich doch glatt meine tollen Serien-Ideen einreichen, so wie einst Woody Allen. Ich hätte da was in einem fernen Land vor unserer Zeit. Sieben Königreiche streiten um einen harten Thron und dann kommen von draußen noch Zombies und Drachen. Zombies gehen immer. Geben wir ihnen noch einen mysteriösen Anführer mit eisblauen Augen. Toll- oder? Wenn nicht: Warum nicht mal eine Serie mit vielen Klischees- dafür aber an einer schönen Küste?

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