"More Ways to Watch": Roku bringt in den USA neuen Sender-Alptraum auf die Fernseher

Foto: Roku

Eines der Buzz-Wörter, mit denen man beim "richtigen" Fernsehen ganz groß raus kommen kann, ist der "Audience Flow". Denn davon verspricht man sich im ewigen Kampf um die Einschaltquoten wahre Wunder. Sagt einfach, ihr habt den "Audience Flow" im Griff und schaut dabei so, als wüsstet ihr wie oder was. Und schon scheint der Weg zumindest ins mittlere TV-Management frei.

Denn der "Audience Flow", also dafür zu sorgen, dass die Zuschauer nach dem Ende einer Sendung auch für das nächste Programm dranbleiben- er gilt für die Branche als Schlüssel zum Erfolg. "Tolle Quote"- das kann schließlich jeder. Einfach die Champions-League einkaufen und gut ist. Das kostet aber. Als Schlüssel zum ökonomischen Erfolg gilt es dagegen, einen Tag Fernsehprogramm so kunstvoll zusammenzukomponieren, dass viel Publikum zuschaut und dann auch noch bei den am billigsten zu produzierenden Werbe-Umfeldern dranbleibt.

Deshalb sind es interessante Nachrichten, die wir da von "Roku TV" hören- auch wenn sie, wie so vieles heutzutage, erst einmal nur für die USA zutreffen. Roku ist "drüben" mit seinen Streaming-Boxen wie auch als Betriebssystem für immer mehr Smart TV's nach wie vor sehr erfolgreich. Und sorgt dort jetzt mit seiner angekündigten neuen Software-Version "Roku OS 7.6" für ziemlich viel Wirbel.

Wir alle wollen ja einen Mr. Carson- und wir alle wollen für unseren Fernseher gefälligst totalen Datenschutz. Warum dies ein Widerspruch ist, das steht hier und Roku bietet seinen US-Kunden nun ab dem Sommer die Wahl.

"More Ways to Watch"- unter diesem Schlagwort läuft der neue Roku-Service, den man mit der neuen Software wahlweise aktivieren kann. Und dann registriert Roku per "automatischer Content-Erkennung", was immer man gerade auf seinem Fernseher schaut. Und es ist dabei völlig egal, ob man das Programm in diesem Moment über Roku und das Internet, über Antenne, Kabel oder Satellit empfängt.

Die Roku-Cloud registriert das alles- und macht sich dabei Gedanken darüber, was man vielleicht als nächstes sehen möchte. Wer also gerade "Transformers 3" schaut, wo auch immer, ist vielleicht ganz dankbar für eine anschließende Auflistung, wo zu welchem Preis man per Stream "Transformers 4" nachladen kann.

Dieser Service würde für die Fernsehsender schlicht und ergreifend das Ende des "Audience Flow" und dessen schrittweisen Ersatz durch die fremde Intelligenz aus der Cloud einleiten. Und damit des Fernsehens, wie wir es heute noch kennen.

Das ZDF hat zum Beispiel gerade "Orange is the New Black" bei Netflix eingekauft. Wahrscheinlich gar nicht mal so billig, auch wenn die Serie dann "nur" auf "ZDFneo" läuft. Stellen wir uns Otto Normalglotzer doch einmal vor, der beim Zapping per Zufall auf ZDFneo und die Serie trifft. Der Frauenknast gefällt ihm- wie so vielen anderen auch. Okay, jetzt könnte er bei ZDFneo eine Woche auf die nächste Folge warten. Oder in der Mediathek stöbern, ob da vielleicht schon mehr ist.

Aber was wird er tun, wenn sein Fernseher ihm automatisch als "Abspann" einblendet, wo er zwischen Amazon und Vimeo überall gegen Entgelt mehr "OITNB" bekommen und dass er mit Netflix-Account sogar einschließlich der neuesten Staffel fünf alles "bingewatchen" kann?

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