House of Streaming: Netflix erreicht China

Das "House of Cards" öffnet bald zur Staffel fünf. Foto: Netflix / David Giesbrecht

Chinas Präsident Xi ist nicht nur "viel aggressiver als Hu". Also, im "Kampf gegen die Korruption", nicht wie in diesem so schön erfundenen Missverständnis. Er kennt auch die Netflix-Serie "House of Cards". Jedenfalls hat er in einer Rede während eines US-Besuchs in Seattle vor knapp zwei Jahren betont, dass sein Kampf gegen die Korruption in China nur ein Kampf gegen Korruption sei. Das habe nichts mit internen politischen Machtkämpfen zu tun. "In diesem Fall" (khihihi) "ist da kein 'House of Cards'".

Das ist auch nicht verwunderlich. Viele Chinesen kennen Präsident Underwood und seine Karriere und dies nicht nur aus der guten alten Zeit der "VPN-Tunnel". "Sohu" heißt eines der meistbesuchten Internetportale im Reich der Mitte und bei Sohu konnte man die Serie einst ganz legal auch in China schauen. Es war ein Mega-Erfolg. Bis "politische Regulierer" die Serie dort wieder verschwinden ließen und sicherheitshalber gleich auch noch eine virtuelle chinesische Mauer gegen ausländische Internet-Services wie Netflix errichteten.

Dafür haben die Chinesen jetzt ein eigenes "Hous of Cards". "Im Namen des Volkes", so heißt dort eine aktuelle, mit großem Aufwand und großen Stars produzierte Serie, die gigantische Zuschauer-Erfolge feiert. Präsident Xi hatte 2014 die chinesischen Medien-Bosse darauf hingewiesen, dass sie dem Volk und dem Sozialismus zu dienen hätten. "Im Namen des Volkes" jagen nun unbestechliche und großartige Volks-Ermittler die unzähligen (nicht ganz so großen) Underwoods in der chinesischen Politik und Wirtschaft auch im TV.

Alles geht also seine gewohnten sozialistischen Gang in China, so könnte man meinen. Aber wenn es etwas gibt, was die chinesischen Kommunisten von ihren gescheiterten Genossen in Europa unterscheidet, dann ist es die Geschichte von Deng Xiaoping, der Katze und den Mäusen. Ob es nun diese wegweisende Erkenntnis war oder das Dauerlächeln der Netflix-Verkäufer auf Bali- wir wissen es nicht. Jedenfalls war gerade wieder "APOS"-Konferenz in Indonesien und von dort kommt eine erstaunliche Nachricht: Netflix soll den Weg über die chinesische Mauer gefunden haben.

Das von der chinesischen Suchmaschine Baidu und damit dem direkten Google-Konkurrenten betriebene Video-Portal "iQiyi" soll Netflix und seine Inhalte jetzt nach China bringen, so heißt es. Ganz Genaues ist noch nicht bekannt- aber es wird behauptet, dass dies nicht nur vorsichtig, dosiert und genauestens überprüft geschehen soll. Sondern so, als gäbe es Netflix in China. Also alles sofort nach dem Veröffentlichen zum Binge-Watching.

Wäre ich Präsident Underwood, ich würde das so nicht glauben. Denn ja, die Chinesen mögen und verstehen zum Beispiel die Super-Helden von Marvel. Zumindest, so lange Captain America und Iron Man nicht gegen China antreten. Sie verstehen auch Francis und Claire- aber nur inoffiziell. Darüber redet man nicht. Aber schon das Treiben im Frauenknast von "OITNB" ist für asiatische Denk-Welten sehr, sagen wir mal, eigenartig. Spätestens, wenn gebrauchte Tampons im Essen verteilt werden, würde ich dieses so nur in Asien existierende Lächeln erwarten, welches in Wahrheit Gefahr signalisiert. Und beim gewohnt rüden Umgang von Chelsea Handler mit mächtigen Präsidenten, von was auch immer, wäre wohl endgültig Schluss.

Die Geschichte bleibt spannend. Hollywood baut ja zunehmend in seine Blockbuster aufrichtige und sympathische chinesische Helden ein, um die, sagen wir mal, "kulturellen Differenzen" von vornherein etwas zu entschärfen. Also so etwas wie eine zu Unrecht verurteilte bildschöne Exil-Chinesin im "OITNB"-Frauenknast, die erfolgreich Schreib- und Malkurse für von der Welt diskriminierte Insassinnen veranstaltet. Oder ein chinesischer Präsident (Ähnlichkeiten mit Xi natürlich rein zufällig), der Francis und Claire beim Dinner zu künftig grundehrlicher Politik überredet.

Wir werden es sehen. Die Staffel fünf von "House of Cards" auch, ab 30. Mai. Bei uns wieder erst einmal nicht auf Netflix, sondern bei Sky. Nicht aus politischen, sondern vermutlich finanziellen Gründen.

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